23.05.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Nach dem Gaudiwurm im Suff zugeschlagen Bewährung für Faschings-Prügel

Knapp 1,8 Promille, dazu einen Joint: Derart geladen, schlägt ein 23-Jähriger nach dem Stullner Faschingszug 2016 einen Mann bewusstlos, schwingt gegen Wachleute einen Masskrug. Vor Gericht gibt's die Ernüchterung: Neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Schwandorf/Stulln. Es vergeht kaum ein Gaudiwurm in Stulln, in dessen Umfeld es nicht zu Alkohol-Exzessen und Schlägereien kommt. So auch an jenem 7. Februar 2016. Der blieb einem Wachmann in Erinnerung, der mit Kollegen Dienst im Dorfwirtshaus schob. 27 Vorfälle habe es damals gegeben, berichtete er am Mittwoch Strafrichter Christopher Theißen am Schwandorfer Amtsgericht. Deshalb musste sich der Wachmann auch erst einmal sortieren, was die angedrohten Hiebe mit einem Masskrug anging. Das komme leider häufiger vor. Ob der angeklagte 23-Jährige gegen seine Kollegen ausgezogen habe, könne er heute nicht mehr genau sagen.

Den Faustschlag gegen einen 26-Jährigen, der mit einer Knochenabsplitterung an der Nase zu Boden ging, hatte der Angeklagte im Zuge des Verfahrens bereits gestanden (wir berichteten). An die Masskrug-Geschichte könne er sich nicht mehr erinnern. Einen möglichen Grund dafür gab ein Untersuchungsergebnis, das Richter Theißen vortrug: 1,76 Promille Alkohol hatte der Angeklagte im Blut, dazu Spuren des Cannabis-Wirkstoffs THC. Bier und Joint hatte der 23-Jährige zugegeben. Sein Opfer, ein 26-Jähriger, hatte gleich 2,5 Promille im Blut, als er wegen seiner Verletzungen ins Krankenhaus kam. "Mir tut es leid, was ich getan habe," beteuerte der Angeklagte am Mittwoch. Immerhin war ihm im Nachhinein klar geworden, was er da im Suff angestellt hatte: Er zahlt seinem Opfer Schmerzensgeld. Diese Tatsache und das Geständnis des Fausthiebs rechnete ihm Staatsanwalt Wolfgang Doblinger positiv an. Allerdings: Nach dem Gutachten des Rechtsmediziners Peter Betz sei klar, dass die Verletzungen des 26-Jährigen Opfers potenziell lebensgefährlich waren, auch wegen der Gefahr eines Sturzes. Für den versuchten Hieb mit dem Masskrug auf die Wachleute gelte das sowieso. Doblinger forderte eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung und zweier Versuche. Zehn Monate Haft zur Bewährung seien angemessen, dazu eine Geldauflage von 1400 Euro.

"Ich halte das Gutachten für skandalös", wetterte Verteidiger Uwe Müller. Zur Not müsse eben ein Gegengutachten her. Eine Absplitterung sei kein Bruch, von Lebensgefahr könne keine Rede sein. Wenn die Sturzgefahr als lebensgefährlich eingestuft werde, "dann wird jede Schubserei zur gefährlichen Körperverletzung". Der versuchte Hieb mit dem Masskrug könne, wenn überhaupt, nur einem Wachmann gegolten haben. Selbst das sei aber nicht bewiesen. Für den Schlag sei eine Geldstrafe wegen einfacher Körperverletzung angemessen. "Eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung werden wir nicht hinnehmen," sagte der Rechtsanwalt.

Letzteres beeindruckte Strafrichter Theißen nicht. Neun Monate Haft wegen vollendeter und versuchter gefährlicher Körperverletzung lautete sein Urteil gegen den 23-Jährigen, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem schrieb Theißen die 1200 Euro Schmerzensgeld ins Urteil, die bereits zwischen Täter und Opfer vereinbart waren, dazu eine Geldauflage von 500 Euro. Bei dem Faustschlag könne man über eine Geldstrafe diskutieren, sagte er. Den Versuch mit dem Masskrug bewertete er wesentlich schärfer: "Das ist extrem gefährlich". Das Gutachten des Rechtsmediziners sei alles andere als skandalös, Peter Betz als Chef der Rechtsmedizin Erlangen ein angesehener Arzt. "Sie können natürlich einen Gegengutachter suchen. Viel Spaß dabei", sagte der Amtsrichter.

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