30.03.2020 - 17:04 Uhr
AmbergSport

Trauer um Jack Bowkus: "Unsere Familie hat einen Kämpfer verloren"

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Tief betroffen haben Eishockeyfans, frühere Mitspieler und Freunde aus Amberg auf den Tod von Jack Bowkus reagiert. Bei einer Spendenaktion hatten viele von ihnen den ehemaligen Stürmer des ERSC Amberg bei seiner Krebstherapie unterstützt.

Vorlage Jack Bowkus (links), Tor Mike Morin (rechts) – oder umgekehrt. Zwei Jahre lang bildeten die beiden ein von den Fans des ERSC Amberg geliebtes und von den gegnerischen Verteidigern gefürchtetes Sturmduo.
von Christian Frühwirth Kontakt Profil

Wenige Wochen nach seinem 53. Geburtstag am 19. Februar starb Jack Bowkus am Samstagabend in Los Angeles, wo er viele Jahre gelebt und als Nachwuchstrainer beim NHL-Club Los Angeles Kings gearbeitet hatte. "Letzte Nacht hat unsere Familie einen Kämpfer verloren", teilte seine Schwester Jo Ann in einer bewegenden Nachricht auf Facebook mit: "Jack hatte einige Jahre gegen den Krebs gekämpft und hat schließlich gegen diese Monstererkrankung verloren. Wir vermissen ihn schrecklich, unsere Herzen sind gebrochen, aber er hat keine Schmerzen mehr."

Von Bowkus' Schwester erfuhr es auch Hans Wartha. Der hatte Jack Ende der 1980er Jahre kennengelernt, als dieser nach Amberg kam - und im Eisstadion am Schanzl für Furore sorgte. Der Angreifer mit der Trikotnummer 4 begeisterte die Fans und war mit 155 Toren und 193 Vorlagen am Durchmarsch des ERSC von der Landesliga in die Regionalliga beteiligt. Mit diesen 348 Punkten belegt Bowkus Platz sechs der ewigen Scorerliste - obwohl er Amberg nach drei Jahren wieder verließ und für Bad Wörishofen und später für Ulm spielte - und auch dort Top-Scorer war.

Treffen im "Engelchen"

"Er war immer lustig, hat viel gelacht, war sehr beliebt - und ein Riesenspieler", sagt Wartha, der so manchen Abend mit Bowkus an der Theke des "Engelchens", der Stammkneipe der ERSC-Spieler, verbrachte. "Er war einer der nettesten Typen, die ich je getroffen habe". In den vergangenen Jahren hatten die beiden wieder mehr Kontakt, "er hat mir damals aber nicht gesagt, dass er Magenkrebs" hat. Das erzählte ihm ein Bruder Jacks.

Niederschmetternde Diagnose

Vor knapp eineinhalb Jahre kam eine Nachricht aus den USA: "Hi Buddy, ich bin krebsfrei", schrieb Jack Bowkus und machte danach eine große Reise durch Asien. "Ich dachte mir, hey super, dass es ihm wieder so gut geht." Umso geschockter war Wartha als er im Januar diesen Jahres hörte, dass bei Jack Bowkus der Krebs zurück gekommen war, mittlerweile Wirbelsäule und Lunge befallen hatte.

Um seinem alten Freund bei der teueren Behandlung ("er musste viele Medikamente selber zahlen") zu helfen, startete Wartha Anfang Februar eine Spendenaktion, sammelte bei zwei Heimspielen, versteigerte ein Trikot. So kamen knapp 2600 Euro zusammen, die er in die USA überwies. "Wir haben gehofft, dass es was bringt." Eine Hoffnung, die am Wochenende brutal beendet wurde.

Auch Mike Morin hatte gespendet, gehofft und gebangt. Er und Jack Bowkus spielten in der Saison 1984/85 bei den Saskatoon Blades in der Western Hockey League (WHL) - mit den späteren Eishockey-Größen Wendel Clark (Toronto Maple Leafs) und Grant Jennings (zweimaliger Stanley-Cup-Sieger mit den Pittsburgh Penguins). "Jack war 17, ich 18, beide waren wir Mittelstürmer." Am Anfang, so Morin, habe er Jack nicht so richtig gemocht. "Bei uns Kanadiern galt er als der typische US-Boy mit der leichten amerikanischen Arroganz." Ein Eindruck, der sich schnell ändern sollte.

Er war einer der nettesten Typen, die ich je getroffen habe.

Hans Wartha

Legendäre Sturmreihe

Ein paar Jahre später spielten die beiden wieder zusammen in einer Mannschaft. Beim ERSC Amberg in der Bayernliga-Saison 1989/90 - Mike Morin als Mittelstürmer, Jack Bowkus als Rechtsaußen. Die Reihe komplettierte Reinhard Witetschek (Morin: "Der einzige, der schnell genug war für uns"). Am Ende der ersten gemeinsamen Saison stand der Aufstieg in die Regionalliga - mit 259 Scorerpunkten der beiden. "Jack war ein super Spieler mit goldenem Händchen", sagt Morin über seinen damaligen Sturmkollegen. Noch mehr schätzte er aber dessen Persönlichkeit: "Es gibt wohl niemanden, der ein schlechtes Wort über ihn gesagt hat. Mit Ausnahme seiner Gegner auf dem Eis. Jeder Mensch hatte nach einem Gespräch mit Jack ein Lächeln im Gesicht. "

Jeder Mensch hatte nach einem Gespräch mit Jack ein Lächeln im Gesicht.

Mike Morin

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