05.10.2018 - 16:46 Uhr
AmbergSport

"Wir sind ja nicht aus Zucker"

Seit 35 Pflichtspielen gibt es die Spielgemeinschaft mit SF Ursulapoppenricht und der DJK Gebenbach II - seit 35 Spielen ist sie ungeschlagen. Und nur ein Gegner schafft es bisher, der SG einen Punkt abzuknöpfen.

In der A-Klasse ging's manchmal hart zur Sache, in der Kreisklasse gelegentlich auch. Noch härter wird's, wenn die Fußballer der Spielgemeinschaft Ursulapoppenricht/Gebenbach zur Schneeschaufel greifen, um den Platz bespielbar zu machen. Der Lohn: Keine Niederlage in den letzten 35 Begegnungen.
von Autor WFOProfil

In der vergangenen Saison holte der FSV Gärbershof als einzige Mannschaft ein Unentschieden. Lohn der guten sportlichen Taten der SG ist die Tabellenführung in der Kreisklasse Süd mit einer Mannschaft, die auch Spieler in ihren Reihen hat, die schon auf Verbandsebene um Punkte gespielt haben. Und beim Sprung in die A-Klasse hat Spielertrainer Erdal Izmire erkannt, dass es dort doch manchmal zu hart und mitunter zu robust zugeht, "gerade bei Eins zu Eins-Situationen, aber wir sind ja nicht aus Zucker".

Kreisliga winkt

In der A-Klasse gab es öfter einen auf die Socken, das ist in der Kreisklasse deutlich weniger geworden. "Da gibt es auch keine Mannschaft, die sich nur hinten reinstellt und mit zehn Mann verteidigt", weiß der Trainer. Der gute Start lässt die SG hoffen, dass die Kreisklasse noch nicht das Ende der Fahnenstange ist.

Zweimal waren die Sportfreunde Ursulapoppenricht in ihrem noch relativ jungen Vereinsleben (gegründet 1974) in der Kreisklasse, ansonsten in der A-Klasse zu Hause. Die sportliche Ausgangssituation wurde mit der Zeit ein bisschen fatal: Nur noch sechs, sieben oder acht Spieler kamen zum Training, die Zukunft hätte auf einen dauerhaften Aufenthalt in der A- Klasse hingedeutet.

Eine Vision

Ähnlich verfahren war die Situation bei der DJK Gebenbach II, der Trainingsbesuch war noch übersichtlicher und die Zukunft der Mannschaft stand in den Sternen. So machte es hüben wie drüben immer weniger Spaß. Aber Not macht erfinderisch, Harald Kellner und Martin Reng, die Spartenleiter Fußball von den Sportfreunden, hatten zusammen mit Ludwig Birner von der DJK Gebenbach und ihren Vorstandsmitgliedern eine Vision: Seit den C-Junioren hatten die Sportfreunde mit den Gebenbachern zusammengespielt, die Spieler kannten sich auch von der Kirwa und vom Weggehen und hatten untereinander einen guten Draht: Obwohl man in der A-Klasse Nord gegeneinander spielte, wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Warum also nicht als Spielgemeinschaft einen Versuch wagen?

"Die beste Lösung"

Im Winter 2016 versammelten sich Franz Wittich, Georg Erras. Harald Kellner und Ludwig Birner, um Erdal Izmire die Vision "Spielgemeinschaft SG Ursulapoppenricht/DJK Gebenbach II" schmackhaft zu machen. "Diese Planungen haben mich überzeugt", so Erdal Izmire, der mit seinem Bruder Cengiz das erfolgreiche Team trainiert, "für mich war das die beste Lösung und gerade die Spieler aus Gebenbach habe ich ja ohnehin alle gekannt." Die SG Ursulapoppenricht I/DJK Gebenbach II erlebte ihre Geburtsstunde. Und eine sehr erfolgreiche dazu, denn 2017/18 stieg die SG in den Spielbetrieb ein, gewann nach 24 Spielen ungeschlagen die Meisterschaft und macht nun auch in der Kreisklasse Schlagzeilen: Elf Spiele, elf Siege, die Kreisliga kommt langsam aber sicher in Sichtweite.

