23.06.2020 - 14:51 Uhr
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Amateurfußball: Das lange Warten auf grünes Licht

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Hygienevorschriften und Abstandsregeln, – der bayerische Amateurfußball steckt mittendrin im Coronamodus. In Zeiten kontaktloser Trainingseinheiten treibt die Vereine eine Frage um: Klappt es mit der Saisonfortführung im September?

Kampf um den Ball, Mann gegen Mann - wann wird es solche Szenen, wie hier beim Bezirksliga-Spitzenspiel des FC Amberg gegen den SV Etzenricht (0:0) am 27. Oktober 2019, wieder auf den Amateurfußballplätzen geben?
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Die Politik und der Bayerische Fußballverband (BFV) stehen mächtig unter Druck: Vorsitzende, Trainer und Spieler warten allerorten auf eine Entscheidung, ob der Ball demnächst wieder unter Wettkampfbedingungen rollen kann. Die Sportredaktion hat sich bei den Klubs der Bezirksliga Nord Oberpfalz umgehört. Und trifft hier gleichermaßen auf Skeptiker wie Optimisten.

FC Amberg

Der Tabellenführer ist bereits seit längerem wieder auf dem Sportplatz unterwegs. "Wir haben in den letzten fünf Wochen insgesamt zehn Trainingseinheiten absolviert", berichtet Karl-Heinz Wagner. Der Trainer zieht ein positives Fazit: "Schusstraining, taktisches Verhalten, Passübungen – wir konnten viel machen." Nach getaner Arbeit legt der FCA nun eine vierwöchige Pause ein, um danach mit der Saisonvorbereitung so richtig loszulegen. "Meine Spieler sind heiß", berichtet Wagner. "Wir hoffen, dass es im September losgeht." Bei den Vilsstädtern hält man sich nicht lange damit auf, ob die BFV-Entscheidung pro Saisonfortsetzung richtig war. "Wir akzeptieren den Beschluss und versuchen, das Beste daraus zu machen", gibt Wagner die Richtung vor.

DJK Ensdorf

"Das sind mir zu große Schuhe", antwortet Gerhard Hauer auf die Frage, ob der BFV mit der Saisonfortsetzung richtig liegt. "Was der bessere Weg ist, ist nur schwer zu sagen." Mit 61 Jahren zählt sich der neue DJK-Trainer zur Risikogruppe und sieht deshalb manches "aus Sicht der Gesundheit." Er hoffe zwar auf grünes Licht für den Amateurfußball, aber letztlich stünden dem die Aussagen aus der Staatskanzlei und von Virologen entgegen: "Die Maskenpflicht und Abstandsregeln werden wohl bleiben, so lange es kein Mittel gegen Corona gibt." Erste lockere Trainingseinheiten hat die DJK Ensdorf bereits absolviert, aber Hauer gibt zu bedenken: "Es sind alles Amateure, die auch einem Beruf nachgehen. Die Verantwortung ist groß."

SV Etzenricht

Auf dem Sportgelände des SV Etzenricht war in den vergangenen drei Monaten "tote Hose". "Wir haben rein gar nichts gemacht", gibt Manfred Herrmann zu. Wochenlang zu trainieren, ohne ein konkretes Ziel vor Augen, mache für ihn keinen Sinn. In den letzten Tagen hat der SVE Nägel mit Köpfen auf einer wichtigen Position gemacht: Andreas Wendl wird als Nachfolger von Coach Rüdiger Fuhrmann (zum ASV Cham) wie geplant ab 1. Juli als Spielertrainer fungieren.. Der Trainingseinstieg soll Mitte Juli erfolgen. "Ich war lange Zeit eher skeptisch, ob wir tatsächlich im September spielen werden", sagt Herrmann. "Mittlerweile bin ich etwas zuversichtlicher. Die Lockerungen werden ja immer mehr. Ob es reicht, muss man abwarten."

