Der zu Tirschenreuth gehörende Ortsteil Wondreb zählt vielleicht 300 Einwohner, doch für viele Musiker ist das Dorf eine feste Größe. Das Musikhaus Zölch, das am 1. März 1976 von Hans Zölch (74) gegründet wurde, trotzt auch weiterhin den immer mehr um sich greifenden Online-Bestellungen. Doch wie schaffen die Inhaber das? Tochter Susanne, die 2005 in das Geschäft eingestiegen ist, erklärt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: „Wichtig sind ein guter Service, ein vertrauensvolles Verhältnis zum Kunden und natürlich eine gut funktionierende Mundpropaganda.“
Musik, sagt Susanne Zölch, ist eine Leidenschaft. Für ihre Tätigkeit im Laden habe sie sich alles selbst angeeignet. Hauptsächlich erledigt sie die Büroarbeit und den Einkauf. Im Geschäft selbst ist seit Jahren Stefan Weiß eine feste Größe. "Stuff“, wie er von Freunden genannt wird, spielte früher bei der bekannten „Stonewood String Band“. Seit 1992 arbeitet der 68-Jährige ganztags im Musikhaus. Ihm macht die Arbeit nach wie vor sehr viel Spaß, wie er sagt. Aus dem Geschäft ist er nicht wegzudenken, zumal viele Kunden ihn aus seiner Zeit als Musiker kennen und er natürlich immer noch beste Beziehungen in diese Kreise hat.
Bauernhof umgebaut
Da rümpfte wohl so mancher Dorfbewohner die Nase, als der gebürtige Wondreber Hans Zölch, der früher selbst aktiv Musik bei den „Silver Birds“ spielte, im Jahr 1976 das mittlerweile legendäre Musikhaus in Wondreb gründete – so nach dem Motto: „Das wird doch nie etwas.“ Doch die Zweifler wurden eines Besseren belehrt. Schon vorher handelte Hans Zölch in seiner Wohnung etwas mit Instrumenten, ehe er sein Geschäft aufbaute. Als Räumlichkeiten nutzte er den elterlichen ehemaligen Bauernhof, den er nach und nach erweiterte.
1978 war der Umbau abgeschlossen. Doch durch die rasch ansteigende Nachfrage dauerte es nicht lange, bis der Laden zu klein geworden war. 1987 verwandelte Zölch den Querbau, den ehemaligen "Stodl", in einen Klavierraum und zusätzliche Lagerräume. Das Geschäft erstreckte sich damit auf zwei Etagen – mit insgesamt rund 1300 Quadratmetern Fläche. Im Jahr 1996 überließ Hans Zölch nichts dem Zufall und schuf dem Geschäft ein zweites Standbein. Er erweiterte um eine Firma, die Handel mit Metall- und Holzbearbeitungsmaschinen betreibt. Das aktuelle Lager, das er heute noch führt, ist in Tirschenreuth in der Bahnhofsstraße.
Im Geschäft aufgewachsen
Zölchs Tochter Susanne, 1977 geboren, war von Kindesbeinen an mit dem Musikgeschäft verbunden – sie wuchs praktisch darin auf. 2005 stieg sie selbst mit ein. Vorher erlernte sie im elterlichen Betrieb den Beruf einer Bürokauffrau. Ihr Vater kümmerte sich fortan um sein Unternehmen in Tirschenreuth. Mit Stefan Weiß hatte sie eine wichtige Unterstützung, nach außen hin ist er das Gesicht des Musikhauses. Klar, dass sich die neue Chefin viel von ihm abschaute und sich so nach und nach einarbeitete. Sie spielt übrigens gelegentlich Klavier und hatte als Kind fünf Jahre Klavierunterricht in der Kreismusikschule Tirschenreuth.
Ihre Hauptaufgabe war es, sich gegen den immer stärker werdenden Online-Handel zu wehren. Sie eröffnete einen eigenen Online-Shop unter www.musikhaus-zoelch.de, den sie enorm forcierte. Und im Geschäft ist der „Stuff“, der auf jeden noch so speziellen Kundenwunsch eingeht und diesen auch meist erfüllen kann. Susanne Zölch: „Stefan nimmt sich für jeden Kunden richtig Zeit. Kein Detail ist ihm zu klein – alles wird in Ruhe durchgesprochen. Wer zu ihm kommt, merkt schnell: Hier ist man in guten Händen“, sagt sie voller Anerkennung über ihren Verkäufer. Apropos Verkäufer: In den besten Zeiten, als es den Online-Handel noch gar nicht gab, waren bis zu vier davon im Musikhaus beschäftigt. Bis heute stammen die Kunden, die nach Wondreb kommen, längst nicht nur aus der Region – sie reisen aus ganz Nordbayern und darüber hinaus an. Auch viele Urlauber finden den Weg ins Musikhaus.
Keine Kommissionsware
Alle Instrumente, die es im Musikhaus zu kaufen gibt, sind Eigentum der Firma. Susanne Zölch: „Es gibt keine Kommissionsware. Alles, was wir bestellen, müssen wir auch sofort bezahlen.“ Gitarren und E-Pianos gehen derzeit besonders gut. Aber auch exotischere Instrumente wie Klangschalen, Zungentrommeln oder Kalimbas liegen im Trend. „Alles, was für sanfte, meditative Klänge sorgt, kommt gut an“, erklärt die Fachfrau. Im Musikhaus gibt es aber auch Blas-, Tasten- und Saiteninstrumente aller Art, Percussions, jede Menge Zubehör und Ersatzteile. Auch diverse Noten sind im Angebot. Natürlich werden Musikinstrumente, auch elektronisch betriebene, in Wondreb nach Möglichkeit repariert und instandgesetzt.
Eigentlich gibt es also fast nichts rund um Musikinstrumente, was es bei Zölch in Wondreb nicht gibt. Ja, und Urlaub? Dazu Susanne Zölch: „Meinen letzten Urlaub hatte ich 2002. Urlaub ist mir nicht so wichtig. Meine Auszeiten verbringe ich gerne mit meinen Hunden in der Natur, da kann ich wunderbar abschalten." Außerdem, so die 48-Jährige, hat sie das Glück, einen tollen Freundeskreis zu haben: "Menschen, auf die man sich verlassen kann und mit denen man auch mal die Nacht zum Tag macht.“
"Evergreen" Musikhaus Zölch
- 1976: Gründung durch Hans Zölch
- 1992: "Stuff" Stefan Weiß, bekannt auch von der "Stonewood Stringband", steigt in den Verkauf ein
- 1996: Zölch gründet Handel mit Holz- und Metallverarbeitungsmaschinen als zweites Standbein in Tirschenreuth
- 2005: Tochter Susanne Zölch leitet seitdem das Musikhaus
















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