22.06.2020 - 16:58 Uhr
MünchenSport

1860-Coach Köllner und die Fenstergucker von Giesing

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Aufstiegschancen von 1860 München schienen schon dahin. Doch vielleicht geht doch noch was. Ein paar Zaungäste in luftiger Höhe würd's auch freuen.

Bester Blick ins Stadion. Einige Fans schauen bei Spielen von 1860 München aus luftiger Höhe zu.
von Josef Maier Kontakt Profil

Allererste Regel beim Profifußball in Coronazeiten: Die Fans müssen draußen bleiben. Vom Zuschauen hat aber keiner etwas gesagt. In Berlin sind Union-Fans vor Wochen beim Spiel gegen den FC Bayern auf Bäume geklettert, um einige Blicke aufs Spielfeld zu erhaschen. Da haben es einige Fans von 1860 München schon komfortabler. Gute Plätze gibt es nicht nur im Innern des Grünwalder Stadions. Seit Jahrzehnten schon gehen, wenn die Sechziger auflaufen, in den Wohnblöcken hinter der kleinen Osttribüne die Fenster auf. Da wird aus Giebelfenstern jedes Tor bejubelt, Fahnen werden geschwenkt. Das ist in Pandemiezeiten nicht anders.

"Heißumworbene Tickets"

Am Sonntag, als der Hallesche FC in München zu Gast war, hatten sich auch einige wieder an den Fensterbänken versammelt, um aus luftiger Höhe auf den Rasen schauen, um zu sehen, ob die "Löwen" doch noch richtig beißen können. "Ich krieg' die Fenstergucker schon mit", sagt 1860-Trainer Michael Köllner. "Von meiner Warte auf der Bank kann ich sie aber nicht so gut sehen." Aber er findet es schon stark, dass einige Fans versuchen, jetzt auch bei den Geisterspielen irgendwie dabei zu sein. "Das sollen ja auch heißumworbene Tickets sein." Die Anhänger, die am Sonntag ihre Fenster geöffnet haben, bekamen richtig was geboten.

"Beide Teams waren heute richtig am Limit", sagte 1860-Trainer Michael Köllner. Seine Jungs waren dabei nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen besonders giftig.Fünf Punkte liegen die Sechziger hinter einem direkten Aufstiegsplatz. Zu einer Kampfansage lässt sich der 50-Jährige aber dennoch nicht hinreißen.

Etwa optimistischer als der Trainer ist da Innenverteidiger Dennis Erdmann: "Solange es rechnerisch möglich ist, glaube ich schon, dass wir hochgehen könne." Allerdings weiß auch er: "Dann müssen wir die restlichen vier Spiele alle gewinnen." Darunter sind drei brisante Drittligaderbys gegen den FC Bayern II, die SpVgg Unterhaching und am letzten Spieltag zu Hause gegen den FC Ingolstadt." Wir wollen uns da vorne schon noch reinmogeln", sagte der Innenverteidiger frech.

Mölders gibt den Schub

Über die Osttribüne hinweg haben die Sechziger-Fans einen guten Blick ins Grünwalder Stadion.

Trainer Köllner war derweil einfach nur froh, dass sein Team gegen die Gäste aus Sachsen-Anhalt wieder in die Spur zurückgefunden hat. Er freute sich über das frühe 1:0 von Stefan Lex: "Da hat er seine Schnelligkeit ausgespielt." Der quirlige Offensivmann war der Hallenser Abwehr davon gezogen und hatte cool verwandelt. Und Köllner lobte die Willensleistung, nach dem 1:1 der Gäste nochmal zurückzukommen. "Das 2:1 hat uns einen richtigen Schub gegeben." Sascha Mölders sorgte mit seinem Tor für dieses Hochgefühl. Der 35-Jährige war der auffälligste Mann, nahezu an jeder gefährlichen Chance nach der Pause war er beteiligt. Bei einem Kopfball an die Latte hatte der Sturm-Oldie Pech. "Sascha reißt diese Mannschaft mit", verweist Köllner die Wichtigkeit seines Kapitäns. Erdmann geht noch einen Schritt weiter: "Wir sind von Sascha abhängig. Er hat eine unfassbare Präsenz."

Das haben auch die Fans an den Fensterbänken gesehen. Am Mittwoch, wenn das Derby zwischen Bayern II und 1860 steigt, werden sie wieder da sein. Und Köllner wird wieder hochblicken: "Das ist schon einzigartig", sagt er. "So eine Szenerie gibt es in nicht vielen Stadien Deutschlands."

Interview mit 1860-Trainer Michael Köllner nach dem Re-Start

München
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.