02.02.2020 - 14:41 Uhr
AmbergSport

ERSC Amberg: Offener Schlagabtausch geht in die Verlängerung

Das hatte schon Bayernliga-Format: Rund 850 begeisterte Zuschauer sehen eine grandiose Aufholjagd der Amberger Wild Lions, die gegen ESC Kempten einen Drei-Tore-Rückstand egalisieren - sich aber am Freitag nur zum Teil belohnen.

Martin Brabec (links), bester Amberger Spieler am Freitag Abend, setzte in der Anfagsphase das Kemptener Tor gewaltig unter Druck – aber die Tore fielen kurz vor Drittelende auf der anderen Seite.
von Autor PAProfil

Denn in der vierten Minute der Verlängerung sichern sich die Allgäuer mit dem Treffer zum 5:6 den Zusatzpunkt.

Das Top-Spiel der Aufstiegsrunde zur Eishockey-Bayernliga zwischen den beiden Tabellennachbarn hielt, was man sich im Vorfeld erwartet hatte: Hohes Tempo, viele Torszenen, sehenswerte Treffer und zum Ende hin pure Dramatik. "Amberg hat eine hervorragend besetzte Truppe. Jeder hätte den Sieg verdient gehabt, aber am Ende waren wir die Glücklicheren", meinte Kemptens Coach Carsten Gosdeck.

Sein Amberger Gegenüber, Dan Heilman, schwankte zwischen Frust und Freude: "Ich bin stolz darauf, wie das Team immer wieder zurückgekommen ist. Wir hätten das Spiel in der regulären Spielzeit für uns entscheiden müssen. In der Overtime ist das dann häufig reine Glückssache." Mit dem einen Punkt könne man aber dennoch leben, gestand Heilman. Die Gäste zauberten am Spieltag noch einen weiteren Neuzugang aus dem Hut: Ahren Spylo, ehemaliger DEL-Torjäger in Hamburg, Nürnberg und Mannheim trägt ab sofort das Sharks-Trikot. Gegen Amberg fehlte dem Deutsch-Kanadier aber noch sichtlich die Bindung, blieb er eher unauffällig. Das konnte man von dessen Teamkameraden Markus Vaitl nicht sagen. Der Wirbelwind war bester Mann der Sharks und an fünf der sechs Treffer beteiligt.

Zunächst sah Vaitl sich aber wie seine Kollegen den Angriffen des ERSC ausgesetzt. Die Löwen mussten zusätzlich auf die verletzten Kevin Schmitt und Bernhard Keil verzichten, drückten aber von Beginn an aufs Tempo. Amberg hatte die größere Anzahl und auch die besser herausgespielten Chancen, attackierten schon früh in der neutralen Zone. Gästegoalie Fabian Schütze ließ sich aber nicht bezwingen.

Gegen Ende des Drittels drehte sich überraschend die Partie. Ihre erste Powerplay-Gelegenheit nutzten die Gäste prompt und abgebrüht durch Michel Maaßen zum 0:1. Dem ließ kurz darauf Christoph Meier das 0:2 folgen, ein Treffer, der Dan Heilman richtig ärgerte: "Das war ein Wechselfehler, der durfte uns nicht passieren."

Zum Mittelabschnitt legten die Gastgeber sofort wieder den Vorwärtsgang ein. Martin Brabec und Neuzugang Svato Merka, der ein starkes Debüt lieferte, hatten aussichtsreiche Möglichkeiten, aber mit ihrem ersten Torschuss trafen die Gäste durch Patrick Weigant zum 0:3. ERSC-Goalie Carsten Metz war erneut ohne Abwehrchance. Kempten schien das Spiel in den Griff zu bekommen, da sorgte eine Einzelaktion wieder für Amberger Kampfgeist. Brabec tanzte sich durch die Gästeabwehr und vollendete mit der Rückhand in den Winkel zum 1:3. Kaum zwei Minuten später ließ Merka seinen Premierentreffer folgen - und die Löwen waren wieder im Geschäft. Grund genug für Carsten Gosdeck, eine Auszeit für sein Team und Druck aus dem Kessel zu nehmen. Und der Finne Roni Rukajärvi stocherte für die Gäste aus dem Gewühl heraus die Scheibe zum 2:4 ins Tor.

Powerplay für den ERSC: Zehn Sekunden nach Ablauf der Strafzeit lochte Felix Köbele zum 3:4 ein. Der Treffer von Brabec zum 4:4 - bester Amberger Spieler des Abends - durch einen Alleingang war in Vorbereitung, Ausführung und Vollendung einfach sensationell und für Fabian Schütze unhaltbar. Aber Markus Vaitl krönte einen Alleingang zur neuerlichen Kemptener Führung, ehe Svato Merka mit seinem zweiten Treffer zum 5:5 zeigte, dass dem ERSC da eine gute Neuverpflichtung geglückt ist.

Die Entscheidung in der Overtime war sinnbildlich für den Spielverlauf: Der ERSC ließ durch Brabec und Köbele eine Zwei-gegen-eins-Chance ungenutzt, und im direkten Gegenzug traf Niklas Oppenberger für die Sharks zum Zusatzpunkt.

Info:

ERSC Amberg – ESC Kempten 5:6 n.V. (0:2, 3:2, 2:1, 0:1)

Tore: 0:1 (15.) Maaßen (Newhook, Vaitl/5-4), 0:2 (17.) Meier (Vaitl, Von Sigritz), 0:3 (25.) Weigant (Oppenberger), 1:3 (28.) Brabec, 2:3 (30.) Merka (Hemmerich), 2:4 (34.) Rukajärvi (Vaitl, Newhook), 3:4 (37.) Köbele (Brabec), 4:4 (47.) Brabec, 4:5 (49.) Vaitl (Scheffer), 5:5 (54.) Merka, 5:6 (64.) Oppenberger (Vaitl). Strafen: Amberg 4, Kempten 10 Minuten. Schiedsrichter: Wittmann, Beigel, Schnabl. Zuschauer: 828

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