06.09.2021 - 17:22 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Drum-Abend mit Fingerspitzengefühl auf der Luisenburg-Bühne

Weltklasse-Drummer Wolfgang Haffner gastiert mit seinem Trio auf der Luisenburg. Für ihn ist es ein besonderer Abend. Doch der Auftritt hätte mehr Gäste verdient gehabt.

Das Wolfgang-Haffner-Trio spielte ein außergewöhnliches Konzert auf der Bühne der Luisenburg.
von Autor FPHProfil

Satte viereinhalb Jahrzehnte hat Wolfgang Haffner warten müssen, bis er wieder auf der Luisenburg stehen durfte. Begleitete er als neunjähriger Pimpf im Mai 1975 die Musiker beim evangelischen Kirchentag, so sind die Vorzeichen nun natürlich ganz andere. Am Samstagabend steht er als weltweit gefragter Schlagzeuger auf der Bühne.

Es nicht das erste Konzert des Künstlers in seiner Geburtsstadt Wunsiedel, aber das erste mit seinem Wolfgang-Haffner-Trio – und das zweite überhaupt auf der Luisenburg. 46 Jahre liegen zwischen beiden Auftritten. „Da haben sich ein paar Platten und Konzerte angesammelt“, sagt Wolfgang Haffner. Um genauer zu sein: 19 Soloplatten und rund 4000 Konzerte rund um den Globus.

Souverän und entspannt

Wie viele Musiker auf Haffners Können zurückgegriffen haben, ist müßig aufzuzählen. Auf mehreren hundert Platten ist sein präzises Schlagzeugspiel zu hören. Der Mann müsste nicht vor einem nur mäßig gefüllten Auditorium spielen. Dass und vor allem wie er es tut, sagt viel über den Menschen hinter dem Schlagzeug aus: grundsympathisch, souverän entspannt und vor allem bodenständig. „Ob da jetzt 2000 Menschen da sind oder 200, das ist egal“, sagt Wolfgang Haffner. „Wir spielen für jeden einzelnen.“

„Haffner plays Haffner“ heißt das Programm, in dem das Trio für gut zweieinhalb Stunden eine Perle an die andere reiht: Eigenkompositionen das Schlagzeugers, oder in dessen eigenen Worten: „Jazz für Leute, die keinen Jazz mögen.“

Tatsächlich serviert das Trio am Samstagabend auf der Luisenburg treibenden Rock und pulsierende Beats, nimmt sich aber eben auch die Freiheit, den Ideen freien Lauf zu lassen. Das swingt, ist mal mitreißend und groovend, mal träumerisch und melancholisch, aber immer spannend. Dafür hat sich Wolfgang Haffner mit Simon Oslender am Keyboard und Thomas Stieger am Bass zwei ebenbürtige Musiker geholt, die den Songs auch neue Richtungen zu geben vermögen und ihre Akzente setzen. Es ist ein Spiel auf Augenhöhe. „Es macht so einen irren Spaß, auf dieser Bühne zu stehen“, sagt Haffner.

Langes Solo

Simon Oslender, gerade mal 23 Jahre alt und seit vier Jahren in Haffners Band, schaffte es auf Anhieb mit seinem ersten Album in die Jazz-Charts. Daraus spielt er „Lullaby for Tom“ solo. Dafür darf Thomas Stieger das Stück „Wordless“ vom Album „Round Silence“, für das Haffner seinen ersten Echo einheimste, mit einem langen Solo am Tieftöner einleiten. Das Intro tauft er spontan – in Anlehnung an den Auftrittsort – „Für Luise“.

Und mittendrin Wolfgang Haffner, dem die Freude an der Musik im Allgemeinen und an der Musik in diesem Augenblick im Besonderen, richtiggehend im Gesicht abzulesen ist. Er bearbeitet sein Schlagzeug mal druckvoll, mal zart, mit Stöcken und mit Händen. Selbst quietschenden Spielzeughämmerchen entlockt der Mann eingängige Melodien. Egal, was er tut: Alles wirkt leicht und lässig – selbst dann, wenn die Töne, die er aus seinem Schlagzeug treibt, körperlich zu spüren sind.

Ein alter Freund

Zur ersten Zugabe holt sich der Schlagzeuger Roland Günther, einen Freund aus Wunsiedler Kindertagen, auf die Bühne, um sich ein packendes Drum-Duell zu liefern. Einstudiert ist da nichts. „Wir wissen nicht, was wir tun, aber das ist ja das Schöne“, stellt Wolfgang Haffner klar.

Seit Jahren habe er schon die Idee für einen Jazz-Abend auf der Luisenburg. Dass es nun geklappt hat, das freue ihn besonders, sagt der Künstler am Ende des Konzerts. „Ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr wieder.“ Dem Applaus, den Standing Ovations nach zu urteilen, ist es nicht nur der Wunsch Wolfgang Haffners.

Bericht zum Haindling-Gastspiel auf der Luisenburg

Oberpfalz
Das Wolfgang-Haffner-Trio spielte ein außergewöhnliches Konzert auf der Bühne der Luisenburg.
Simon Oslender am Keyboard.
Wolfgang Haffner (links) holte zur Zugabe Roland Günther, einen Freund aus Wunsiedler Kindertagen, auf die Bühne.
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