16.11.2018 - 17:03 Uhr
AmbergSport

Das Tor fällt mitten in der Nacht

Es ist bis heute eine der kuriosesten Spielabsagen: Ende der 1960er-Jahre will der FC Großalbershof aufsteigen. Doch zum Spiel gegen den Konkurrenten kommt es nicht. Irgendjemand hat etwas dagegen und rückt mit einer Säge an...

Als die Pfosten noch massiv und eckig, und die Trikots aus Baumwolle und ohne Werbeaufdruck waren. Der FC Großalbershof in den 1970er Jahren.

Gut zehn Jahre nach seiner Gründung stand der FC Großalbershof erstmals vor dem Aufstieg in die damalige B-Klasse. Zum Punktspiel im legendären "Waldstadion" gegen den ambitionierten Kontrahenten SV Michaelpoppenricht kam es aber nicht: In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte jemand kurzerhand ein Tor zerlegt, das damals noch aus quadratischem Holz gefertigt war.

Sauber abgesägt und umgelegt war dieses Tor bereits viele Stunden vor dem Spiel gefallen, das dann auch nicht angepfiffen werden konnte. Es ranken sich einige Geschichten um den "Torfall von Großalbershof", der Täter konnte aber nie ausfindig gemacht werden. Vor 60 Jahren wurde der Verein am Forsthof gegründet, unter seinen derzeit 390 Mitgliedern sind auch noch einige der Gründungsmitglieder des Clubs, der vor allem auf Fußball setzt. Ein adäquates Spielfeld hatte man aber nicht, also wurde ein gepachteter Acker mit Rasenstücken gepflastert.

Der Platz hing nach unten, diese "kleine Hanglage" wurde dann in den 1980er-Jahren beseitigt. Das Feld war und ist immer noch klein, nur ein paar Schritte trennen den Strafraum von der Seitenauslinie. Ein Jahr nach der Gründung begann man am Forsthof bereits mit dem Verbandsspielbetrieb, gute zehn Jahre später verpasste die Mannschaft knapp den Aufstieg in die B-Klasse. Am zersägten Tor lag es aber wohl nicht...

Umkleide im Kuhstall

Die Rahmenbedingungen in der Anfangszeit waren schwierig, die Spiele mitunter kurios: Verhältnisse, die heute kaum vorstellbar sind. So war auch beim FC Großalbershof Improvisationskunst gefragt, umgezogen wurde sich in einem ehemaligen Kuhstall und im Keller, die Duschmöglichkeiten waren eingeschränkt. Auf Erbpacht bekam der FCG dann ein Gelände vom Gasthof Heldrich überlassen - den jetzigen A-Platz. 1968 wurde mit dem Umbau begonnen und das neue Rasenspielfeld am 31. Juli 1971 eingeweiht. Danach begannen die Arbeiten für ein Sportheim, klein und schmuck, das 1976 fertiggestellt wurde. Dennoch wird das berühmt-berüchtigte Waldstadion auch heute noch zum Training in der dunkleren Jahreszeit und für die Spiele im Herbst und im Frühjahr genutzt, vor allem ältere Spieler fragen in der nassen Jahreszeit immer wieder sorgenvoll nach: "Spielen wir herunten oder droben?"

"Dort droben" gab und gibt es immer wieder legendäre Spiele wie kleine Wasserschlachten auf seifigem Geläuf. Vor zwei Jahren ließ ein Schiedsrichter die beiden Reservemannschaften spielen, dem Unparteiischen der ersten Mannschaften war aber der schneebedeckte Platz zu schlecht und er sagte ab. Auch wenn der Kader der Herrenteams 35 Spieler umfasst und freitags immer wieder 20 Akteure im Training sind, müssen die Forsthofer eine Durststrecke im Nachwuchsbereich aushalten, denn es gibt nur eine D-, eine E- und eine F- Jugend, der Plan ist zudem, nach der Winterpause eine C-Junioren ins Rennen zu schicken.

"Setzen auf Kameradschaft"

"Jugendarbeit ist schwierig", sagt Spartenleiter Herbert Engelhardt, "denn es gibt heutzutage nicht nur Fußball". Auch etwas anderes habe sich verändert: "Heute geht nach dem Training jeder seine eigenen Wege, während man früher noch lange zusammengehockt ist." Gerade die älteren Akteure bedauern diese Entwicklung, der man beim FCG entgegensteuert. "Wir setzen ganz stark auf Kameradschaft, diverse Angebote wie neulich gemeinsames Bowlen werden gut angenommen."

So blickt man am Forsthof durchaus optimistisch in die Zukunft: Nach dem ersten Aufstieg 2009/10 spielt das Team nun schon das dritte Jahr Kreisklasse und diese Liga soll auch unbedingt erhalten werden. Da täten Punkte jetzt gegen den SV Illschwang/Schwend gut. Je nach Witterung könnte im sagenumwobenen Waldstadion gespielt werden.

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