02.12.2019 - 15:37 Uhr
AmbergSport

Andreas Schillinger: Giro d'Italia ganz oben auf dem Wunschzettel

Das neue Jahr beginnt für Andreas Schillinger schon im Dezember. Am Tegernsee plant das Team "Bora hansgrohe" die Radsport-Saison 2020. Im Interview verrät der 36-Jährige aus Kümmersbruck, was er von seiner 16. Profi-Saison erwartet.

"Mir macht das Rennenfahren enorm viel Spaß, das ist über die letzten Jahre immer noch mehr geworden", sagt Andreas Schillinger (links) und freut sich auf die neue Saison seine 16. als Profi.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Es will nicht richtig hell werden. Es regnet den ganzen Tag, die Temperaturen bleiben einstellig. An diesem Tag lässt sogar Andreas Schillinger sein Rad stehen und genießt die gemeinsame Zeit mit seiner Frau und Sohn Lucas zu Hause und erzählt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, wie er die Saison 2019 einordnet und warum er sich einen Etappenstart in Amberg wünscht.

ONETZ: Herr Schillinger, ein Blick zurück. Wie beschreiben Sie die abgelaufene Saison?

Andreas Schillinger: Es war ein Auf und Ab. Es gab bessere Jahre, ich bin aber mit meiner Leistung sehr zufrieden. Die Form hat gestimmt bei den Rennen, aber ich hatte meine Rückschläge.

ONETZ: An welche Rennen denken Sie besonders gerne zurück?

Andreas Schillinger: Auf alle Fälle an Eschborn–Frankfurt, als Pascal Ackermann das Rennen gewann. Und natürlich an die deutsche Meisterschaft, als ich hinter meinen Teamkollegen Maximilian Schachmann und Marcus Burghardt Dritter wurde. Ein Dreifach-Erfolg – das war schon ein spezieller Tag.

ONETZ: Und was fällt in die Kategorie "Enttäuschung"?

Andreas Schillinger: Ich hatte schon das Ziel, eine große Rundfahrt zu fahren, sei es Giro oder Vuelta. Das habe ich leider nicht erreicht.

ONETZ: Bei welchen Rennen sind Sie im kommenden Jahr dabei?

Andreas Schillinger: Das wird bei den Planungsgesprächen am Tegernsee besprochen und ein grober Rennplan festgelegt bis Mai, Juni. Wir sind 27 Fahrer, da können wir immer dreigleisig fahren. Beispiel Januar: Sieben Mann sind in Argentinien, sieben Mann in Australien, der Rest bei den Challenge-Rennen auf Mallorca.

ONETZ: Wenige Wochen vor Weihnachten: Welche Rennen stehen denn auf Ihrem Wunschzettel für 2020?

Andreas Schillinger: Wenn ich es mir wünschen dürfte, dann würde ich ganz gern den Giro d'Italia fahren. Ich denke, da wird der Pascal Ackermann wieder extrem gut drauf sein – und ich will ihm helfen.

ONETZ: Wie kann man Ihre Aufgabe bei einem Rennen beschreiben?

Andreas Schillinger: Beim Fußball braucht es jemand, der die Flanke in den Strafraum schlägt, und dann braucht es einen, der das Tor macht. Ich bin der, der die Flanke schlägt. Einfach gesagt: Meine Aufgabe ist es, den Sprinter in die perfekte Position zu bringen.

ONETZ: Zurück zum Wunschzettel. Welches Rennen steht da noch drauf?

Andreas Schillinger: Die Deutschland Tour, ganz klar. Das Ziel ist in Nürnberg. Wie 2015 bei der Bayern-Rundfahrt. Das finde ich super. Noch besser wäre es, wenn der Start für die Nürnberg-Etappe in Amberg wäre. Dafür würde ich mich einsetzen.

ONETZ: Es ist noch Platz auf dem Wunschzettel...

Andreas Schillinger: Was ich in meiner Karriere unbedingt noch erleben möchte: Ich will dabei sein, wenn wir in Hamburg bei den Cyclassics gewinnen.

ONETZ: Im kommenden Jahr sind die Olympische Spiele. Ist Tokio ein Thema?

Andreas Schillinger: Nein, das ist nichts für mich. Ich habe gehört, es ist ein relativ schwerer Kurs, der kommt mir nicht entgegen.

ONETZ: Was machen Sie am 13. Juli 2020?

Andreas Schillinger: An meinem Geburtstag? Da war ich die letzten Jahre bei einem Höhentrainingslager in Österreich. Ich denke, da werde ich diesmal wieder sein.

ONETZ: Zu dieser Zeit ist Tour de France, am 13. Juli ein Ruhetag...

Andreas Schillinger: Wenn ich mir das Profil der Tour ansehe, kommt das unserem Emanuel Buchmann extrem entgegen, die Sprint-Etappen kommen einem Peter Sagan entgegen. Unser Team wird da die bestmögliche Mannschaft hinschicken. So ehrlich bin ich: Ich sehe da einfach andere, die stärker sind, wenn die Tour so schwer ist.

ONETZ: Sie werden 37, gehören damit zu den Älteren im Rennzirkus. Welche Rolle spielt im Radsport das Alter?

Andreas Schillinger: Was man über die Jahre verliert, ist die Spritzigkeit im Sprint, es wird jedes Jahr etwas härter, die maximale Wattzahl herzubringen. Was dafür kommt, ist eine ganz andere Rennübersicht und eine Ruhe. Im Rennen beurteile ich jetzt Situationen schneller und ruhiger als vor fünf Jahren und weiß haargenau, wo ich meine Kraft einzusetzen habe und wo nicht.

ONETZ: Wie lange möchten Sie fahren?

Andreas Schillinger: Zur "4" vorne lasse ich es wohl nicht kommen. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag bis 2021. Wenn ich in zwei Jahren merken sollte, ok, ich bin nicht mehr auf der Höhe des Geschehens und ich kann das, was ich aktuell leiste, nicht mehr bringen, hoffe ich sagen zu können: "Das war's jetzt für mich".

ONETZ: Gibt es schon Pläne für diesen Moment, für die Zeit nach der aktiven Karriere?

Andreas Schillinger: Solange ich Rad fahre, konzentriere ich mich zu hundert Prozent darauf. Und wenn ich merke, jetzt ist es bald so weit, befasse ich mich damit und schaue, wie es weiter geht. Mir macht das Rennenfahren enorm viel Spaß, das ist über die letzten Jahre immer noch mehr geworden. Ich fühle mich derzeit wie ein kleines Kind, zu dem die Eltern Abends sagen, fünf Minuten noch, dann gehts ins Bett. Ich kann gar nicht glauben, dass ich schon 36 bin...

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