Von Gerd Pöhlmannn
Die Frage des Tages stellte Staatssekretär Martin Schöffel: "Wie ist das nur zustande gekommen, und wer hat den Felsen da oben draufgelegt?" Zur besseren Einordnung sei gesagt: Schöffel befand sich auf dem Alten Theaterplatz der Luisenburg in Wunsiedel, am Fuß des Felsenlabyrinths und unweit des Napoleonshuts.
Seit Kurzem darf sich das Felsenlabyrinth auf der Luisenburg ganz offiziell mit dem Prädikat "Nationales Naturmonument" schmücken. Es ist, nach der Weltenburger Enge, das zweite in Bayern und das neunte in Deutschland. "Oberfranken hat zahlreiche Naturschätze: Wir haben über 100 Naturschutzgebiete, fünf Naturparke und jetzt auch ein Nationales Naturmonument", sagte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber bei dem offiziellen Festakt in Wunsiedel.
"Die Luisenburg ist ein einzigartiges Naturjuwel", sagte Glauber. "Sie ist ein Schatz, den wir bewahren wollen." Vom gewaltigen Felsenlabyrinth bis zu einer der ältesten Freilichtbühnen Deutschlands erzähle die Landschaft eine ganz eigene Geschichte. "Hier verschmelzen Natur, Kultur und Erlebnis zu einem Ort, der seit Generationen begeistert." Die zerklüfteten Felsformationen aus Granit und die Fichtenblockwälder bieten laut Glauber einen einzigartigen Lebensraum für eine Vielzahl seltener Arten wie etwa den Gartenschläfer. Das Felsenlabyrinth mit der angrenzenden Freilichtbühne präge seit 200 Jahren das Zusammenspiel von Natur und Kultur.
Nationales Naturmonument
Erst seit dem Jahr 2010 ist die an an internationale Vorbilder angelehnte Kategorie "Nationales Naturmonument" im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Nationale Naturmonumente sind Gebiete, die aufgrund ihrer Natur, Geologie oder Kulturgeschichte von herausragender Bedeutung sind. Ziel ist es, die so geschützten Gebiete und ihre Lebensräume auch für kommende Generationen zu erhalten.
"Der Granit auf der Luisenburg hat nicht nur vor 300 Millionen Jahren die Dinosaurier gesehen, sondern auch Jean Paul und die preußische Königin Luise willkommen geheißen", sagte der Umweltminister. Mit der Ausweisung des Felsenlabyrinths sei ein wichtiger Schritt genommen. Der nächste ist Glauber zufolge der Bau des Naturparkzentrums. Aus einem Architekturwettbewerb seien viele gute Ideen hervorgegangen. "Jetzt wird die Kunst sein, zwischen guter Idee und bezahlbarer Architektur, den Weg weiterzugehen", sagte Thorsten Glauber. "Wir werden das gemeinsam wuppen müssen", wandte sich der Umweltminister an den Staatssekretär im Heimat- und Finanzministerium, Martin Schöffel.
Einzigartige Schönheit erhalten
Da Umweltpolitik in diesen Zeiten einen schweren Stand habe, rief er allen, die den Umweltschutz gerne in die zweite oder dritte Reihe abschieben wollten, zu, auf die Luisenburg zu blicken: "Um zu spüren, wofür wir Politik machen. Mit allem, was wir tun, wollen wir die einzigartige Schönheit Bayerns erhalten: vom Königssee bis zur Festung Marienberg, von der Zugspitze bis hier zur Luisenburg."
Für den Wunsiedler Martin Schöffel war es ein Heimspiel. "Irgendwie ist man jedes Jahr hier." Auch wenn der Besuch des Felsenlabyrinths fast Normalität sei, so rufe er doch immer wieder Erstaunen hervor angesichts der überwältigenden Landschaft.
Schöffel ging auf die Geschichte des Felsenlabyrinths ein, erklärte, wie Wunsiedler Bürger ab dem späten 18. Jahrhundert das Gelände nach und nach zugänglich machten, und dass die Stadt Wunsiedel im Jahr 2005 das Gelände wieder auf Vordermann gebracht hat. "Es gibt keinen Zweifel, dass das Felsenlabyrinth schützenswert ist", sagte Schöffel.
Der Staatssekretär überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Markus Söder, der zur Ausweisung des Nationalen Naturmonuments selber nach Wunsiedel kommen wollte, jedoch terminlich verhindert war.
An seine Kindheit fühlte sich Landrat Peter Berek erinnert. Egal, wie oft man das Felsenlabyrinth besuche, "jedes Mal entdeckst du es wieder neu. Und jedes Mal schließt du es neu ins Herz." Unfassbar sei es, dass das Felsenlabyrinth nun dieses exklusive Prädikat bekommen habe. Dafür danke Berek zahlreichen Beteiligten, voran Ronals Ledermüller, der vor neun Jahren mit der Idee auf Karl-Willi Beck, den damaligen Bürgermeister der Stadt Wunsiedel, zugegangen war.
"1000 Rädchen ineinander"
"Wenn man in diese Runde blickt, wird klar: Politik alleine kann nichts bewirken", sagte Peter Berek. "Es müssen 1000 Rädchen ineinandergreifen." Berek erinnerte an die vielen Treffen mit Verantwortlichen der Regierung von Oberfranken und im Umweltministerium. Immer - und das bestätigten auch die übrigen Vertreter der Behörden - sei die Zusammenarbeit sehr fruchtbar gewesen.
Der Wunsiedler Bürgermeister Nicolas Lahovnik hatte die vielen Besucher auf dem Alten Theaterplatz begrüßt. Zur Ausweisung des Felsenlabyrinths zum Nationalen Naturmonument waren nicht nur Regierungsvizepräsident Thomas Engel gekommen, sondern auch Vertreter des Geoparks, des Naturparks und der Naturschutzbehörden sowie Touristiker, Landräte und Bürgermeister.
Allen, die sich für das Prädikat eingebracht hatten, dankte Lahovnik "von ganzem Herzen". Dass bei der Ausweisung eines so großen Gebietes alle Interessen unter einen Hut gebracht werden konnten, sei nicht selbstverständlich. Aber das zeige, wie gut der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Fichtelgebirge seien. "Diese Auszeichnung bringt Renommee, bringt Bekanntheit, auch touristische", sagte der Wunsiedler Bürgermeister. "Wir wollen noch mehr Menschen willkommen heißen und gemeinsam unseren Naturpark nach außen tragen."
Umweltminister Thorsten Glauber hatte sich eingangs in das Goldene Buch der Stadt Wunsiedel eingetragen. Die Skizze des Burgplateaus auf der Seite nötigte nicht nur dem studierten Architekten Respekt ab. Wie Bürgermeister Nicolas Lahovnik sagte, hatte ihn seine Mitarbeiterin Nicole Fadel am Morgen mit der Zeichnung überrascht.
Für Interessierte
Wer mehr über das Felsenlabyrinth erfahren möchte, dem sei ein Besuch ans Herz gelegt. Bei ihren Touren erläutern die Geoparkranger erdgeschichtliche Hintergründe, und können auch erklären, wie der Napoleonshut seinen Platz gefunden hat. Festes Schuhwerk ist empfohlen. "Die mit den Flip-Flops müssen unsere Rettungskräfte immer wieder rausholen", sagte Martin Schöffel und dankte so dem Engagement der Bergwacht.















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.