SV Hahnbach

Training auf freiwilliger Basis bietet der SV Hahnbach seit drei Wochen an. "Die Jungs nehmen das gut an", berichtet Thorsten Baierlein. Der Coach hofft, dass sich der Verband bis Mitte Juli erklärt. "Wir setzen darauf, dass weitergespielt werden kann. Meine Spieler sind heiß auf richtiges Training und richtige Spiele." In der Diskussion um Pro und Contra Saisonabbruch bricht er eine Lanze für den BFV und bittet um Fairness: "Vielleicht wäre es im nachhinein besser gewesen, die Spielzeit zu beenden. Das Ganze ist aber ein schwieriges Thema. Ich möchte nicht in der Haut der Entscheidungsträger stecken."

TuS Kastl

Mit Andreas Wendl hat sich der Spielertrainer des TuS Kastl zum SV Etzenricht verabschiedet. Nun springt Co-Trainer Michael Hufnagel in die Bresche und übernimmt das sportliche Kommando an der Seitenlinie. Wie Vorsitzender Norbert Bleisteiner mitteilt, wird sich die Mannschaft diese Woche erstmals nach Monaten wieder treffen – und zwar zu einer "Trainingseinheit mit Kommunikationsteil", wie es Bleisteiner formuliert. Wann man wieder zielorientiert gegen den Ball kickt, sei offen. Der TuS-Vorsitzende ist eher skeptisch, was den Wiederbeginn betrifft: "Ich schaue mit Sorge auf die Fälle, die jetzt bundesweit aufploppen."

SV Kulmain

"Die Spieler wollen schon trainieren, aber wir als Verein haben davon Abstand genommen", berichtet Thomas Schmidt. "Die Plätze bleiben nach einem Vorstandsbeschluss bis zum 30. Juni gesperrt." Eine Entscheidung, die für alle Altersklassen gilt. "Uns ist die Sache mit den Hygienevorschriften zu heiß. Wir haben ganz einfach zu viele Mannschaften, um ein Risiko einzugehen." Ob die Saisonfortführung das Gelbe vom Ei sei, will Schmidt nicht beurteilen: "Ich bin kein Schulmeister und möchte diese Entscheidung nicht verteufeln." Was ihn allerdings nervt, sind die geplanten Ligapokal-Wettbewerbe: "Ich habe da noch nicht durchgeblickt. Das ist doch ein Witz, wenn man so den Aufstieg oder Klassenerhalt schaffen kann." Schmidt kündigt an, dass der SVK in der kommenden Woche ins Training einsteigen wird: "Unser neuer Trainer Elvir Zekic will ja mal die Mannschaft kennenlernen."

Saison 2020/21 fällt aus

Sport

SC Luhe-Wildenau

"Wir trainieren zweimal die Woche. Die Jungs sind sehr diszipliniert und vollzählig", lobt Roland Rittner seine Schützlinge. Weniger gut ist der Trainer aber auf den Verband zu sprechen. Die angedachten Überbrückungsturniere seien "Blödsinn" und die Wechselmodalitäten ein "Affenzirkus". Mit einem Saisonabbruch, so Rittner, hätte sich der BFV viele Schwierigkeiten erspart: "Die neue Spielzeit hätte man dann angehen können, wenn Corona sich erledigt hat. So hat sich der Verband in die Nesseln gesetzt, was völlig unnötig war." Obwohl er über eine Mannschaft mit viel Charakter und Ehrgeiz verfügt, beobachtet Rittner doch bei so manchem Spieler Motivationsprobleme: "Es gibt sicherlich Spieler, die überlegen aufzuhören." Vom BFV erwartet er in den nächsten 14 Tagen "eine klare Entscheidung".

SV Raigering

Die lange Zwangspause hat der SV Raigering seit dem 18. Juni beendet. "Wir sind wieder im Training", meldet Abteilungsleiter Max Kammerer. Allerdings nimmt es der SVR noch nicht bierernst. "Spaß und Bewegung stehen im Vordergrund", sagt Kammerer. Viele Spieler freuen sich unter dem neuen Trainer Sebastian Binner wieder gegen den Ball treten zu dürfen, so mancher kann sich aber mit dem ab sofort regelmäßigen Training noch nicht richtig anfreunden. "Ich schätze mal, dass 30 Prozent der Spieler zufrieden waren mit der freien Zeit, die sie ohne Fußball hatten", schildert Kammerer seinen Eindruck. Er nennt den 31. Juli als Zielmarke: "Bis dahin muss der BFV eine Entscheidung fällen."

