18.05.2018 - 19:30 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Nachruf auf Norbert Blüms geheimen Rentenmanager Rudi Kraus Großes Herz für kleine Leute

"Rudolf Kraus konnte mit dem Kopf der kleinen Leute denken." So charakterisierte Norbert Blüm den CSU-Sozialpolitiker. Als dessen Parlamentarischer Staatssekretär prägte er die Themen Rente und Pflege maßgeblich mit. Am Freitagmorgen verschied der Schnaittenbacher im Alter von 77 Jahren.

Das rentenpolitische Gewissen der CSU: Rudi Kraus.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Es ist ihm zu verdanken, dass das Thema Rente in der Partei wieder ernst genommen wird", vermisst Georg Stahl, Weggefährte im Landesvorstand der Seniorenunion , seinen Freund schon jetzt: "Ich bedaure es sehr, dass er nicht mehr unter uns ist", sagt der frühere Landtagsabgeordnete, "vor allem wird er den Senioren fehlen, für die er sich unermüdlich eingesetzt hat."

"Für mich bleibt Rudi Kraus der eigentliche Rentenminister", lobt Rainer Meier den Mitkämpfer für soziale Gerechtigkeit. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete ruft aus Norwegen an, um seine Anteilnahme auszudrücken: "Als Bezirksvorsitzender der Christlich-Sozialen Arbeitnehmerschaft habe ich immer auf seinen Rat gehört - mein Mitgefühl gilt seinen Kindern." Besonders schätzt der CSU-Kollege aus Altmugl (Landkreis Tirschenreuth), dass "der Rudi seine Meinung gegen den Mainstream" vertreten habe. "Ihm ging's immer um den Menschen, nicht um die Parteilinie, das macht ihn so groß."

Auch Vertreter der Oberpfalz-Medien äußern sich bestürzt über den überraschenden Tod des weltoffenen Oberpfälzers, der als Vizepräsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft mit Islamophobie nichts am Hut hatte: "Einen großen Sozialexperten", nennt ihn Verleger German Vogelsang, "der das Ohr stets am Puls des Bürgers hatte und die Interessen der Arbeitnehmer der Region kenntnisreich und mit Nachdruck vertreten hat - immer mit ganzem Herzen bei der Sache." Und der frühere Chefredakteur Hans Klemm ergänzt: "Der Rudi Kraus, der Ludwig Stiegler und ich haben uns ab und zu getroffen, über Sozialpolitik palavert und dabei gut gegessen - das hat ihm gefallen."

Auch der Amberger Landtagsabgeordnete Harald Schwartz lobt Kraus' Einsatz für "unsere Heimat und für Deutschland": "Rudi war ein bürgernaher, kritischer und unermüdlicher Politiker." Der ehemalige CSU-Kreisvorsitzende Werner Schulz betont, dass er Menschen vor Ort ganz konkret unterstützte: "Ohne ihn wäre es nie gelungen, das Hirschauer Stiftungskrankenhaus in ein vom BRK betriebenes Alten- und Pflegeheim umzugestalten - er hat den nötigen Sonderzuschuss besorgt."

Thomas Goppel, Landesvorsitzender der Senioren Union, beschreibt das "Vermächtnis des in der CSU großen Sozialpolitikers Rudi Kraus": "Es verging keine Sitzung in den letzten fünf Jahren, in der Rudi Kraus aus dem Unruhestand nicht anmahnte, dass Deutschland Rentengerechtigkeit in der österreichischen Nachbarschaft studieren und ruhig davon abschreiben könnte."

Der exzellente Schafkopfer Rudi Kraus hatte einst die berüchtigte Gruppe MuZ, Mut und Zuversicht im deutschen Bundestag, angeführt - zusammen mit Horst Seehofer und Max Straubinger. Optisch stand der Genussmensch und Zigarillo-Liebhaber seinem Vorbild Franz Josef Strauß nahe. "70 Jahre musste ich alt werden", hatte er den Laudatoren bei einem Geburtstag mit feiner Ironie geantwortet, "um zu erfahren, welch feiner Kerl ich bin." Am Freitagmorgen gegen 6 Uhr hörte nach längerer schwerer Krankheit das Herz des "feinen Kerls" zu schlagen auf.

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