17.05.2018 - 11:56 Uhr
PressathOberpfalz

Paukenschlag in Pressath [Aktualisierung] Maschinenbauer Lippert zieht nach Eschenbach

Paukenschlag in Pressath: Der Maschinenbauer Lippert zieht nach Eschenbach. Pressath verliert damit einen Traditionsbetrieb und einen der größten Arbeitgeber. Die Reaktion des Pressather Bürgermeisters fällt entsprechend aus.

Der Maschinenbauer Lippert verlässt seinen Stammsitz an der Böttgerstraße in Pressath. Noch in diesem Jahr soll der Umzug nach Eschenbach beginnen Bild: gsb
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Das Maschinenbauunternehmen Lippert GmbH verlässt seinen Stammsitz in der Böttgerstraße in Pressath und erstellt im Eschenbacher Industriegebiet "Am Stadtwald" einen neuen Firmensitz. Dies bestätigte Lippert-Geschäftsführer Hubert Schug am Donnerstagvormittag der Oberpfalz-Medien-Redaktion. Der Eschenbacher Stadtrat habe der Neuansiedlung am Mittwochabend zugestimmt, die Stadt Pressath sei informiert. Für den Firmensitz soll im Gebiet nahe der B 470 eine Waldfläche gerodet werden, erklärte Schug. Die Umsiedlung werde zügig anlaufen, noch in diesem Jahr sollen die ersten Hallen in Eschenbach stehen.

Der Ortswechsel des Betriebs mit rund 250 Mitarbeitern nach Eschenbach kommt überraschend. Seit der Nachkriegszeit ist der Spezialist für Anlagen der Porzellanindustrie und für Fördertechnik in Pressath angesiedelt. Auch wegen der zuletzt sehr guten Geschäftsentwicklung war bereits länger ein Neubau für die Firma im Gespräch. Dabei schien aber ausgemacht, dass der neue Firmensitz in Pressath entsteht.

Pläne nach Eschenbach übertragen

Zwar hatte Hubert Schug am Rande eines Firmenbesuchs der Mittelstandsunion im vergangenen Dezember angedeutet, dass er sich auch einen Umzug an einen anderen Standort vorstellen kann. Danach schien aber wieder alles in Richtung Pressath zu laufen. Im Gespräch war eine Fläche am jetzigen Firmengelände an der Pressather Böttgerstraße und das Industriegebiet Döllnitz. Hubert Schug bestätigte am Donnerstag, dass er im April Hallenbauten in Auftrag gab und davon ausging, dass diese in Pressath entstehen würden. Nun werden die Pläne nach Eschenbach übertragen.

Zu den Gründen für den Sinneswandel wollte sich Schug nicht äußern. "Sonst müsste ich schmutzige Wäsche waschen." Dagegen wurde Pressaths Bürgermeister Werner Walberer deutlich: "Ich bin maßlos enttäuscht, seriöses Unternehmertum geht anders." Walberer erklärte, dass er erst am späten Mittwochabend per E-Mail über die Entscheidung für Eschenbach informiert worden sei. In der Mail dankt Schug der Stadt Pressath für die Unterstützung und drückt seine Bedauern aus, dass die Entscheidung "aus unternehmerischen Gründen" für Eschenbach gefallen sei. Wegen der Tradition des Betriebs in Pressath sei "diese Entscheidung nicht leicht gefallen".

Pressath wollte Lippert gerecht werden

Eine genauere Begründung liefert das Schreiben nicht. Walberer sagte, dass ihm auch persönlich keine Erklärung mitgeteilt worden sei. Allerdings habe es Hinweise gegeben. "Wir waren uns bereits einig", schilderte Walberer die Verhandlungen. Plötzlich hätten die Lippert Verantwortlichen "aber zu mauern" begonnen. "Sie waren nicht mehr erreichbar, E-Mails wurden nicht beantwortet, wir haben keine Rückrufe erhalten." Dabei habe sich die Stadt "den A ... aufgerissen" um den Lippert-Vorstellungen gerecht zu werden.

Ursprünglich habe die Stadt Planungen am derzeitigen Lippert-Gelände im Gewerbegebiet Ebene vorangetrieben, später wurden dann auf Wunsch 40 000 Quadratmeter im Industriegebiet Döllnitz reserviert. "Aus der Zeitung haben wir erfahren, dass sich Herr Schug 80.000 oder 90.000 Quadratmeter wünscht. Auch dies haben wir in Döllnitz möglich gemacht", erklärte Walberer weiter. Dann habe es keine Rückmeldung mehr gegeben. "So geht man nicht miteinander um." Ausdrücklich betonte Walberer, dass sich sein Unmut nur gegen die Geschäftsführung richtet. Den Verantwortlichen der Stadt Eschenbach könne er keinen Vorwurf machen.

Laut Walberer, hab es am Donnerstagvormittag ein Telefonat mit Hubert Schug gegeben. Der Geschäftsführer habe sich entschuldigt und zugesagt, dass der Umzug sich über einen längeren Zeitraum hinziehen wird. Laut Walberer sei von bis zu zehn Jahren die Rede gewesen. Trösten kann das den Bürgermeister nicht. "Wir verlieren einen der größten Arbeitgeber und einen guten Gewerbesteuerzahler." Dabei hätte Lippert in Pressath sofort mit dem Bau beginnen können. In Eschenbach müsse nun erst Wald gerodet werden. "Das bedeutet dann auch noch, dass der Flächenfraß weitergeht."

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