26.07.2019 - 18:57 Uhr
Sport

Der 1. FC Nürnberg steigt in den Fahrstuhl

Zwischen Ammerthal und Paris hat sich beim 1. FC Nürnberg in der Vorbereitung viel getan. Der Club hat in der kommenden Saison schon ein anderes Gesicht. Die Fans sind dennoch optimistisch Zurecht?

Christian Mathenia ist der große Rückhalt beim 1. FC Nürnberg. Der Club gehört zu den Aufstiegsfavoriten.
von Josef Maier Kontakt Profil

Die Bezeichnung kann beides sein: ein Makel oder eine Auszeichnung. Je nachdem, in welche Richtung es geht. Der 1. FC Nürnberg ist "die" Fahrstuhlmannschaft im deutschen Profifußball. Neun Mal ging es aus der ersten Liga runter ins Fußball-Unterhaus, acht Mal wieder rauf in die Beletage des deutschen Fußballs.

Zuletzt rauschte der Fahrstuhl wieder nach unten. Offiziell haben sich der neue Sportvorstand Robert Palikuca und der neue Trainer Damir Canadi zwei Jahre Zeit gegeben, um oben wieder aussteigen zu können.

Sie haben auch vieles verändert. Zehn Neuzugängen stehen zehn Abgänge (von vier Spielern endete die Leihe) gegenüber. "Das ist schon ein kleiner Umbruch", sagt Kapitän Hanno Behrens. Dabei hat es der Club geschafft, endlich einmal mehr Geld durch Verkäufe zu generieren. Die Zehn-Millionen-Schallmauer wurde gut übertroffen. Vor dem Auftaktspiel am Samstag (13 Uhr) bei Dynamo Dresden ist die Stimmung am Valznerweiher sehr gut. Geht es wohl im Fahrstuhl gleich wieder nach oben? Der 1. FC Nürnberg im Kader-Check:Tor

Hannover 96 hat mit Ron-Robert Zieler einen Torwart, der 2014 im deutschen Weltmeister-Kader stand, der 1. FC Nürnberg hat Christian Mathenia. Der gebürtige Mainzer ist trotz Zieler der beste Keeper der Liga. Schon in der abgelaufenen Bundesliga-Saison zeigte er starke Leistungen, ein Patzer ist dennoch immer mal drin. Seine Wertschätzung für den Club bekundete der 27-Jährige erst jüngst mit seiner Vertragsverlängerung. Er unterschrieb bis 2024. Fan-Liebling ist er ohnehin. Nach dem Spiel gegen Paris wurde er fast so gefeiert wie Wunderkind Kylian Mbappe.Abwehr

Damir Canadi testete zuletzt eine Dreier-Abwehrkette, die im Verteidigungsfall mit den Außen zur Fünferkette wird. Deren Boss ist der Raigeringer Patrick Erras. Diese Variante sei etwas gegen einen spielstarken Gegner, sagt Canadi. Mit Georg Margreitter und Lukas Mühl hat Erras zwei erprobte Verteidiger neben sich. Alternativ kann diese Position auch Neuzugang Asger Sörensen spielen. Auf der rechten Außenposition ist Enrico Valentini gesetzt. Links wäre Tim Handwerker, der aus Köln kam, eine Option.

Ernsthafte Alternative auf beiden Außenpositionen ist Oliver Sorg. Der Neuzugang aus Hannover bringt richtig Glanz in die Club-Hütte. Der 28-Jährige darf sich deutscher Nationalspieler (2014 ein Länderspiel) nennen. Mittelfeld

Dort ist einer eigentlich ein Neuzugang, obwohl er schon zwei Jahre da ist. Lukas Jäger, der Österreicher, steht plötzlich in der Stammelf. Pluspunkt des Defensivspezialisten: Er ist auch torgefährlich. Ondrej Petrak hat deswegen derzeit kaum Chancen auf die Startelf. Gesetzt ist natürlich Kapitän Hanno Behrens. Für die spielerische Komponente ist er aber weniger zuständig. Für die sollen Nikola Dovedan (aus Heidenheim) und der erst vor einigen Tagen von Sporting Lissabon gekommene Iuri Medeiros sorgen. Ob beide miteinander glänzen können, oder ob einer auf die Bank muss, hängt von der taktischen Ausrichtung ab. Sebastian Kerk dürfte derzeit ob seiner wenig dynamischen Spielweise kaum Chancen haben. Trainer Canadi hat im Mittelfeld alle möglichen Variationsmöglichkeiten, zumal auch noch Asger Sörensen defensiv spielen kann. Sturm

Ist er Stürmer oder offensiver Mittelfeldspieler? Egal, Virgil Misidjan ist derzeit nach seinem Kreuzbandriss ohnehin nicht einsetzbar. Der Holländer fehlt sehr. Mit Robin Hack ist aber ein ähnlicher Typ gekommen, der in der Vorbereitung durch seine Quirligkeit überzeugte. Links, rechts, Mitte - überall ist der Ex-Hoffenheimer zu Hause. Auch Felix Lohkemper (aus Magdeburg) bringt neuen Zug in die Offensive, ist derzeit aber angeschlagen. Sorgenkind bleibt die absolute Spitze. Mikael Ishak dürfte sich zwar in Liga zwei als Stoßstürmer leichter tun als gegen Leute wie Niklas Süle oder Matthias Ginter in der ersten Liga. Dennoch ist der Schwede kein Torgarant. Törles Knöll ist weiter keine ernsthafte Alternative.Fazit

Der Club ist eine Etage tiefer besser besetzt als vorige Saison. Die Weggänge von Eduard Löwen, Ewerton oder Tim Leibold tun kaum weh. Trainer Damir Canadi, der mit seiner ruhigen Art überzeugt, hat einen breiten Kader zur Verfügung. Die Zweite Liga mag mit den großen Namen Hamburger SV, VfB Stuttgart oder Hannover 96 so stark wie noch nie sein. Doch auch der 1. FC Nürnberg, immerhin deutscher "Vize"-Rekordmeister, hat einen Namen. Vorne mitspielen wird der Club auf alle Fälle. Ach was, der Aufzug geht wieder rauf in die erste Liga.

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