Wer es selbst war, vergisst es nie. Bei jedem Zahnspangenträger haben ähnliche Erlebnisse nachhaltige Eindrücke hinterlassen. Besonders bei denjenigen, die vor Jahrzehnten in den Genuss der damaligen Korrekturinstrumente für Kiefer- und Zahnfehlstellungen kamen.
Das schnalzende Geräusch etwa, mit dem der Mini-Hammer die Klammern der "festen Spange" die Backenzähne hochjagte oder das Gefühl, wenn die Drähte mit der Bracketzange festgezurrt wurden. Optional installiert mit nervigen Gummibändern im Mund oder schmucken Außenbögen, die dem Träger modisch eine besondere Note gaben. "An der Zahnspange hängengeblieben ..." war zudem für Jahre der Einstieg für witzig-peinliche Geschichten.
Und jetzt soll laut Studien die ganze Quälerei für die Mundgesundheit vielleicht gar nichts bringen? Die Behandlungen sind heute ausgefeilter, aber für die Kassen teurer. In der Medizin ist es immer sinnvoll, Methoden empirisch zu hinterfragen. Auch auf ihre Wirtschaftlichkeit hin. Gesundheitsminister Jens Spahn sollte jedoch bedenken: Schon heute sind Zahnspangen selten kostenfrei.
Würden die Leistungen aber als nicht medizinisch notwendig erachtet werden und die Kosten nur die Patienten belasten, droht eine sichtbare Zwei-Klassen-Medizin. Dabei ist der "patientenrelevante" Nutzen keineswegs fraglich, besonders bei Jugendlichen: Gerade in unserer selbstdarstellerischen Selfie-Zeit ist Zähne zeigen und der richtige Biss unerlässlich.













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