15.05.2020 - 16:59 Uhr
AmbergSport

Fußballvereine halten Abstand zum Training

Seit Montag dürfen Amateurfußballer auf den Sportplätzen wieder trainieren. Was toll klingt, hat aber einige Haken. Viele Vereine bezweifeln Sinn und Nutzen. Und in Corona-Zeiten stellen sich auch Haftungsfragen.

Viel zu wenig Abstand: So darf es aktuell nicht zugehen auf dem Trainingsplatz. Die meisten Fußballvereine in der Region haben, obwohl offiziell möglich, den eingeschränkten Trainingsbetrieb noch nicht aufgenommen.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Nicht wenige Fußballer und Trainer hatten sich zunächst mächtig gefreut, als die Politik letzte Woche erste Lockerungen beim Sport ankündigte. Die Stimmung hat sich allerdings eingetrübt. Denn die Vorgaben für den Trainingsbetrieb sind streng. Abstand halten, nur in Kleingruppen üben, Hygieneregeln beachten: Was für Golf oder Tennis gut umsetzbar erscheint, ist bei einer auf Körperkontakt ausgelegte Mannschaftssportart kaum machbar.

"Rund 98 Prozent der Vereine verzichten darauf, in der jetzigen Situation in den Trainingsbetrieb einzusteigen", erzählt Albert Kellner. Der Spielleiter im Fußballkreis Amberg/Weiden hatte in den vergangenen Tagen Kontakt zu vielen Klubs. Der Tenor ist eindeutig. "Die meisten sagen, dass sie bis zum geplanten Saisonbeginn Anfang September noch viel Zeit haben und kein Risiko eingehen wollen." Eine Meinung, die Kellner teilt. "Es ist nicht falsch, den Ball flachzuhalten und es vorerst langsam angehen zu lassen", sagt der Kreisfunktionär. "Die Gesundheit geht auf jeden Fall vor."

Kaum Sinn

Das Restrisiko in punkto Gesundheit ist ein Gesichtspunkt, die Sinnhaftigkeit ein anderer. Das Verbot von im Fußballsport zwangsläufigen Körperkontakten liegt zum Beispiel Klaus Rodler schwer im Magen. "Unter diesen Voraussetzungen ist ein zielgerichtetes Training kaum durchführbar", meint der Trainer des Nachwuchsleistungszentrums der SpVgg SV Weiden. "Vier Spieler und ein Trainer als Gruppe, keine Zweikämpfe und nur Techniktraining. So macht das kaum Sinn."

Rodler hat dennoch einen Fahrplan im Kopf, den er aber noch mit seinen Nachwuchstrainern absprechen will: "Wir werden sicher irgendwann einsteigen, aber nicht in nächster Zeit." Vorläufig fest steht nur, dass das Stützpunkttraining am 8. Juni beginnen soll. Kritisch sieht Rodler die lange Zeitspanne bis zu einem frühestmöglichen Saisonstart. Wer jetzt zu trainieren beginne, müsse mehrere Monate überbrücken. "So lange bei Spielern die Spannung hochzuhalten, ist schwierig. Das kann sogar kontraproduktiv sein, da muss man aufpassen." Eine Ansicht, die auch Albert Kellner vertritt: "Es zählt nicht, Trainings-Weltmeister zu sein. Dreieinhalb Monate nur Training kann einiges kaputt machen."

Ob der Amateurfußball im Spätsommer aber tatsächlich durchstarten kann, ist fraglich. Der Bayerische Fußball Verband verweist in dieser Frage gebetsmühlenartig auf die Politik und deren rechtlichen Vorgaben als alleinigen Maßstab. Rodler mahnt jedoch schon jetzt eine rechtzeitige Entscheidungsfindung an: "Jede Mannschaft braucht mindestens drei, vier Wochen normales Training, bevor sie in die Punktspiele gehen kann."

Strafen stehen im Raum

Ein Verein, der sich entschlossen hat, die Trainingsbälle im Magazin zu lassen, ist der SV Schmidmühlen. Vereinsausschuss, Trainer und Vertreter des Marktes Schmidmühlen tagten zuletzt per Online-Videokonferenz. Laut einstimmigem Beschluss ruht der Trainingsbetrieb im gemeindeeigenen Sportzentrum mindestens bis zum 24. Mai. Vorsitzender Peter Fochtner verweist auf die 4. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung und den seit 8. Mai geltenden Bußgeldkatalog. "Das ist geltendes Recht", so Fochtner. Bei Verstößen zum Beispiel gegen das Abstandsgebot könnten Spieler mit 150 Euro, der Verein gar mit 5000 Euro belangt werden. "Für reine Spaßveranstaltungen, um einmal wieder gegen den Ball zu treten, ist das Risiko von Sanktionen für den Verein oder die Gemeinde viel zu hoch", ist unisono die Meinung beim SVS.

Fußball und Corona:

Trainingsbetrieb: BFV und BLSV klären auf

Der eingeschränkte Trainingsbetrieb wirft bei den Fußballvereinen landauf, landab viele Fragen auf. Der Bayerische Fußball Verband hat nun auf den Informationsbedarf reagiert. Seit Freitag klärt der Verband in Fragen und Antworten über die Rahmenbedingungen und mögliche Haftungsrisiken auf. Die Seite ist so zu finden:

https://www.bfv.de/news/corona/2020/05/fragen-und-antworten-zum-eingesch...

Auch der Bayerische Landessportverband hat ein Update gefahren. Haftungsfragen werden hier erläutert: https://www.blsv.de/fileadmin/user_upload/pdf/Corona/FAQ_Coronavirus_Aus...

Info:

Stimmen der Vereine

SpVgg Pfreimd

Stefan Mohaupt (Spartenleiter): In unserem Verein ist die einstimmige Entscheidung gefallen, vorerst nicht zu trainieren. Wir fangen frühestens nach den Pfingstferien an, aber das ist noch nicht sicher. Wir warten erst einmal die weitere Entwicklung ab.

SV Etzenricht

Manfred Herrmann (Vorsitzender): Unsere Sportplätze sind aktuell gesperrt, da wir sie neu herrichten. Von daher ist ein Trainingsbetrieb sowieso nicht möglich. Aber selbst wenn, würden wir unter den möglichen Bedingungen kein Training abhalten. Weder im Jugendbereich noch bei den Erwachsenen. Sicherheit ist die oberste Vorgabe. Wie es in vier Wochen aussieht, muss man sehen.

SpVgg Schirmitz

Christian Schieder (Spartenleiter): Unsere Jungs sind heiß, die wollen wieder etwas machen. Wir werden nächste Woche im kleinen Kreis die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen besprechen. Wenn dann von den Genehmigungen alles in trockenen Tüchern ist, fangen wir an.

FC Tirschenreuth

Thomas Schramm (Spartenleiter): Die Spieler würden gerne trainieren. Wir werden aber erst noch eine Sitzung abhalten. Da soll erörtert werden, ob wir in der Lage sind, die Regeln überhaupt umzusetzen. Die Haftungsfrage ist ein ganz wichtiger Punkt, die muss geklärt sein.

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