15.10.2020 - 16:33 Uhr
AmbergSport

"Das ist Wahnsinn, wie manche hier in Paris mit Corona umgehen"

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Lukas Dotzler ist aus Paris zurückgekehrt und spielt wieder Fußball bei der DJK Ammerthal. "Ich bin noch rechtzeitig gegangen", sagt der Freund von Nationalspielerin Sara Däbritz. Der Grund: Das tägliche Leben in Paris zu Corona-Zeiten.

Lukas Dotzler und Sara Däbritz in Paris. Momentan ist das Paar getrennt - wegen Corona.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Eigentlich wäre Lukas Dotzler um diese Zeit bei seiner Freundin in Paris. Wo er bis vor kurzem noch gewohnt hat. Bei Fußball-Nationalspielerin Sara Däbritz, die vergangenes Jahr vom FC Bayern München zu Paris Saint-Germain gewechselt ist. Eigentlich.

Zurück zu den Eltern

"Mir ist das Ganze hier zu heiß geworden. Ich bin froh, dass ich rechtzeitig zurück bin nach Deutschland", erklärt Dotzler. Das Risiko, sich mit Corona zu infizieren - das ist der Grund, warum der 25-Jährige momentan bei seinen Eltern in Freudenberg wohnt. Der ehemalige Regionalligaspieler des FC Amberg und Ex-Torschützenkönig der Bayernliga ist mehr oder weniger geflüchtet - vor dem allzu lockeren Umgang der Franzosen mit der Pandemie. "Ich habe in der 4. französischen Liga gespielt, bei AS Poissy, einem Verein am Rand von Paris", sagt Dotzler. Aber nur bis vor rund drei Wochen.

Elf Spieler infiziert

Lukas Dotzler und Sara Däbritz vor dem Eiffelturm in Paris - aber momentan ist das Paar getrennt. Wegen Corona.

Der Umgang seiner Mitspieler und vieler Franzosen mit Corona erschien ihm unverantwortlich. "Ich bin in einer Whatsapp-Gruppe mit meiner Mannschaft. Da haben sich binnen kürzester Zeit elf Spieler mit Corona infiziert. Hier gibt es im Sportverein zu wenig Maßnahmen, um sich zu schützen", erklärt Lukas Dotzler. Im Gegenteil: Seine infizierten Mitspieler verkündeten drei Tage nach einem positiven Test, dass sie am liebsten wieder trainieren würden. "Die haben gesagt, dass sie sich gut fühlen und wieder Fußball spielen wollen."

Das wurde dem Freudenberger zu riskant: "Das ist für mich Wahnsinn, wie manche hier in Paris mit dem Virus umgehen." Aber nicht nur im Sportverein verhielten sich die Franzosen so locker. Die Mentalität, so der Wahl-Pariser, sei eine ganz andere als in Deutschland. Disneyland in Paris habe geöffnet, alle Museen.

Die Metro, die Pariser U-Bahn, sei überfüllt wie eh und je. "Da ist es viel zu eng, da sind einfach zu viele Leute drin", klagt Dotzler. Er sei ab einer gewissen Zeit überhaupt nicht mehr mit der Metro gefahren.

Ohne Abstand

Grundsätzlich sei Paris "eine traumhafte Stadt mit manchmal bisschen eigenen, aber im Großen und Ganzen sehr netten und freundlichen Leuten", beschreibt Dotzler seine Eindrücke. Aber: "Die nehmen Corona nicht ernst", zieht Dotzler sein Fazit. Erst vor über einer Woche wurden die Cafes und Bars geschlossen - sonst pulsiert das Leben wie immer. Bei einem Jugendspiel seines Vereins AS Poissy seien beispielsweise weit über 500 Menschen ohne Abstand und Maske rund um den Platz gestanden. "Die Eltern, Bekannte, Freunde. Einfach Wahnsinn", konstatiert der Fußballer. Überhaupt nicht zu vergleichen mit den Verhältnissen und Maßnahmen in Deutschland. "Wenn man in Paris lebt und das alles so mitbekommt, dann schätzt man die deutsche Mentalität in einer so schwierigen Phase."

Dotzler will erstmal bis zum Jahresende in Freudenberg bleiben und für die DJK Ammerthal in der Bayernliga spielen. "Das ist aber keine Dauerlösung." Er kann hier sein Fernstudium "Sportmanagement" fortsetzen: "Das geht problemlos, die Vorlesungen sind alle online. Für mich hat sich nichts geändert", erklärt er.

Nur Telefonkontakt zu Sara

Nur die räumliche Trennung von Freundin Sara Däbritz sei natürlich alles andere als ideal. Sie stünden laufend im telefonischen Kontakt. "Ich werde sie die nächste Zeit nicht sehen, weil ich nicht vorhabe, jetzt wieder nach Paris zu reisen. Ich müsste ja, wenn ich zurückkomme, fünf Tage in Quarantäne. Das macht keinen Sinn", erläutert Dotzler. Die beiden wollen von Woche zu Woche entscheiden, was sie tun werden.

Test alle zwei, drei Tage

Sara Däbritz wird als Profispielerin von Paris St. Germain alle zwei bis drei Tage getestet, weil der Club die Hygienevorschriften beachtet.

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