SpVgg Schirmitz

"Es ist unsäglich, wie die Vereine über den Tisch gezogen wurden", schimpft Josef Dütsch über die Vorgehensweise des BFV. "Vor einigen Wochen musste kurzfristig und ganz schnell abgestimmt werden. Dabei wurde die Saisonfortsetzung als alternativlos dargestellt." Seiner Meinung nach eine falsche Behauptung: "Die meisten anderen Landesverbände haben mittlerweile abgebrochen." Dütsch ist sicher: "Wenn nochmal abgestimmt würde, würde die Sache anders ausgehen." Dütsch hat bereits das eine oder andere Training abgehalten, aber zufriedenstellend sei das alles nicht: "Wer als Fußballer in ein Training geht, freut sich auf das abschließende Spiel und nicht auf Pass- oder Koordinationsübungen." Dütsch sieht eine große Gefahr, wenn der Corona-Modus noch längere Zeit anhält: "Manche tun sich mit der Motivation schwer. Der eine oder andere Spieler merkt, dass es ja auch ohne Fußball geht."

SV Schwarzhofen

Solange es die Abstandsregeln mit Mundschutz gibt, kann ich mir im Amateurbereich nicht vorstellen, dass Fußball gespielt wird.

Michael Hartlich

Michael Hartlich

Die Spieler trainieren schon, aber noch jeder für sich, da auf dem Trainingsplatz in Schwarzhofen noch nichts läuft. „Anfang Juli wollen wir starten“, bestätigt Trainer Michael Hartlich. Bisher war der Platz von der Gemeinde gesperrt und auch der sportliche Reiz fehlte, so der Coach. Die gesamte Mannschaft wäre froh, wenn die Saison endlich wieder fortgeführt werden würde. „Wir sind da aber unterschiedlicher Meinung, ob es Anfang September weitergeht“, sagt Hartlich. Er glaube nicht daran. „Solange es die Abstandsregeln mit Mundschutz gibt, kann ich mir im Amateurbereich nicht vorstellen, dass Fußball gespielt wird.“

1. FC Schwarzenfeld

Während die Jugendmannschaften bereits den Trainingsbetrieb aufgenommen haben, wartet die „Erste“ noch ein, zwei Wochen. „Es ist für uns ein Probebetrieb, mal sehen, wie sich das entwickelt“, sagt Sportlicher Leiter Felix Peter. Kontakt unter den Spieler gebe es schon, nachdem ja wieder Treffen mit mehreren Personen erlaubt sei. Peter geht davon aus, dass der Spielbetrieb am 1. September startet, da ja in der nächsten Zeit weitere Lockerungen geplant seien. Allerdings bereite ihm die inzwischen wieder erhöhte Corona-Reproduktionszahl Sorgen. „Hoffentlich verschlechtert sich das nicht noch mehr und gibt es keinen Lockdown.“ Jedoch fiebert er einem Saisonneustart entgegen: „Nach der langen Pause wird es endlich wieder Zeit, dass es losgeht.“

TSV Stulln

Trainiert haben die Spieler des Bezirksliga-Aufsteigers schon seit Wochen selbstständig. Aber am vergangenen Freitag standen erstmals gemeinsam wieder 14 Akteure auf dem Trainingsplatz. „Passübungen, Torschüsse, viel mehr ist nicht passiert, da ja momentan nicht mehr erlaubt ist. Aber alle hatten Bock aufs Kicken“, sagt Trainer Christian Zechmann. Einmal in der Woche soll in der nächsten Zeit das Training stattfinden. Wenn bekannt sei, wie es weitergeht, wolle man das intensivieren. Ob letztendlich im September die Saison fortgeführt wird, könne er nicht sagen, so Zechmann. „Ich hoffe schon, sonst verlieren wir ein ganzes Jahr. Die Gefahr, dass dann einige Spieler keine Lust mehr haben und aufhören, ist groß.“

