01.01.2020 - 10:04 Uhr
AmbergSport

Schiedsrichter-Obmann schlägt Alarm

Immer mehr verbale Attacken, immer weniger Nachwuchs – Obmann Thomas Gebele weist auf eine bedenkliche Entwicklung im Fußball hin und sagt: "Ich möchte nicht zu einem Streik aufrufen müssen".

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch die Schiedsrichter beklagen zunehmend verbale Attacken. Auch deswegen hören viele Unparteiische auf.
von Autor GELProfil

Im Saarland (September), in Berlin (Oktober) und Köln (November) haben Schiedsrichtergruppen zum Streik aufgerufen, da die Angriffe und Anfeindungen gegen die Unparteiischen zugenommen haben und viele Schiedsrichter nicht mehr pfeifen wollen. Auch in Weilheim (Oberbayern) hat der dortige Obmann die negativen Vorkommnisse öffentlich gemacht.

"Sicherlich wurde in unserem Kreis Amberg/Weiden noch kein Schiedsrichter geschlagen", sagt Obmann Thomas Gebele, "aber die verbalen Attacken vor allem gegen die Nachwuchsgilde bleiben auch hier nicht aus." Was zur Folge habe, dass der Ausgleich gegenüber den älteren Kollegen, die in den "Ruhestand" gehen, nicht mehr gewährleistet werden könne und die aktiven "Pfeifenmänner" weniger würden.

In den Jahren 2017 (10 Neulinge), 2018 (15) und 2019 (11) wurden 35 Anwärter ausgebildet, bei ihren ersten Einsätzen sogar von einem Tandem-Schiedsrichter unterstützt (ein erfahrener Unparteiischer steht mit auf dem Platz, im Wechsel wird gepfiffen). Von den Lehrgängen 2017 bis 2019 sind 18 Teilnehmer noch aktiv. 17 "pausieren" zurzeit. "Die 50-Prozent-Quote der ,Verluste' ist zu hoch", sagt Obmann Gebele.

Die Schiedsrichtergruppe ist mit 13 höherklassigen Schiedsrichtern top aufgestellt (einer in der Regionalliga, zwei in der Bayernliga, sechs in der Landesliga und vier in der Bezirksliga), aber wenige davon pfeifen unterklassige Partien. Die "stillen Helden" der Gruppe sind die Unparteiischen, die die meisten Spiele ohne Assistenten absolvieren müssen.

"Bisher konnten wir alle Begegnungen der Herren, Frauen und Jugend bis hinunter zu den D-Junioren besetzen", sagt Gebele. "Dies gelang oft nur, weil sie nicht selten an einem Tag zwei Spiele übernahmen." Einige leiten zum Beispiel am Sonntagvormittag ein Juniorenspiel und stellen sich anschließend noch als Assistent an die Linie - oder sie leiten um 13.15 Uhr das Vorspiel der Kreisligapartie und fungieren dann um 15 Uhr auch noch als "Linienrichter".

Nur so konnten im Kalenderjahr 2019 von 137 Schiedsrichtern 3810 Spiele geleitet werden, betont der Obmann. "Hohen Respekt vor den alten Kameraden, die mit über 70 Jahren noch fleißig Spiele über- nehmen. Da ich auch aus der Vereinsarbeit stamme, weiß ich auch, wie schwer es ist, jemanden zu diesem Ehrenamt zu überreden", betont Gebele. Und: "Wenn sich zum Neulingslehrgang nicht genügend Interessierte anmelden, wird es in der Rückrunde keine Doppeleinsätze mehr geben." Bisher habe sich auch noch kein Verein bedankt, für die Zeit, die diese Schiedsrichter opfern.

Diese Doppeleinsätze seien mittlerweile Normalität geworden, "die Vereine wissen ja, es kommt schon jemand", so Gebele. "Aber an die Belastung samt Gesundheit denkt keiner. Ich möchte nicht auch einmal zu einem Streik aufrufen müssen."

Info:

Neulingslehrgang

Die Schiedsrichtergruppe Amberg bietet vom 28. Februar (18 Uhr) bis 1. März 2020 (12 Uhr) einen Wochenendlehrgang im Sportheim des SV Inter Bergsteig Amberg an. Anmeldungen ab 14 Jahren (auch von Interessierten, die im laufenden Jahr 14 werden) bei Obmann Thomas Gebele, Telefon 0170/4 062 672 (ab 14 Uhr), E-Mail thomas.gebele[at]asamnet[dot]de, oder bei Lehrwart Walter Schimpke, Telefon 0171/6 317 413, E-Mail walter.schimpke1[at]freent[dot]de mit folgenden Daten: Vorname, Name, Verein, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer, Handy-Nummer und E-Mail-Adresse. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit werden den Schiedsrichtern Spesen (je nach Spielklassen 15 bis 20 Euro) und Kilometergeld (30 Cent) ausbezahlt. Mit dem Schiedsrichterausweis können alle Spiele im DFB-Gebiet kostenlos besucht werden.

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