24.08.2018 - 14:55 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOberpfalz

"Brutale Hürden" für O'Schnitt-Halle

Was die Lederer-Scheune gerade anstrebt, hat die Wurzer O'schnitt-Halle längst hinter sich: die Genehmigung als Gaststättenbetrieb. Geschäftsführer Tom Kreuzer erinnert an die mühsame Entstehungsgeschichte.

Die Wurzer O'Schnitt-Halle hat sich als Veranstaltungsstätte etabliert. Doch der Anfang war schwer.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Wie berichtet, kam es im Fall der Tännesberger Lederer-Scheune zu Turbulenzen im Gemeinderat. Nun ist das Landratsamt am Zug. Auch im Fall der O'schnitt-Halle lief es lange Zeit alles andere als reibungslos, wie Geschäftsführer Tom Kreuzer schildert. "Der Ausdruck ,brutale Hürden' ist wahrscheinlich noch untertrieben", erklärt er. Hier ist sein Erfahrungsbericht:

Zum Artikel über die Tännesberger Lederer-Scheune möchte ich mich gerne äußern, da wir mit der Wurzer O'Schnitt-Halle beim Bau im Jahr 2010 auch einige brutale Hürden zu durchlaufen hatten. Die Wurzer O'Schnitt-Halle wurde von den beiden Vereinen Wurzer Hogerer und Sportverein Wurz gebaut und ich wurde damals als sog. ,,Geschäftsführer" eingesetzt, da wir dann nicht mehr als Vereine akzeptiert wurden, sondern als Firma deklariert wurden.

Der Ausdruck ,,Brutale Hürden" ist wahrscheinlich noch untertrieben. Schließlich hatten wir mit einer kurzzeitigen offiziellen Bauuntersagung durch das Landratsamt das volle ,,Programm" durchgemacht.

Brandschutz:

So ging es bereits los, dass uns durch ein Brandschutzgutachten, (das nebenbei gesagt auch ein paar Tausend Euro kostet,) für das Dach eine bestimmte Brandschutzklasse vorgeschrieben wurde. Dieses Dach wurde dann auch von uns über die Hallenbaufirma bestellt. Kurz bevor das Dach in die Konstruktion ging, teilte uns das Landratsamt mit, dass diese Brandschutzklasse nicht ausreichend wäre. Ich sagte der damaligen Sachbearbeiterin vom LRA, dass das Dach bereits die nächsten Tage in die Konstruktion ginge und somit ca. 30000 Euro in den Sand gesetzt würden. Die Antwort lautete damals: ,,Das ist mir egal". Glücklicherweise konnten wir damals die Konstruktion am letzten Tag noch stoppen. Was lernt man daraus: Ein teures Brandschutzgutachten zählt gar nichts, wenn das zuständige LRA dies nicht akzeptiert und das soll man als ,,Laie" erstmal wissen. Zudem kostete die höhere Brandschutzklasse nochmal 15000 Euro mehr.

Gaststättenerlaubnis:

Zu jeder öffentlichen Veranstaltung ist eine Gaststättenerlaubnis nötig, sobald nur ein Getränk verkauft wird. Zuständig ist hierzu die Gemeinde oder bei uns die Verwaltungsgemeinschaft. Diese Genehmigungen haben pro Jahr ca. 1000 Euro verschlungen. Nebenbei sei erwähnt, dass die Kosten der Genehmigungen von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich sind und die Verwaltungsgemeinschaft Neustadt/WN mit die höchsten Gebühren im Umkreis verlangen. Dabei meint man doch, dass eine Verwaltungsgemeinschaft gebildet wird um die Kosten für einzelne Gemeinden zu senken. Nun weiter: Es hieß zunächst, dass eine Dauer-Gaststättenerlaubnis nicht möglich wäre. Trotz dieser Aussage beantragten wir nach einigen Jahren eine Dauer-Gaststättenerlaubnis beim Landratsamt. Mit ein paar kleineren Auflagen wurde uns diese dann auch ausgestellt. Noch heute frage ich mich, warum uns dies nicht durch die ,,Dienstleistungsbehörde" vorher gesagt wurde. Ein Dank gilt hier nochmal dem zuständigen Sachbearbeiter des Landratsamtes, der uns damals sehr wohlwollend unterstützte.