FV Vilseck

Die Fußballplätze sind von der Gemeinde Vilseck bis zum 1. Juli gesperrt. "Mein Jungs haben zuletzt individuelles Lauftraining gemacht und mir auch Screenshots davon geschickt", erzählt Trainer Daniel Liermann. Ziel ist es, ab Anfang nächsten Monats wieder in Gruppe das Training aufzunehmen. "Ich hoffe, dass dann im August ein normales Training möglich sein wird." Liermann setzt darauf, dass im September wieder um Punkte gespielt werden kann. "Wir müssen nach vorne schauen", sagt der Coach. "Es hilft ja nichts, jetzt Trübsal zu blasen und auf der Entscheidung des BFV herumzuhacken." Letztlich könne aber aktuell niemand sagen, welche Situation sich coronabedingt in zwei, drei Monaten ergebe.

SpVgg SV Weiden II

Beim Lockdown im März dachte Michael Riester noch, dass "die Sache in drei bis vier Wochen flott vorbei ist." Längst ist der Spielertrainer aber von der Realität eingeholt worden. Mittlerweile macht sich der Physiotherapeut ernsthafte Sorgen: "Wenn das die nächsten Monate so weitergeht, werden etliche Spieler nicht mehr ihr bisheriges Leistungsniveau erreichen. Und es werden viele Verletzungen passieren nach so einer langen fußballfreien Zeit." Der Bezirksliga-Aufsteiger ist bislang noch nicht zurück auf dem Trainingsplatz: "Wir brauchen eine klare Ansage, wann es weitergeht und wie viele Spiele wir heuer noch absolvieren. Wegen fünf Spielen macht eine gezielte Vorbereitung keinen Sinn." Am BFV übt Riester deutliche Kritik: "Andere Landesverbände haben es vorgemacht und die Saison abgebrochen. Die Extrawurst des BFV verstehe ich nicht. Ich befürchte ein Sterben von Vereinen und Mannschaften."

Wenn das die nächsten Monate so weitergeht, werden etliche Spieler nicht mehr ihr bisheriges Leistungsniveau erreichen.

Michael Riester

Michael Riester

FC Wernberg

Seit Anfang Juni läuft das Training beim Bezirksligisten. „Zweimal die Woche sind wir auf dem Platz“, sagt Trainer Christian Most. Es werde sich dabei streng an die Hygienevorschriften gehalten. Schwerpunkt der Übungseinheiten seien Passübungen und Torschuss. Aber auch an taktischen Feinheiten werde gearbeitet. „Dafür haben wir in der normalen Saison gar nicht so viel Zeit“, meint der Coach. Seine Planungen seien dahingehend ausgelegt, dass Anfang September der Spielbetrieb startet. „Die Lockerungen dürften in der nächsten Zeit ja noch mehr werden, so wie in einigen Bundesländern ja schon Zweikämpfe erlaubt sind. Meine Jungs sind heiß und motiviert und lassen momentan kein Training aus.“

TSV Detag Wernberg

Mit den einzelnen Trainern seien die Vorgaben und Regelungen des BFV besprochen worden, sagt Abteilungsleiter Christian Luff. Jedem Coach sei freigestellt, ob er mit seinem Team mit dem Training beginnen wolle. Noch abwarten werde die Bezirksligamannschaft mit dem offiziellen Trainingsbeginn. „Wir wollen verhindern, dass nach monatelangem Training ohne Ziel vor Augen die Lust vergeht“, meint Christian Luff. Sechs Wochen würden reichen, falls die Saison im September startet. „Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es nicht losgeht, wenn nicht noch mehr gelockert wird.“ Generell fiebert aber das gesamte Team dem Neustart entgegen. „Die gesamte Mannschaft will wieder kicken“, sagt Luff.

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