26.03.2019 - 23:00 Uhr
AmbergSport

Katrin Fehm zur Staffel-WM nach Japan

Eigentlich wollte die Sprinterin des ESV Amberg ihren ersten Wettkampf dieses Jahr in Gilching bestreiten. Doch jetzt geht es nach Yokohama. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erzählt Katrin Fehm vom überraschenden Anruf des Bundestrainers.

Auch im Training trägt Katrin Fehm schon Schwarz-Rot-(Gelb-)Gold. Die 20-jährige Hahnbacherin läuft im Mai bei der Staffel-WM in Japan über die 4x200-Meter für Deutschland.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

So richtig realisieren könne sie es noch nicht, sagt Katrin Fehm, die mit der 4x100m-Staffel 2016 bei der U-20-WM in Polen Dritte und 2017 in Italien in Weltrekordzeit Europameisterin wurde. Im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien erzählt die 20-Jährige,welche Ziele die deutsche 4x200-Meter-Staffel bei der WM am 11./12. Mai in Yokohama hat, und dass es auch einen kleinen Wermutstropfen gibt.

ONETZ: Frau Fehm, Sie dürfen zur Staffel-WM nach Japan. Eigentlich war das Thema ja schon abgehakt...

Katrin Fehm: Ja, ich freue mich unglaublich. Ich kann es gar nicht glauben. Es hieß lange Zeit, Deutschland würde keine 4x200-Meter-Staffel schicken, unter anderem aus finanziellen Gründen.

ONETZ: Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?

Katrin Fehm: Vor ein paar Tagen hat Bundestrainer Ronald Stein mich im Training angerufen und gesagt, "Kati, ich würde dich gerne mit nach Yokohama nehmen zur Staffel-Weltmeisterschaft." Ich war erst mal total perplex. Es ist ein Superereignis und eine absolute Ehre, das Land vertreten zu dürfen. Es ist ja meine erste internationale Meisterschaft bei den Frauen.

ONETZ: Die WM ist Mitte Mai, das Abenteuer beginnt aber schon knapp vier Wochen vorher...

Katrin Fehm: Davor haben wir noch ein dreiwöchiges Trainingslager auf Okinawa, einer kleinen Insel südlich von Japan. In der Wettkampfwoche fliegen wir dann nach Yokohama.

ONETZ: Sie wollten eigentlich Anfang Mai mit einem kleineren Wettkampf beginnen. Ist es ein Problem, jetzt schon früher auf den Punkt in Top-Form sein zu müssen?

Katrin Fehm: Man muss natürlich jetzt schon ein bisschen spezieller trainieren. Es ist ja nicht irgendein Einstiegswettkampf, sondern gleich ein Höhepunkt. Da muss man in deutlich besserer Form sein. Aber groß ändern müssen wir unsere Trainingsphilosophie nicht.

ONETZ: Apropos Trainingsphilosophie. Sie haben im Winter keine Wettkämpfe bestritten. Warum?

Katrin Fehm: Ich habe die Halle bewusst ausgelassen, weil wir eine lange und intensive Vorbereitung auf die Sommersaison geplant haben. Ich war zudem zweimal richtig erkältet nach den Trainingslagern im Dezember und Januar. Da einen Wettkampf zu laufen, macht wenig Sinn.

ONETZ: Und obwohl Sie im Winter keine Wettkämpfe bestritten haben, wurden Sie nominiert. Ist das nicht ungewöhnlich?

Katrin Fehm: Der Bundestrainer hat im Trainingslager in Südafrika gesehen, wie flott ich momentan unterwegs bin. Die Trainingsläufe waren sehr, sehr schnell. Die Zeit, die ich im Sommer gelaufen bin, die 23,15 Sekunden, hat mir natürlich auch viele Türen geöffnet. Ich freue mich sehr über sein Vertrauen.

ONETZ: Sie haben relativ kurzfristig erfahren, dass sie demnächst vier Wochen in Japan sind. Ist das so einfach zu organisieren?

Katrin Fehm: Ein bisschen planen muss man natürlich schon und einige Sachen erledigen. Aber ich studiere ja jetzt im ersten Semester Internationales Management an der Hochschule Ansbach, das ist ein Studiengang extra für Spitzensportler. Das ist kein Problem, ich kann mir die Vorlesungen selber einteilen. Und mein kleiner Hund Kanda, den ich seit Dezember habe, darf bei meinen Eltern und Geschwistern bleiben. Wen ich sicher vermissen werde, ist meine Trainerin Ulrike Glück. Da wird dann aber schon jeden Abend per Skype oder Facetime kommuniziert.

ONETZ: Mit welchen Zielen wird die deutsche 4x200-Meter-Staffel an den Start gehen?

Katrin Fehm: Wir sind eine relativ junge Staffel, alle Anfang 20. Für uns gilt es in erster Linie Erfahrungen zu sammeln. Wir werden alle um unser Leben rennen. Für was es dann am Ende reicht, kann man jetzt schwer sagen. Zumal wir auch die anderen Staffeln nicht so gut kennen.

ONETZ: Ihre Staffelkollegin Jennifer Montag startet für Bayer 04 Leverkusen, Jessica-Bianca Wessolly für die MTG Mannheim. Wird Ihnen nicht auch nahegelegt, zu einem großen Verein zu wechseln?

Katrin Fehm: Man bekommt schon die ein oder andere Empfehlung, dem Bundestrainer geht es aber darum, dass die Rundumversorgung des Athleten bestmöglich gegeben ist, was Physiotherapie, ärztliche Betreuung, oder Ernährungsberater angeht. Ich bin in Amberg mehr als gut bedient, habe mit Andreas Beer in Sulzbach-Rosenberg einen super Physiotherapeuten, der immer für mich da ist. Ich habe mit Ulrike Glück eine super Trainerin. Gut, manchmal sind die Trainingsbedingungen nicht gerade die besten für einen Sprinter. Aber ein Wechsel ist erst mal kein Thema. Es gefällt mir hier, es passt alles.

ONETZ: Genau am WM-Wochenende ist hier der Landkreislauf...

Katrin Fehm: Das ist schade. Ich wäre so gerne dagewesen, wirklich. Ich bin ja eigentlich über den Landkreislauf zu dem Sport gekommen. Ich wäre gerne wieder für den SV Hahnbach gelaufen. Natürlich die kürzeste Strecke. Für einen Sprinter ist das ja eigentlich Gift.

ONETZ: Die kürzeste ist in diesem Jahr 2,9 Kilometer.

Katrin Fehm: (lacht) Ja gut, das hätte ich schon schaffen können.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.