19.04.2019 - 20:31 Uhr
AmbergSport

Eine Stunde lang einseifen

Am Schlackenplatz lief nach Regenfällen das Wasser nicht ab. Deswegen mussten die Spieler mit Eisenstangen durch die obere Schicht stoßen, um Abhilfe zu schaffen. Fußball auf Schlacke mit Steinen - aber nach dem Spiel gab's Luxus pur.

Fußball beim SV Luitpoldhöhe auf dem legendären Schlackenberg mit der Tribüne, die 1952 gebaut wurde.
von Autor WFOProfil

Begehrt war das unmittelbar neben der Luitpoldhütte platzierte Fußballfeld allerdings nicht wegen der Schlacke und den Steinen. Es gab keinerlei Beschwerden von den Spielern wegen offensichtlicher Verletzungsgefahr, denn die Gästemannschaften konnten es kaum erwarten, bis ein Spiel zu Ende war.

Warmes Wasser

Aber danach hatten die Spieler das Privileg, sich in der Luitpoldhütte mit warmen Wasser zu duschen. Dies war eine absolute Seltenheit, so kam es auch vor, dass sich die Gegner über eine Stunde lang einseiften und genüsslich unter einen der etwa 20 Brauseköpfe stellten. Sieben engagierte Männer gründeten 1945 den Sportverein Luitpoldhöhe und am 26. März 1946 lizensierte und genehmigte die amerikanische Militärregierung den Club - als vierten Verein in Bayern und als ersten im Landkreis. Der Sportplatz wurde von der Luitpoldhütte (Schlackenhalde) zur Verfügung gestellt und bei der Gründungsversammlung wurde unter anderem der Monatsbeitrag für Senioren auf eine 75 Reichsmark (davon 25 für die Versicherung) festgelegt.

Der Spielbetrieb mit der ersten Mannschaft und teilweise sehr weiten Fahrten wurde aufgenommen, wenig später folgten eine Jugendmannschaft, eine Reserve, eine Faustballmannschaft, Damen Handball und Leichtathletik. Im Jahre 1949 wurde über eine Fusion mit dem SC Germania Amberg abgestimmt, doch dieser Gedanke scheiterte bei 23 Ja- und 39 Nein-Stimmen.

Mit Theatergruppe

Drei Jahre später wurde die legendäre Zuschauertribüne auf dem Schlackenberg gebaut und sogar - außergewöhnlich für einen Sportverein - eine Theatergruppe gegründet. Ein weiterer Höhepunkt im noch jungen Vereinsleben war dann das Spiel gegen die SpVgg Fürth. Anlass für diesen hochkarätigen Gegner war die Einweihung des neuen Sportheims und des Sportplatzes: Die ersatzgeschwächten Hausherren verloren diese Partie gegen den Kontrahenten aus der ersten Amateurliga deutlich mit 1:10, viele Zuschauer konnten wenigstens den Ehrentreffer von Behringer bejubeln.

Ein Begriff beim SVL Traßlberg sind Herta und Franz Piesche, sie lebten mit Familie und Hund Harras im Sportheim Traßlberg, das 1958 gebaut wurde und den Auszubildenden der Luitpoldhütte als Schulraum diente. Bis im Jahre 2002 zum wiederholten Mal das Hochwasser über die Vils trat. Damals wurde dann spontan noch die Eingangstüre mit zwei Steinreihen zugemauert, um den Wassereintritt zu verhindern. Als aber durch die Außenwand des Gebäudes das Wasser bis in das Schlafzimmer drang, war es soweit, die Piesches zogen aus. Über viele Jahrzehnte war das Paar für die Kantine (so nannte die Hertha ihr Sportheim) und auch für die Platzpflege verantwortlich.

Schiri aus dem Fenster

Wenn die Spieler und Zuschauer an das Sportgelände kamen gab es oft ein Lob für diese sehr gepflegten Rasenplätze. Früher kam es nicht nur einmal vor, hatte Herta Piesche erzählt, dass ein Schiedsrichter nach einem schlecht gepfiffenen Spiel- sich in seine Kammer einsperren musste und über das Fenster quasi den Hinterausgang nutzte, um heil davonzukommen.

"Heute hat der Verein für seine 450 Mitglieder ein breites Angebot", freut sich Vorsitzender Thomas Grabinger. Die Palette der Kursangebote reicht von Pilates über Zumba, Walking, Nordic Walking oder Yoga. Die Tennisabteilung hat eine schöne Anlage zur Verfügung, ein Beach Volleyballfeld wird rege genutzt und der traditionelle Fußball kann beim SVL Traßlberg in allen Altersklassen gespielt werden - vom Kleinkind bis zu den Senioren.

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