15.04.2019 - 14:31 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Pizza kommt nicht auf den Tisch

Manuel De Biasi übernimmt die Traditionsgaststätte "Waldlust" auf der Luisenburg. Der Sohn des "Mamma Rosa"-Wirtes setzt auf deutsche Küche.

von Autor FPHProfil

Schweinshaxen, Sauerbraten, Schäufele. Manuel und Pasquale De Biasi lieben bayerisches Essen. Immer wenn die Wirte der Wunsiedler Pizzeria "Mamma Rosa" am Sonntag um 14 Uhr in ihrem Lokal Pause machen, lassen sie es sich so richtig schmecken - Hauptsache es ist Sauerkraut oder ein richtiger Krautsalat dabei. Warum das wichtig ist? Weil Manuel De Biasi die Wunsiedler Traditionsgaststätte "Waldlust" auf der Luisenburg gekauft hat. "Und eines ist klar: Ich werde zu 99 Prozent auf deutsche Küche setzen. Pizzas wird es bei mir nicht geben."

Am Freitag hat der amtierende Bürgermeister Manfred Söllner das Geheimnis um den neuen Eigentümer der "Waldlust" gelüftet: Nachdem die oberbayerische Karte nicht gestochen hat, bleibt das Hotelrestaurant in Wunsiedler Händen. "Endlich hat es geklappt", seufzte Söllner. Er wollte zwar auf Nachfrage den Verkaufspreis nicht nennen, gab aber unumwunden zu "dass es natürlich mehr hätte sein dürfen". Dennoch ist er zufrieden, da vor allem der Unterhalt und die anstehenden Investitionen in das Gebäude die Stadt viel Geld kosten. Wie berichtet, hatte sich im Winter ein Investor aus Oberbayern für das Ensemble interessiert. Dieser wollte nicht nur die Gaststätte kaufen, sondern auch nebenan ein Hotel mit um die 200 Betten bauen. Letztlich hat sich dies zerschlagen.

Manuel De Biasi, der bisher bei seinem Vater Pasquale in der Pizzeria "Mamma Rosa" gearbeitet hat, will sich mit der "Waldlust" eine eigene Existenz aufbauen. "Wir haben jede Menge zu organisieren, angefangen von der Gewerbeanmeldung bis hin zur Beschaffung von Bestecken und Tischdecken." Auch müsse er die Kücheneinrichtungen testen, damit er möglichst schnell loslegen kann. Spätestens eine Woche vor der Premiere des Luisenburg-Familienstücks "Madagascar" am 29. Mai wolle er eröffnen, sagt Manuel De Biasi.

Haus zur Einkehr

Vorerst betreibt der 28 Jahre alte Gastronom nur die "Waldlust". Das Jägerstüberl, zuletzt Teschners Restaurant, werde im kommenden Jahr folgen. Während es in der laufenden Luisenburg-Saison vor allem darauf ankomme, den Gästen ein attraktives Haus zur Einkehr zu bieten, solle das gesamte Ensemble im Herbst und Winter eine Frischzellenkur bekommen. Das Ambiente verändern die De Biasis nicht. "Aber auf alle Fälle werden wir den Parkplatz asphaltieren. Es muss hier einfach alles sauber sein", sagt Pasquale De Biasi. Ganz fertig werde ein Lokal dennoch nie, "da gibt es immer etwas zu richten und zu verändern".

Guter Draht

Vater und Sohn hoffen zudem, oben auf dem Berg einen ähnlich guten Draht zu den Schauspielern zu haben wie in der Pizzeria in der Stadt. Pasquale De Biasi: "Wenn die nach Mitternacht sehen, dass wir noch zusammensitzen, klopfen sie ans Fenster und fragen, ob sie eine Pizza bekommen. Die kriegen sie. Meistens sitzen wir dann alle zusammen am Tisch. Wir sind für die Künstler eine Art Wohnzimmer." Wichtig sei es, alle Gäste zufriedenzustellen.

In den kommenden Wochen gilt es für die Wirtsfamilie, Mitarbeiter für die "Waldlust" zu finden. "Vor allem Küchenpersonal gibt es nicht so häufig. Aushilfen sind kein Problem", sagt Pasquale De Biasi. Zwei Zusagen habe er bereits, zwei weitere Kräfte müsse er noch suchen. "In den kommenden vier Wochen wird die Mannschaft stehen."

Nachdem die italienische Gastronomenfamilie sich schon vor mehreren Wochen zum Kauf der "Waldlust" entschlossen hatte, schien es nur noch eine Formsache zu sein, dass sie den Zuschlag erhält. In den letzten Tagen der Bieterfrist (sie lief bis 5. April) haben sich laut Manfred Söllner allerdings doch noch einige Interessenten gemeldet. "Allerdings war letztlich niemand dabei, der das Gebäude wirklich ernsthaft kaufen wollte." Wenn in den kommenden Tagen der Kaufvertrag unterzeichnet ist, endet für die Stadt ein Kapitel, das ihr viel Geld gekostet, sie aber auch vor richtig üblem Ärger bewahrt hat. Als 2007 der seinerzeitige Eigentümer die Gaststätte verkaufen wollte, hatte sich sofort eine Neonazi-Gruppierung gemeldet, um hier ein Schulungszentrum einzurichten. Die Stadt Wunsiedel hatte damals auf Initiative von Bürgermeister Karl-Willi Beck sofort gehandelt und das Gebäude gekauft. Einen wirtschaftlichen Gewinn hat die Investition nie abgeworfen.

Dies soll sich für die De Biasis ändern. Als erfahrene Gastronomen haben sie schon ein Konzept für das langfristige Engagement gestrickt. Nur am Freitagmittag gestand Pasquale De Biasi dann doch einen Fehler ein: "Mist, jetzt habe ich doch glatt den Grappa vergessen. Da hätten wir anstoßen können." Manfred Söllner beruhigte den enttäuschten Wirt. Im Sitzungssaal herrsche eh Alkoholverbot. Das wiederum erstaunte Di Biasi: "Was, und gilt das auch am Freitagmittag?"

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