16.11.2018 - 12:34 Uhr
Oberpfalz

„Ich würde den gleichen Blödsinn wieder machen“

„Ehrenmann“ ist das Langenscheidt Jugendwort 2018. Das ist jemand, der etwas Besonderes für einen tut. Damit löst es das Jugendwort 2017 „I bims“ ab, das der Amberger Willy Nachdenklich bekannt gemacht hat.

Willy Nachdenklich alias Sebastian Zawrel aus Amberg.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Ob "Ehrenmann", das Jugendwort 2018, unter den Favoriten von Willy Nachdenklich, dem Amberger, der „I bims“ populär machte, war, verrät er im Interview. Erfunden hat er die „Vong-Sprache“ vielleicht nicht, doch dass Willy Nachdenklich alias Sebastian Zawrel aus Amberg sie perfektioniert, auf die Spitze getrieben und erfolgreich vermarktet hat, kann ihm keiner absprechen. Anne Sophie Vogl hat sich mit dem 35-jährigen Sprachkünstler zum Interview getroffen. Ohne Maske und in normaler Sprache.

ONETZ: Servus, Willy! Es ist jetzt ein Jahr her, dass der Ausdruck „I bims“, der vor allem durch deine Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ bekannt wurde, zum Langenscheidt Jugendwort des Jahres gewählt wurde. Was ist seitdem bei dir passiert?

Willy Nachdenklich: Einiges. Damals war ich bereits auf Lese-Tour, weil ich ein Buch rausgebracht habe. In der Zwischenzeit habe ich ein neues Buch geschrieben. Ich habe auch beim Bayerischen Rundfunk in der Jugendabteilung Puls angefangen, als freier Redakteur und Autor. Ansonsten Business as usual.

ONETZ: Dann sind wir ja praktisch Kollegen.

Willy Nachdenklich: (lacht) So gesehen, ja.

ONETZ: Ich hab hier eine Liste mit den neuen Jugendwörtern die zur Auswahl stehen. Was ist dein Favorit?

Willy Nachdenklich: (Schaut sich Liste an) Viele kennt man ja gar nicht ... Chinning, Exting - um Gottes Willen! Wack gibt es ja auch schon lange. Das hat man vor 15 Jahren auch schon gesagt. Ich würde mich für „Ich küss‘ dein Auge“ entscheiden. (lacht)

ONETZ: Wirst du die Wahl zum Jugendwort des Jahres 2018 verfolgen?

Willy Nachdenklich: Als das „I bims“ gewählt wurde, hab ich das auch nicht so richtig verfolgt. Mir wurde dann ´ne SMS geschrieben: „Ey, guck mal, was da Jugendwort geworden ist.“ Aber richtig mitbekommen habe ich es nicht. Auch dieses Jahr hab ich heute zum ersten Mal die Auswahl gesehen.

ONETZ: Du kannst ja auch noch abstimmen.

Willy Nachdenklich: Jo, ich stimm‘ für „Ich küss‘ dein Auge“ ab. (lacht)

ONETZ: Hast du eigentlich ein Patent auf „I bims“?

Willy Nachdenklich: Ne, ne, ne (lacht). Da hat schon eine andere Firma aus Lüdenscheid Patent angemeldet, damit sie „I bims“ auf Shirts und Tassen vertreiben können. Aber da geht nicht viel.
Seitdem das Jugendwort gewählt wurde, so ist es ja oft, ist der Hype vorbei. Ich benutze das „I bims“ eigentlich auch nur mega selten auf meiner Seite. Ich denke, man muss auch mal Platz für Neues schaffen. Es war cool, aber jetzt muss man auch gucken, dass man davon wegkommt.

ONETZ: Apropos Platz für Neues. Wie siehst du deine berufliche Zukunft? Kannst du dir vorstellen, in zehn Jahren immer noch Willy Nachdenklich zu sein?

Willy Nachdenklich: Also wenn‘s weiterhin so gut angenommen wird, auf jeden Fall. Beim Bayerischen Rundfunk mache ich einen nicht ganz so ernst gemeinten Podcast, in dem ich Kriminalgeschichten erzähle, die eigentlich unspektakulär sind, die ich aber spektakulär aufbaue. Dabei gehe ich auch eher weg von der falschen Rechtschreibung. Vielleicht geht‘s irgendwann komplett davon weg. Ich denke, es sind ja nicht nur die Wörter „vong“ und „I bims“. Ich würde mal behaupten, der Inhalt meiner abgedrehten Geschichten ist auch das, was ziemlich viele Leute feiern.

ONETZ: Ungefähr 357 000 Abonnenten hast du auf Facebook. Das ist fast neun mal so viel wie Amberg Einwohner hat ...

Willy Nachdenklich: Stimmt, da hab ich noch gar nicht drüber nachgedacht.

ONETZ: Gewöhnst man sich daran, bekannt zu sein?

Willy Nachdenklich: Also, im Internet wird einem das nicht so richtig bewusst. Das ist nur ‘ne Zahl. So richtig bewusst wird einem das erst, wenn man live eine Lesung hat. Da sind dann über 100 Leute. Dann ist das Ganze erst richtig greifbar.

ONETZ: Diese Woche hältst du eine Lesung in Berlin, danach in der Schweiz. Bist du da noch oft in Amberg?

Willy Nachdenklich: Also ich bin teilweise, wie jetzt im November, ziemlich viel unterwegs. So oft es geht, bin ich schon in Amberg. Ich wohne auch hier. Ich habe hier meine ganzen Kumpels, meine Verwandten und Freunde. Ich möchte jetzt nicht unbedingt weg. Hier ist einfach Zuhause. Was will ich woanders?

Das Jugendwort des Jahres 2018

Deutschland & Welt

ONETZ: Bei Auftritten und auf Fotos bist du ja nur mit Maske zu sehen. Wirst du trotzdem erkannt?

Willy Nachdenklich: Ich kenne in Amberg an sich schon viele Leute und die haben das auch mitbekommen. Die, die mich kennen, wissen natürlich, was ich so mache.

ONETZ: War das von Anfang an eine bewusste Entscheidung, die Maske zu tragen?

Willy Nachdenklich: Das war eigentlich ein fließender Übergang. Meine erste Lesung hatte ich für Puls vom Bayerischen Rundfunk. Die veranstalteten einen Schriftsteller-Wettbewerb. Für das Finale in München wurde ich gefragt, ob ich außer Konkurrenz zu dem Thema eine kleine Geschichte schreiben will. Es war gerade Faschingszeit und was Dämlicheres habe ich leider nicht gefunden (lacht).

ONETZ: Würdest du alles wieder genauso machen?

Willy Nachdenklich: Ich denke schon. Die ganze Sache ist ja eher zufällig entstanden, aus dem Blödsinn heraus. Ich denke, wenn ich die Chance hätte, würde ich den gleichen Blödsinn wieder machen.

Sheeeesh?:

„Wenn der Klassen-Lauch vom Snackosaurus zum glucose-haltigen boyfriend-material wird, kann man ihn nur noch zuckerbergen.“ Spricht so wirklich die „Jugend von heute“? Auch Wörter wie Chinning (Selfies mit Doppelkinn posten), exting (per Textnachricht Schluss machen), sheeeesh (Wirklich? Echt jetzt?) oder wack (uncool, langweilig) standen zur Wahl des Jugendworts 2018. (anv)

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