21.03.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Familie Maisky und die Moscow Virtuosi präsentieren Klassik und Romantik, konzertantes und ... Meister Maisky macht Musik

Faktisch volles Audimax trotz widriger Wetterlage: Die "Odeon Concerte" hatten einen der großen Cellisten eingeladen, Mischa Maisky (70), in Begleitung von Sohn Sascha (29, Violine) und Tochter Lily (31, Klavier), dazu das Kammerorchester "Moscow Virtuosi" unter der souveränen Führung von Konzertmeister Alexey Lundin.

Mischa Maisky ist internationaler Meister seines Faches. Auch zwei seiner sechs Kinder, Lily und Sascha glühen für die Musik. Bild: Bernard Rosenberg
von Peter K. DonhauserProfil

Beethoven-Reduktion

Das Kammerorchester präsentiert sich in kleiner Streicherbesetzung, sekundiert von je einem Paar Oboen und Hörnern. Das Divertimento F-Dur KV 138 des 16-jährigen Mozart bestreiten die Streicher. Sie liefern ein Statement ab, das den ganzen Abend eingehalten wird: Man musiziert lebendig, präsent, präzise, meist ausgewogen, die Tempi streben flüssig vorwärts. Schärfen wie die Sekund-Reibungen im Andante werden eher beiläufig genommen, die mit verzögerndem Nachdruck gespielten Schlussakkorde wirken unnötig affektiert.

Beethovens "Tripelkonzert" C-Dur op. 56 steht recht einsam da in seiner Gattung. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich vom Klavier (den Fähigkeiten des Widmungsträgers Erzherzog Rudolph angepasst) über die Violine zur gefürchteten Cello-Solopartie. Sie ist bei Maisky in besten Händen, praktisch alle heiklen Passagen gelingen ihm makellos, immer füllt sein Ton den Raum klar und präsent. Erstaunlicherweise treten die in hohe Lagen geführte Violine und selbst der klangstarke Steinway oft in den Schatten. "Ehret das Alter" scheint als Motto über den drei Solisten zu schweben, Lily und Sascha musizieren zwar souverän, überlassen die Führung aber zu sehr dem impulsiv spielenden Herrn Papa.

Die Partitur sieht weder Flöte, noch Klarinetten, Fagotte, Trompeten und Pauke vor, Alexey Strelnikov hat für die reduzierte Besetzung arrangiert. Diese erweist sich dann doch als Verlust an Klangfarbe. Ausdrucks-Kontraste zwischen Humanitäts- oder Revolutions-Tonfall und stolzer "Polacca" treten zurück.

Russlands Jahreszeiten

Voll überzeugen können die Bearbeitungen der Klavierstücke Tschaikowskys: Nach dem spritzig-übermütigen Karnevalstrubel (aus den "Jahreszeiten") singt die Oboe innig das Märzlied der Lerche, energisch blasen die zuverlässigen Hörner zur Jagd. Beim Nocturne op. 19/4 ist Mischa Maisky (mit wallend-weißem Haupthaar, nun in silberner Negligé-Jacke) dann "dahoam": Schier ohne jede Mühe lockt er unglaublich füllige, warme, sinnliche, emotionale Klänge aus seinem überragenden Cello.

Er spricht mit unverwechselbar persönlichem Ton, liebt ein ausladendes Vibrato. Nur perfekt, glatt geschliffen oder gar austauschbar ist seine Aussage nie. Wie oft mag Maisky die "Rokoko-Variationen" schon gespielt haben? Seine Souveränität ist frappierend: Wie er wechselt zwischen plastischer Artikulation beim Thema, Eleganz, Draufgängertum, Klage, rhapsodischer Freiheit, Resignation, Tragik, eleganter Virtuosität, das ist ganz großes Kino.

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