28.07.2019 - 14:45 Uhr
Wurz bei PüchersreuthOberpfalz

Teufelsgeiger und vollendete Harmonie aus Prag

Am Samstag eröffnete Rita Kielhorn die 32. Wurzer Konzertsaison, die unter dem Motto „Fiori Musicali" steht. Das Programm bietet musikalischen Blüten von Klassik und Romantik bis zu beschwingten Melodien von Bernstein und Gershwin.

Harmonia Praga mit Dirigent Štefan Britvík.
von Harald BäumlerProfil

Vielfalt ist eines der großen Verdienste der Wurzer Programme. Unabhängig vom Mainstream des ewig Gleichen und Bewährten hat man in Wurz die Gelegenheit, Musik kennenzulernen, die unabhängig vom Alter der Entstehung für den Großteil der Zuhörer ultimativ neu ist. So hatten auch die 13 Musiker des Kammerorchesters Prag unter Leitung des Dirigenten Štefan Britvík mit Sinfonien von Josef Mysliveček und Jan Křtitel Vaňhal völlig neue Musikerfahrungen im Gepäck.

Mysliveček hat den Großteil seines musikalischen Lebens in Italien verbrachte und wurde dort wegen seines unaussprechlichen Namens nur „Il Boemo“ (der Böhme) genannt. Zu Lebzeiten galt er als der höchstbezahlte Opernkomponist Italiens. Das und auch die Freundschaft zu Mozart, der den fast 20 Jahre älteren Komponisten sehr bewunderte, schützte ihn aber nicht vor dem Vergessenwerden.

Seine dreisätzige „Sinfonie D-Dur“ zeichnen klangliche und satztechnische Raffinessen sowie spritzige Melodiebildung aus. Kurz und knapp überreizt er nicht das Potential seiner musikalischen Erfindungskraft. Völlig zu Recht wurden seine Sinfonien an anderer Stelle als „süchtig machende Musikpralines“ bezeichnet, deren Genuss auch den Musikern von Harmonia Praga hörbar Spaß bereitete.

Die musikalische Entdeckungstour wurde mit der Sinfonie E-Dur aus der Feder von Jan Křtitel Vaňhal fortgesetzt. Dieses Werk, erstmals editiert von Stefan Britvík, erfuhr in Wurz seine zweite Wiederuraufführung nach langer Vergessenheit, die angesichts des mehr als 1300 Kompositionen umfassenden Gesamtwerks von Vanhal nicht überrascht. Mit großem Herzblut warfen sich die Musiker in den Kampf um die überzeugende Rehabilitierung der klanglich eingängigen musikalischen Ideen. Mit viel Spielwitz und Virtuosität, einem herrlichen Violoncello-Solo im Adagio, einem Finale mit Rausschmeißer-Qualitäten und einem hinreißenden Oboe-Solo im 3. Satz präsentierte Harmonia Praga alle Qualitäten des Ensembles.

Mozart als Maß aller Dinge

Es bleibt aber doch letztlich die Feststellung unwidersprochen, dass Mozart das Maß aller Dinge im Vergleich dazu ist. Soloviolinist Miroslav Vilímec lief im 5. Violinkonzert A-Dur, KV 219 zu größter Form auf. Direkt vor dem Publikum auswendig spielend entfachte er ein Feuerwerk an Virtuosität und Klang. Ohne den klangverschmelzenden Mantel einer Konzertsaalakustik wagte er jedes spieltechnische Risiko und zog die Zuhörer in seinen Bann. Die halsbrecherischen Kadenzen aus der Feder von Joseph Joachim im 1. und 3. Satz ergänzte er um eine in nichts nachstehende eigene Schöpfung im 2. Satz. Hellwach und partnerschaftlich assistierte sein Ensemble. Für den stürmischen Applaus bedankte sich Vilímec erneut begeisternd mit dem „Polnischen Capriccio“ von Grażyna Bacewicz.

In Abweichung vom Programm beschlossen die Musiker das Konzert mit der Sinfonie Nr. 29 in A-Dur, KV 201. Mit großer Risikofreude loteten sie alle spieltechnischen Grenzen aus und zogen auf diese Weise das Publikum in den Strudel der überbordenden musikalischen Ideen Mozarts hinein. Leider verfinsterte sich der Himmel zusehends im Verlauf des letzten Satzes, aber das Wetter hatte doch ein Einsehen. Danach großer Applaus im Pfarrgarten – absolut verdient!

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