20.04.2020 - 18:39 Uhr
AmbergSport

Fußball: Eine umstrittene Entscheidung

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Wie geht es mit der Saison 2019/20 weiter? Der Bayerische Fußballverband hat die Vereine befragt und am Montag das Abstimmungsergebnis bekannt gegeben. Das Votum ist klar, trifft aber nicht überall auf Gegenliebe.

Platz gesperrt – wie lange noch? Ab 1. September sollen die Fußballvereine von der Bayernliga bis zu den B-Klassen den Spielbetrieb wieder aufnehmen und die Saison 2019/20 fortsetzen. In der Theorie. In der Praxis hängt die Entscheidung auch von den politischen Vorgaben ab, inwieweit Sport wieder möglich ist.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Eine klare Zwei-Drittel-Mehrheit der bayerischen Fußballvereine, nämlich 68,13 Prozent (2178 dafür, 1019 dagegen) sprach sich für den Vorstandsvorschlag aus, die wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Spielzeit 2019/20 ab 1. September - wenn durch staatliche Vorgaben möglich - auf sportlichem Wege zu Ende zu bringen. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 73,53 Prozent.

Noch 14 Spiele ab 1. September

"Das ist für mich nicht erklärlich. Die Saison zu beenden, wäre ganz klar die bessere Lösung gewesen", sagt Tobias Rösl, der Sportdirektor des Bayernligisten DJK Ammerthal. 14 Spiele hat Ammerthal noch zu bestreiten - jetzt ab 1. September. "Es sind viele Faktoren zu berücksichtigen, die Spiele durchzubringen. Es muss mit einer Witterung gerechnet werden, die Absagen zur Folge hat. Viele Vereine haben kein Flutlicht, wie sollen die womöglich unter der Woche spielen? Das ist keine Entscheidung die durchdacht ist, die positiv ist - außer für den BFV."

Rösls Vorschlag: Die Mannschaft, die in den jeweiligen Ligen Erster ist, sollte aufsteigen. Er fände es in Ordnung, wenn der Letzte der Liga bleiben und nicht absteigen würde.

Keine Infos über Verträge

Ammerthals Trainer Dominik Haußner hat noch einen Vertrag bis 30. Juni - und nicht darüber hinaus. Ab 1. Juli sollte ein neuer Mann übernehmen. "Inwieweit das vom BFV geregelt wird, wissen wir ja gar nicht. Wir haben keine einzige Information, wie dann das Vertragsverhältnis ausschaut. Das betrifft Trainer und Spieler. Wir können dazu nichts sagen, weil wir selbst noch nichts wissen", erklärt Rösl.

Der Ammerthaler Sportdirektor glaubt, dass durch die Regelung, ab 1. September die Saison fortzusetzen, noch wesentlich mehr Klagen auf den BFV zukommen werden.

Scheler: Ligen aufstocken

Andreas Scheler, der Trainer der SpVgg SV Weiden, hätte es ebenfalls als bessere Lösung empfunden, die Saison zu beenden - aber nur unter bestimmten Voraussetzungen: "Wir sind Zweiter in der Landesliga Mitte und wollen aufsteigen. Mein Vorschlag: Erster und der Relegationsplatzinhaber steigen auf, die Ligen werden aufgestockt, es steigt keiner ab." Wenn es diese Lösung nicht gegeben hätte, dann wäre die sportliche Fortsetzung à la BFV die bessere Alternative.

Vernünftiger: Ein Neubeginn

Das Vernünftigste laut Scheler: Im September nicht fortsetzen, sondern die neue Saison beginnen. Dann hätten die Vereine Zeit für Planungen gehabt, und auch im schlimmsten Fall hätte man bis Juni 2021 spielen können. "Wenn alle Stricke reißen, könnte man nur eine Hinrunde spielen, eine verkürzte Form der Liga." Ein weiterer Aspekt: Drei tschechische Spieler stehen bei der SpVgg SV Weiden unter Vertrag, Dominik Mandula, Dominik Hradecky und Adam Beranek. "Das wäre ein herber Verlust, wenn die drei im September nicht über die Grenze dürften. Wir haben bisher mit diesen Spielern auf einem gewissen Leistungsniveau gespielt, qualitativ wäre das schon ein Einschnitt", argumentiert Scheler.

Gut: Sportliche Entscheidung

"Ich hätte das Ergebnis knapper erwartet. Einerseits finde ich es gut, weil es eine sportliche Entscheidung gibt. Andererseits: Was mache ich nach sechs Monaten Saisonunterbrechung? Wer ist von den Spielern noch da? Wer ist beruflich weg? Wer hat keinen Bock mehr?", stellt Roland Lang die Fragen. Der Trainer des abstiegsbedrohten Landesligisten SV Grafenwöhr selbst würde gerne ab 1. September weitermachen - obwohl er eigentlich ab dem 1. Juli seinen Stuhl für Martin Kratzer räumen müsste. Der Trainerwechsel war vor einiger Zeit bekanntgegeben worden.

Training ab 1. August

"Das ist eigentlich meine Saison. Ich habe ja nicht für ein Kalenderjahr unterschrieben, sondern für eine Saison." Für Lang gibt es einige zwingende Voraussetzungen, dass ab September wieder gespielt werden kann: Mindestens vier Wochen Training vorher, also ab 1. August. Zusätzlich einige Vorbereitungsspiele, aber ohne Zuschauer.

Aller Voraussicht nach wird der Vorstand des Bayerischen Fußballverbandes an diesem Mittwochabend zusammenkommen und auch vor dem Hintergrund des Ergebnisses beraten. Und die Vereine erwarten Antworten auf ihre Fragen.

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