10.08.2020 - 17:10 Uhr
AmbergSport

Corinna Schwab über leere Stadien, hohe Temperaturen und ihre Rekordzeit

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Die gebürtige Schwandorferin Corinna Schwab ist Deutsche Meisterin über 400 Meter. Im Interview mit Oberpfalz-Medien spricht sie über den ganz und gar nicht normalen Wettbewerb und ihr Erfolgsgeheimnis.

Corinna Schwab feiert ihren Titel.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Es gibt schönere Orte, um unmittelbar nach dem Zieleinlauf einen Titelgewinn zu genießen. Nach ihrem Sieg am Sonntag im 400-Meter-Rennen bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in persönlicher Bestzeit von 51,72 Sekunden musste Corinna Schwab an einer Toilette in den Katakomben des Braunschweiger Eintracht-Stadions ausharren. Erst nach eineinhalb Stunden hatte die 21-Jährige aus Hiltersdorf (Gemeinde Freudenberg) die Dopingkontrolle geschafft. Danach ging es zügig auf die Heimfahrt nach Chemnitz. Dort trainiert die für die LG Telis Finanz Regensburg startende Leichtathletin am Olympiastützpunkt. Am Montag bekam sie „frei“, hatte Zeit zum Ausruhen – und für ein Interview mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Frau Schwab, haben Sie schon realisiert, dass Sie Deutsche Meisterin sind?

Corinna Schwab: Noch nicht so wirklich. Ich glaube, das braucht schon noch etwas, bis ich das begriffen habe.

ONETZ: Finden Sie es schade, dass es wegen der Corona-Vorschriften keine Siegerehrung im Stadion gab?

Corinna Schwab: Ja natürlich. Das ist schon ein Wermutstropfen. In einem leeren Stadion wäre eine Siegerehrung aber auch blöd. Es gab einen Treffpunkt, wo man sich seine Medaille abholen konnte. Das muss man so hinnehmen...

Die Kamera ist auf Corinna Schwab gerichtet, der die Strapazen des Rennens und der hohen Temperaturen deutlich anzusehen sind. Die 21-Jährige aus Hiltersdorf gewann am Sonntag den deutschen Meistertitel über die 400 Meter.

ONETZ: Die 51,72 Sekunden sind persönliche Bestzeit, zwei Zehntel unter Ihrem bisherigen Rekord. Seit 2001 wurde bei einer deutschen Meisterschaft nicht mehr so schnell gelaufen. Wie ordnen Sie die Zeit ein?

Corinna Schwab: Es war mein Ziel, meine persönliche Bestzeit anzugreifen, weil ich wusste, dass die Bedingungen stimmen – auch wenn es sehr heiß war. Es ging natürlich hauptsächlich darum, das Rennen zu gewinnen. Die Zeit ist bei einer Meisterschaft eigentlich zweitrangig. Wenn die aber auch noch stimmt, ist es natürlich umso schöner.

ONETZ: In diesem Jahr haben Sie alle Ihre Einzelrennen gewonnen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Corinna Schwab: Wir haben einfach extrem gut gearbeitet und extrem gut vorbereitet. Wir überlassen nichts dem Zufall, haben mit Trainer Jörg Möckel und Co-Trainer Christopher Montague jede Einzelheit besprochen, egal ob trainingstechnisch oder außerhalb des Sports. Ich habe mich auch in jedem Rennabschnitt verbessert. Von der Grundschnelligkeit her, im "fliegenden Bereich" von 100 bis 200 Meter, dann noch einmal der Kick von 200 bis 300 und selbst auf der Zielgerade gehe ich jetzt nicht mehr ein.

ONETZ: Ist es bei der Siegesserie nicht besonders ärgerlich, dass Olympische Spiele und Europameisterschaften für dieses Jahr abgesagt wurden?

Corinna Schwab: Darüber möchte ich mir eigentlich keine Gedanken machen, weil es so ist, wie es ist. Ich sehe das Positive: Ich habe jetzt ein weiteres Jahr, um besser zu werden. Dieses Jahr ist ein Lernjahr, da kann ich viel daraus ziehen für eine olympische Saison.

ONETZ: Wegen Corona durften nur 999 Menschen in das Stadion. Kommt vor dieser Geisterkulisse überhaut so etwas wie Meisterschaftsatmosphäre auf?

Corinna Schwab: Es ist schon komisch, wenn man in ein Stadion geht und da sitzen nur ein paar Betreuer. Aber Meisterschaftsstimmung unter den Athleten herrschte trotzdem. Ich fand es besonders auf den letzten Metern schwierig, weil da der letzte Kick fehlte. Gerade als Führende wirst du normalerweise von der Atmosphäre getragen. Die zwei Trainer habe ich wie verrückt schreien gehört, das hat extrem motiviert. Trotz der leeren Ränge waren alle im Feld dankbar, dass wir laufen durften.

ONETZ: Wie sehr belasteten die hohen Temperaturen?

Corinna Schwab: Am Sonntag fand ich es schon sehr extrem. Am Samstag habe ich es noch nicht so krass wahrgenommen. Beim Endlauf hatten wir auf der Zielgeraden richtig Sonne, da war am Tag vorher noch Schatten. Das ist bei 400 Metern schon sehr belastend, wenn es 36, 37 Grad hat. Es gibt Typen, die bei Hitze gerne laufen. Ich habe lieber schöne 25, 26 Grad.

ONETZ: Wie sieht Ihr Rennprogramm in den kommenden Wochen aus?

Corinna Schwab: Meisterschaften stehen in dieser Saison nicht mehr an. Nur noch ein paar Meetings. Mal schauen, wo ich reinkomme. Ich habe am Freitag die Zusage für die Diamond League in Monaco bekommen, da freue ich mich wahnsinnig drauf. Ich sehe das alles schon als Vorbereitung für das nächste Jahr.

ONETZ: Hat eine Spitzenathletin auch mal Zeit für Sommerurlaub?

Corinna Schwab: Ja doch, im September haben wir dann ein bisschen Pause. Eine Woche auf jeden Fall. Aber daran denke ich jetzt noch nicht. Ich möchte die Rennen jetzt noch mitnehmen, gute Leistungen zeigen und Erfahrung sammeln. Dann ein bisschen runterkommen, ehe es mit Vollgas in die neue Saison geht.

Corinna Schwab läuft zum Titel

Amberg
Zur Person:

Corinna Schwab

Leichtathletin Corinna Schwab aus Hiltersdorf (Gemeinde Freudenberg) hat sich auf die 200 und 400 Meter sowie auf Staffelläufe spezialisiert.

  • Geburtsdatum: 5. April 1999 (geboren in Schwandorf)
  • Vereine: TV 1861 Amberg, seit 1. Januar 2019 LG Telis Finanz Regensburg
  • Die größten Erfolge: 2020: Deutsche Meisterin 400m, Deutsche Hallenmeisterin 400m, 2. Platz Deutsche Hallenmeisterschaft 4x400m. 2019: 3. Platz U23-EM 4x400m, Deutsche U23-Vizemeisterin. 2018: U20-Weltmeisterin 4x100m, 3. Platz Deutsche Meisterschaft 400m. 2017: 2. Platz U20-EM 4x400m, Deutsche U20-Meisterin 400m, 2. Platz Deutsche U20-Hallenmeisterschaft 400m. 2015: Deutsche U18-Meisterin 400m Hürden. 2014: Deutsche U16-Meisterin 400m Hürden

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