Löschwasser:

Zunächst wurde uns eine Ringleitung vorgeschrieben, die ca. 20000 Euro Kosten verschlungen hätte. Auch eine Zusammenkunft mit Feuerwehrverantwortlichen und Bürgermeister brachte uns nicht weiter. Durch Zufall und Hinweise eines Mitgliedes kamen

wir darauf, dass die Gemeinde für den Löschwassereinsatz zuständig ist. Plötzlich reichte vor der O'Schnitt-Halle ein ausgedienter Öltank als Zisterne für das Löschwasser. Kosten vermutlich ein paar Hundert Euro. Außerdem mussten wir die Kosten für das Ausbaggern auch nochmal selbst übernehmen.

Kanal- und Wasseranschlussgebühren:

Diese Gebühren wurden bei uns von der Gemeinde mit über 20000 Euro veranschlagt. Bei einem Verein wird dies i.d.R. erlassen. Da, wie oben erwähnt, die beiden Vereine nun als Firma geführt werden, sind die Gebühren von uns zu entrichten. Auch bei einerBürgerversammlung mit den Gemeinderäten konnte dies nicht verhindert werden. Obwohl Kanal und Wasser durch die beiden Vereine selbst finanziert und erstellt wurden (keine Kosten für die Gemeinde). Es wurde uns, im Gegenteil, noch vorgeworfen, dass die O'Schnitt-Halle ja auf Gewinn ausgerichtet sei. Ich glaube mehr braucht man zu diesem Thema nicht sagen.

Fazit:

Letztendlich muss ich sagen, dass ich hier nicht die Behörden an sich kritisieren möchte. Schließlich sind sie an Recht und Gesetz gebunden. Halten sie sich nicht daran, steht am nächsten Tag evtl. der Staatsanwalt vor der Tür. Ich habe daraus nur erfahren, dass es Sachbearbeiter und Gemeindevertreter gibt, die ein Vorhaben unterstützen und Ratschläge geben, wie es sich für eine Dienstleistungsbehörde gehört. Andere wiederum lassen dich im ,,Regen" stehen. Dabei handelte ich nur im Sinne der Vereine und es war kein persönliches Anliegen.

Ich bin froh, dass wir die Wurzer O'Schnitt-Halle als offizielle Festhalle gebaut haben mit allen dazugehörigen Auflagen für Brand- oder auch Lärmschutz und Notausgängen. Ich wünsche der Lederer-Scheune in Tännesberg, dass auch sie diese Hürden meistert.

Schließlich ist es mittlerweile schon sehr risikoreich, als kleiner Verein ein Fest abzuhalten. Die Fixkosten im Vorfeld für Gema, Gaststättenerlaubnis, Security, Zelt, Band usw. werden nicht weniger. Aber auch bei einem Neu- oder Umbau einer bestehenden Festhalle möchte ich niemanden beneiden. Nicht umsonst werben Feuerwehrvereine schon ein Jahr vorher für ihr Jubiläum um die

immensen Kosten für das Großereignis durch die Besucherzahlen abzudecken. Auch die in Mode gekommenen Serenaden der Städte tragen nicht unbedingt für den Erhalt der Vereine bei. So werden hier Tausende von Euros für Bands ausgegeben, damit sich die Besucher kostenlos berieseln lassen können. Wäre das Geld vielleicht nicht besser angelegt um die örtlichen Vereine bei Veranstaltungen zu unterstützen, damit sie weniger Risiko tragen.

Das Ehrenamt wird ständig gelobt und angeblich gefördert! Wenn ich sehe, wie sich unsere Mitglieder der beiden Vereine und auch Nichtmitglieder in der Ortschaft an dem Bau der O'Schnitt-Halle durch mehrere Tausend Arbeitsstunden aufopferten und dann keine einzige Förderung an die Vereine geleistet wurde, wird wohl jeder irgendwann an dieser Aussage zweifeln. Doch mit dem Bau war die Arbeit ja lange nicht beendet. Jedes Jahr benötigen die beiden Vereine jede Menge Arbeitsdienst der Mitglieder um alle Festlichkeiten in der Wurzer O'Schnitt-Halle zu stemmen. Aktuell haben wir für den Wurzer O'Schnitt bereits wieder 200 Arbeiter gefunden und die Belohnung wird das traditionelle nachträgliche Helferfest sein, denn von öffentlicher Hand ist ja nichts zu

erwarten.

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