13.09.2018 - 11:57 Uhr
Zessau bei TrabitzOberpfalz

Mammutpumpe und Mezzoblech

Retten, löschen, bergen, schützen: Wie und womit eine gut gerüstete Feuerwehr dies schafft, sahen die Besucher des Zessauer Feuerwehrfestes am Sonntag. Einer der Hauptakteure: ein "Elefant".

Klein und Groß waren auf den Beinen, als zahlreiche Feuerwehren auf dem Zessauer Dorfplatz ihre Ausrüstung zeigten. Im Hintergrund der Kran von Wechsellader "Elefant" aus Speichersdorf, der den Katastrophenschutz-Abrollbehälter für Wasserförderung nach Zessau bugsiert hatte. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

„Spritzenmeister“ aus Zessau und Weihersberg sind hart im Nehmen – nicht nur im Einsatz, sondern auch beim Organisieren ihrer 125-Jahr-Feier. „Erst gegen sechs Uhr am Sonntagmorgen sind die letzten Gäste unseres Festabends aufgebrochen“, verriet Feuerwehrkommandant Markus Eichermüller. Doch schon ab neun Uhr herrschte wieder munterer Betrieb, als sich das Festzelt aufs Neue zum Frühschoppen zu füllen begann.

Nicht nur „wettermäßig“ ging es am Sonntagnachmittag heiß her: Feuerwehren aus dem Umkreis zwischen Neusorg und Traßlberg zeigten ihre vielseitige Einsatzfahrzeugtechnik und lockten damit zahlreiche Schaulustige auf den Dorfplatz. Besondere „Leckerbissen“ waren das Drehleiterfahrzeug der Eschenbacher Brandschützer und der „Abrollbehälter Wasserförderung“ der Speichersdorfer Feuerwehr, der als Katastrophenschutz-Spezialgerät bei Großbränden bis zu 8000 Liter Wasser pro Minute heranpumpt – nötigenfalls durch eine zwei Kilometer lange Schlauchleitung.

„In ganz Bayern gibt es nur zwölf solcher Anhänger, die nächsten stehen in Bamberg, Regensburg und Nürnberg“, wusste Gerätewart Jörg Fichtner. Auch zum Wasserabpumpen bei Überschwemmungskatastrophen stehe das 28-Tonnen-Gespann aus Wechsellader „Elefant“ und Maschinerieanhänger bereit. Zuletzt sei die Mammut-Maschine im Februar beim Großbrand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Heisenstein bei Bindlach eingesetzt worden. Ebenfalls für Feuersbrünste außergewöhnlichen Ausmaßes gerüstet ist das „Löschgruppenfahrzeug KATS (Katastrophenschutz)“ der Feuerwehr Neusorg, das mit einem 720-Meter-Schlauch bis zu 3600 Liter Löschwasser pro Minute herbeizuschaffen vermag.

Was sich hinter dem trockenen Begriff „Technische Hilfeleistung“ verbirgt, führte die Feuerwehr Pressath bei einer Schauübung vor: Unter Leitung von Kommandant Andreas Kneidl zeigte sie, wie ein Unfallfahrzeug mit Hilfe von Spreizern, XXL-Zangen und anderen Spezialgeräten „geknackt“ wird, wenn die Rettung von Insassen anders nicht möglich ist. Nicht fehlen durfte die dringende Bitte an alle Autofahrer, in der Tasche der fahrerseitigen Sonnenblende eine „Rettungskarte“ für ihren Fahrzeugtyp mitzuführen (siehe Kasten). Sie informiere die Rettungskräfte, wo an der Karosserie sie Spreizer und Schere ansetzen könnten oder welche Vorsichtsmaßnahmen sie insbesondere bei strom- oder gasbetriebenen Fahrzeugen beachten müssten.

Reichlich Hüftgoldgrundstoff hielten Kuchenbuffet und Grillwagen bereit, und am rauchenden Pizzaofenwagen von „Learning Campus“ standen die Feinschmecker Schlange nach dem schon legendären „Erlebnis-Zwiebelkuchen“ der Erlebnispädagogen aus Trabitz. Mit einem Dämmerschoppen im Festzelt zu Ohrwürmern des Pressather Blasmusikertrios „Mezzoblech“ klang das Feuerwehrfest aus.

Mit dem Rettungsspreizer öffneten die Pressather Feuerwehrleute bei einer Schauübung die Beifahrertür eines Autos: im Ernstfall oft eine der letzten Optionen, um ein Unfallopfer zu bergen. Bild: bjp
Vor 60 Jahren trat Karl Haas (hinten Fünfter von rechts) in die aktive Zessau-Weihersberger Wehr ein. Ihm und vielen weiteren altgedienten Aktiven gratulierten Kommandant Markus Eichermüller, Vorsitzender Tobias Eck (vorn Zweiter und Vierter von rechts), Fahnenbraut Anna Laugensteiner (links) und Bürgermeisterin Carmen Pepiuk als Schirmherrin (hinten Vierte von rechts). Bild: bjp
Info:

Zessau. (bjp) Wie gut es um die Feuerwehr Zessau-Weihersberg auch 125 Jahre nach ihrer Gründung bestellt ist, zeigte die große Zahl der langjährigen aktiven Mitglieder, die beim Dämmerschoppen am Sonntagabend geehrt wurden. Assistiert von Bürgermeisterin Carmen Pepiuk und Fahnenbraut Anna Laugensteiner dankten Vorsitzender Tobias Eck und Kommandant Markus Eichermüller ihren Kameraden:

- Katrin Heinlein, Markus Eichermüller, Daniel Lober für 20 Jahre Dienst.

- Wolfgang Gebel, Roland Kliebhan, Albert Lober, Martin Lober, Richard Pfleger, Josef Reindl, Robert Reindl, Josef Schlicht, Klaus Schwitalla für 40 Jahre.

- Jakob Fahrnbauer, Rudolf Keck, Herbert Landgraf für 50 Jahre.

- Karl Haas für 60 Jahre.

Info:

Rettungsdatenblätter („Rettungskarten“) für viele Pkw-Typen können kostenlos unter https://www.adac.de/infotestrat/adac-im-einsatz/motorwelt/Rettungskarte.... (auch für Nichtmitglieder) heruntergeladen werden. Die farbig ausgedruckten Datenblätter sollen in der Tasche auf der Rückseite der Fahrersonnenblende verwahrt werden, wo Rettungskräfte sie leicht finden. (bjp)

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