05.04.2018 - 20:10 Uhr
PressathOberpfalz

Demenzvortrag bei Frühstück des katholischen Frauenbunds

Oma sitzt am Tisch und lässt sich ein Brot schmecken, steht auf - und vergisst, was sie eben gegessen hat. Wie man Demenz erkennt und was Betroffene tun können, erfahren die Teilnehmer eines Frühstücks des katholischen Frauenbunds.

Regina Krywinski (rechts) und Brigitte Schindler (links) vom Führungsteam bedankten sich mit einem Frühlingsgruß bei Referentin Elfriede Schwarzmeier. Bild: hai
von Autor HAIProfil

Mockersdorf. Bei den Damen des katholischen Frauenbunds gab es nicht nur Frühstück, sondern auch viele Informationen rund um Demenz. Pflegedienstleiterin und Demenzbeauftragte der Steinwaldklinik Erbendorf, Elfriede Schwarzmeier aus Krummennaab, klärte in einem Vortrag über das Krankheitsbild auf. Unter den Zuhörern war auch Pfarrvikar Augustine Oburota.

Wie die Referentin erklärte, seien laut einer Statistik derzeit rund 1,3 Millionen Menschen dement. "Die Zahl verdoppelt sich vermutlich bis zum Jahr 2050", informierte sie. Obwohl sich Demenz zu einer Volkskrankheit auszuwachsen drohe, sei das Thema nach wie vor mit Ängsten und Tabus besetzt. Ein Heilmittel gebe es noch nicht.

Nach der Einordnung von Demenz in Abgrenzung zu Depression, Delirium und Wahn, warnte Schwarzmeier vor Selbstdiagnosen. "Das kann fatale Folgen haben." Sie riet deshalb, Indizien, die auf die Krankheit hindeuten, immer von einem Arzt abklären zu lassen. Denn: Demenz bedeute Kontrollverlust im Alltag, was ein Problem für die heutige Gesellschaft und für das Umfeld des Betroffenen sei. So sprechen Demente niemanden mit "Sie" an, haben Probleme beim Auffinden der Toilette und Wortfindungsstörungen. Sie leben außerdem verstärkt in der Vergangenheit und haben Geschichten von früher aus der Kindheit oder Jugendphase parat. Betroffene hätten laut der Referentin zudem Schwierigkeiten, über einen längeren Zeitraum ruhig zu sitzen. Hintergrund sei eine große Adrenalinausschüttung, die Erkrankte nicht zur Ruhe kommen lasse.

Belastung für Angehörige

Für die Familie bedeute das eine Herausforderung bei der Betreuung, vor allem bei der Körperpflege, Nahrungsaufnahme, beim Beaufsichtigen und Motivieren. Verhaltensänderungen wie Verwirrtheit, Depressivität und Aggressivität bedeuten eine Belastung. "Unausdenkbar, wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr erkennen", erklärte Schwarzmeier. Oft würden dann selbst die Angehörigen auch noch isoliert, weil sich Freunde immer mehr zurückziehe.

Was tun und wie sich verhalten, wenn das Schicksal zuschlägt und der Familienangehörige dement wird? Wie groß der Informations- und Hilfebedarf ist, zeigten die vielen Fragen aus den Reihen der Zuhörer. Alltagsbeispiele und Tipps der Rednerin machten den Vormittag kurzweilig. Letztendlich bringe es nichts, meinte Schwarzmeier, die verwirrte Person zu korrigieren zu versuchen.

Nähe zulassen

Man könne Betroffene mit Geschichten aus der Jugend wieder in die Realität zurückzuholen versuchen, die Gefühle ernst nehmen und nicht bagatellisieren. Wichtig sei vor allem, den Betroffenen einzubeziehen und ihm Aufgaben zu übertragen, wie Wäsche zusammenlegen zu lassen, seine Leistungen anzuerkennen und zu loben. Wichtig sei auch, gemeinsam zu lachen. "Angehörige erleben oft einen neuen Humor des Erkrankten", berichtete die Demenzbeauftragte. Nicht zuletzt dürfe an Umarmungen nicht gespart werden. "Denn auch Demenzkranke erleben Glücksmomente." Das Organisationsteam um Regina Krywinski und Brigitte Schindler aus dem Vorstand hatten Elfriede Schwarzmeier als Referentin eingeladen.

Neben den vielen Informationen gab es auch viele leckere Häppchen: Fleißige Hände hatten Käserollen und -spieße, Lachs- und Rucolaaufstrich, gefüllte Eier, eine Wurstplatte sowie geschnittenes Gemüse und Obst zubereitet. Dazu gab es Frühlings- und Vollkornbrot, als Nachspeise Käsekuchen und Nussecken.

Angehörige erleben oft einen neuen Humor des Erkrankten.Elfriede Schwarzmeier, Demenzbeauftragte der Steinwaldklinik Erbendorf

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