09.08.2019 - 16:34 Uhr
AmbergSport

"Ein Adler jammert nicht, sondern fliegt durch die Lüfte"

Ex-Fußball-Profi Christopher Sommerer, Torwart des Bayernligisten DJK Ammerthal, hat ein Ziel: Der ganze Körper soll ein Kunstwerk sein. Mit Tattoos.

Am Hals einen Adler: Christopher Sommerer hat nur noch wenige freie Stellen am Körper - ohne Tatttoos.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

"Das sind schon so viele, ich kann die gar nicht mehr zählen", sagt Christopher Sommerer über seine Tätowierungen. "Das Ziel ist, dass mein ganzer Körper voll ist, dass es ein großes Tattoo ist. Bis auf das Gesicht."

Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung steht er nun die vierte Saison beim Bayernligisten DJK Ammerthal im Kasten. "Ich bin seit meinem dritten Lebensjahr Torwart. Die haben sehr schnell erkannt, dass ich draußen nix tauge und dass ich ins Tor muss", sagt Sommerer und lacht: Neun Jahre beim FC Amberg, fünf beim SSV Jahn Regensburg, und dann ins Profilager des FC Ingolstadt. Er war ein Jahr im Kader des damaligen Zweitligisten - ohne Einsatz - und spielte in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga. "Das war das Höchste, das ich gespielt habe", sagt der 28-Jährige.

Während der Fußballzeit sei es problematisch, sich Tattoos stechen zu lassen. "Das ist eine Wunde, es gibt Infektionsgefahr. Es braucht zwei Wochen, bis ich mich drauf schmeißen kann, ohne Schmerzen zu haben." Am Hals trägt er als auffälligstes Kunstwerk einen Adlerkopf - nicht zu übersehen, außer er zieht einen Rollkragenpullover an. Auslöser der Tätowierung war ein Hörbuch von Bodo Schäfer ("Die Gesetze der Gewinner"), in dem es unter anderem darum geht, was Adler alles tun. "Dass sie alleine fliegen, dass es ein starkes Tier ist. Dass ein Adler sich nicht mit Menschen beschäftigt, die nur jammern. Ein Adler jammert nicht, sondern fliegt durch die Lüfte", erklärt Sommerer.

Dadurch, dass in seinem Leben schon so viel passiert sei, habe er für sich entschieden, er wolle so ein "Adler-Typ Mensch" sein. Mit der Position des Torwarts, der durch den Strafraum fliegt, habe das auch irgendwie zu tun: "Das ist ein guter Nebeneffekt. Da werde ich oft darauf angesprochen. Das war zwar nicht meine Priorität, aber das passt schon so."

Der Hals war der perfekte Platz für den Adler. Sommerer hatte schon immer eine Tattoo-Liebe, dann kam er - ob Zufall oder nicht - mit einer Tätowiererin zusammen: "Da kann man so etwas noch viel mehr ausleben." Im Hauptberuf ist der 28-Jährige Elektriker, der sich auch Gedanken macht, "wo das Leben noch so hingehen soll. In einem Beruf als Finanzdienstleister, wo man teure Produkte verkauft, sind die Tattoos vielleicht nicht so gut." Andererseits: In seiner Zeit als Profi beim FC Ingolstadt habe er öfters mit einem Steuerberater zu tun gehabt. Der kam immer im Anzug, war gut gekleidet. Familienvater, zwei Kinder. Irgendwann hatte dieser eine Verletzung und kam zum Physiotherapeuten des FC. "Als der sich ausgezogen hat, dachte ich: Wow! Der war von Kopf bis Fuß komplett zutätowiert."

Freundin Julia hat schon viel an Christopher Sommerer gearbeitet. "Ich bin mehr als zufrieden. Ich freue mich auf jedes Tattoo. Bis auf die Schmerzen. Ich finde das ganz grausam. Ich bin da eine große Memme. Zwei, drei Stunden, länger halte ich das nicht aus", gesteht Sommerer. Für den Hals waren drei Sitzungen nötig, weil das insgesamt fünf Stunden gedauert hat. Sein Lieblingstattoo, das er am Arm trägt: Eine Silhouette von ihm und seiner kleinen Tochter, die er an der Hand hält - als sie die ersten Schritte machte. Sein Ziel - neben dem sportlichen natürlich: In spätestens fünf Jahren komplett tätowiert zu sein.

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