27.07.2018 - 15:11 Uhr
AmbergSport

"Wir hatten keine Lust mehr"

Sieben Spiele in der Relegation, sechs davon verloren, drei Jahre nur Frust und Enttäuschung, und dann das Happy End. Zwei Spieler des FSV Gärbershof können ein Lied davon singen, aber was für eines. Vom schier endlos dauernden Aufstieg in die Kreisklasse...

Endlich Kreisklasse! Nach dem 3:2-Sieg am 25. Mai über die SG Etzenricht II folgten drei wilde Tage für den FSV Gärbershof.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Nur Fabio Stammler (25) und Harry Gittel (24) sind noch übrig aus jener Mannschaft der Saison 2012/13, als das Unheil seinen Lauf nahm. Die zwei "Gärbershofer Mohikaner". Eine Chronologie in sieben Folgen, wie ein schlechter Film. Oder wie Gittel sagt: "Viele schlechte Filme." Bis auf einen.

Fast alle verballern

Episode eins, Drehort Luhe-Wildenau: Der FSV Gärbershof wird Zweiter in der A-Klasse Süd 2012/13 und verliert 1:2 das erste Spiel in der Relegation gegen den SV Waldau. Nummer zwei gegen den FC Freihung geht ins Elfmeterschießen. Die Gärbershofer Schützen verballern alle, bis auf Renat Abildin. Freihung trifft alles und steigt auf. "Das war nicht schlimm", sagt Gittel, denn "wir alle kamen aus der A-Jugend und waren erst 18 oder 19 Jahre alt."

Episode drei und vier folgen in der nächsten Saison, 2013/14. Fast schon klar ist, dass der FSV Gärbershof wieder auf dem zweiten Platz landet. Diesmal ist der erste Schauplatz Seugast, der Gegner heißt SpVgg Pirk. Verlängerung, Elfmeterschießen. Das Ergebnis: Zehn Gärbershofer treffen, der elfte verschießt - Pirk ist weiter. Pikant: Gegner zwei heißt erneut FC Freihung, der gegen den Abstieg kämpft. Gärbershof ist haushoch überlegen, bis zur 88. Minute: Michael Endruscheit macht aus der einzigen Freihunger Chance das 1:0. "Jetzt waren wir so richtig angefressen", sagt Fabio Stammler. Vier Spiele um den Aufstieg, alle verloren - das zehrt an den Nerven.

Dritte Saison, dritter Anlauf 2014/15: "Jetzt wollten wir es wissen", erklärt Gittel. Eine astreine Runde folgt, mit nur einer Niederlage (Stammler: "Ausgerechnet gegen Schlusslicht Neukirchen") und einem Remis. Klar: Der FSV Gärbershof wird Zweiter. "Das kann doch nicht sein, nur ein Spiel vergeigt, und dann sollten wir wieder nicht aufsteigen?", fragt Stammler. Die Relegation soll endlich den ersehnten Sprung nach oben bringen. Spiel eins gegen die Reserve von Germania sieht eine überlegene Gärbershofer Elf, der aber in 90 Minuten kein Tor gelingt. Verlängerung: Aus abseitsverdächtiger Position schießt Patrick Wagner (99.) die Germanen in die Kreisklasse.

"Blöde Kommentare"

Die zwei „Relegations-Mohikaner“: Harry Gittel (links) und Fabio Stammler.

Anlauf Nummer vier, wieder mal gegen die SpVgg Pirk. Die gewinnt in Schnaittenbach mit 2:1 - und die Kicker des FSV Gärbershof sind am Boden zerstört. Sechs Relegationsspiele um den Aufstieg in die Kreisklasse, alle sechs verloren. "Das war der Knackpunkt", stöhnt Fabio Stammler. Nach der Niederlage geht jeder seine eigenen Wege, schaut, dass er die Kabine so schnell wie möglich verlässt. Etliche hören später mit Fußball auf. Besonders bitter: Rainer Stammler, Fabios Vater, ist Trainer der Mannschaft und hat zur erhofften Siegesfeier an diesem Abend das Restaurant Portofino angemietet. "Von der Mannschaft ist keiner gekommen. Ich glaube, von der Reserve haben sich zwei oder drei erbarmt und sind mitgegangen. Er wäre sonst alleine da drin gesessen", erinnert sich Fabio Stammler. "Die sechste Niederlage war der Todestoß für die Mannschaft", erklärt Harry Gittel. "Wir hatten echt keine Lust mehr, da spielst du Fußball als Hobby und bist nur noch frustriert. In der Arbeit weiß jeder, dass wir wieder verloren haben. Da musst du dir keine bösen, aber blöde Kommentare anhören."

Gittel wechselt zum SVL Traßlberg ("ich brauchte eine Luftveränderung"), anschließend spielt er eine Saison in der Landesliga beim SV Sorghof, bis ihn eine Verletzung außer Gefecht setzt. Und Fabio Stammler? "Ich war kurz davor, mit Fußball aufzuhören, so hat mich das mitgenommen." Er wechselt sogar den Job und legt eine Meisterprüfung in Regensburg ab: "Da läuft es wenigstens." Dann, nach langer Überlegung, macht er weiter. Das Ziel der nächsten beiden Jahre mit dem FSV Gärbershof: "Wir haben uns geschworen, wir werden entweder Erster oder Dritter", sagt er. "Glücklicherweise" erreicht der FSV dieses Ziel mit zwei dritten Plätzen - "ohne dass wir absichtlich verloren haben", sagt Stammler.

Drei Tage gefeiert

Die letzte Folge 2017/18 und wieder mit Rückkehrer Harry Gittel und Trainer Peter Hilburger führt zum Happy End - nach einem zweiten Platz in der A-Klasse Nord. "Drei Tage", sagt Gittel, "drei Tage haben wir gefeiert." Freitag, 25. Mai 2018: Der 3:2-Sieg im siebten Relegationsspiel gegen die SG Etzenricht II auf dem Platz des SV Inter Bergsteig bringt die Erlösung. Der Siegtorschütze: Fabio Stammler. Dann ging's rund: "Wir haben das Inter-Sportheim leer gemacht, dann unseres. Am Samstag sind wir nahtlos zum Frühschoppen in die Stadt." Dann auf das Gelände des FSV, wo rund 50 Mann rumtobten, am Abend folgte die Kirwa in Gailoh - bis Sonntag.

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