Kurz vor der Rente

Der Clou an dieser Erfolgsgeschichte ist, dass es den Verantwortlichen gelang, etwas ältere Akteure ab 30 Jahren mit Landesligaerfahrung für etwas Neues gewinnen zu können. Verdiente Sportler wie die Brüder Cengiz und Erdal Izmire, Fabian Frank, Remigiusz Szewczyk, Thorsten Troche oder Manuel Hammer hielten und halten der SG die Treue und der Erfolg ist leicht messbar geworden: Erfahrene Akteure lassen es kurz vor ihrer Fußballrente sportlich mit Erfolg etwas gemütlicher ausklingen.

Ein grandioser Schritt, aber die Zukunft ist doch noch nicht im grünen Bereich. Diese regionalen Top-Spieler werden nicht jünger und auch irgendwann ihre Karriere ganz beenden. Bei einem soliden Altersschnitt der SG von über 30 Jahren drängt sich diese Frage auf. Neue und vor allem junge Spieler müssen gefunden werden, aber der Nachwuchs macht sich eher rar. Zwar haben die A-Junioren 18 Spieler aus den Vereinen Hahnbach, Gebenbach und Ursulapoppenricht im Kader. Und sportlich ist mit der Qualifikation für die Bezirksoberliga ein Meilenstein erreicht.

"Aber wenn die Jungs in den Herrenbereich wechseln, bleiben pro Verein eine Handvoll Spieler übrig und davon spielen beispielsweise wegen Studium nicht alle weiter. Einer oder zwei bleiben für die Spielgemeinschaft pro Jahr übrig", sagt Martin Reng, der lange Jahre bei den Sportfreunden aktiv war.

Nur mit Nachwuchs

Auch wenn der Juniorenbereich in allen Altersklassen bei dieser SG gut und teilweise mehrfach besetzt ist, bleibt doch eine bange Frage: Der tolle sportliche Erfolg täuscht bei den Verantwortlichen nicht darüber hinweg, dass die erfolgreiche Lösung mit dieser Spielgemeinschaft nur mit geeignetem Nachwuchs auch längerfristig Bestand haben kann. Die Aufgabe der Zukunft für alle Vereine, aber besonders auch für die SG Ursulapoppenricht I/DJK Gebenbach II.

Hintergrund:

Erdal Izmire schnürte im zarten Alter von sechs Jahren zum ersten Mal für den SV Hartenstein seine Schuhe. Nach dem Umzug der Familie spielte er bei den C- und B- Junioren in der damals sehr erfolgreichen Jugendmannschaft des ASV Auerbach, der in der Oberliga als kleinerer dörflicher Verein für Furore sorgte. „Da sind wir schon ganz schön weit herumgekommen“, erinnert sich der 32-jährige Fußballer. Dann folgte sein Wechsel zur SpVgg Bayreuth, die mit ihrer A-Jugend die Bayernliga bereicherte.

Dort blieb der junge Erdal noch eine Saison und spielte in dieser Zeit für die erste (Bayernliga) und zweite Mannschaft (Landesliga). Zwei Jahre lang spielte er beim FC Hersbruck in der Bezirksliga, zusammen mit Fußballgrößen wie Martin Driller, Martin Ziemer, Harald Spörl oder Reinhold Daschner. „Es war eine tolle Zeit, auch wenn wir den Aufstieg in die Landesliga zweimal in der Relegation verpasst haben.“

In ganz guter Erinnerung ist Erdal Izmire seine vierjährige Zeit als Spielertrainer beim SV Bronn, obwohl ihn im dritten Jahr eine schwere Verletzung mit einem Schädelbasisbruch und einer zertrümmerten Stirn längere Zeit zu schaffen machte. „Aber in Bronn war es super, wir sind in die Kreisklasse aufgestiegen und haben diese Liga auch drei Jahre gehalten, das gab es bei diesem Verein noch nie.“

Die Liebe zog ihn 2013 nach Sulzbach-Rosenberg, wo er bei WFT, der Firma von Franz Wittich, eine zweite Ausbildung absolvierte. Mit der DJK Gebenbach stieg er in die Landesliga und dann in die Bayernliga auf. Der Aufwand in dieser neuen Spielklasse war Erdal Izmire aber zu hoch, zumal die Familie im Leben des Industriekaufmanns eine immer stärkere Rolle spielte, er wurde auch Vater der kleinen Samira.

Die Spielgemeinschaft soll als Plattform gerade auch für junge Spieler aus den Junioren oder der Region attraktiv sein. „Wir haben ein erfahrenes Team und junge Talente und daran müssen wir weiter arbeiten, um den Altersschnitt senken zu können“, sagt der „alte“ Fußballer aber noch junge Trainer, der nun den B-Schein anstrebt.

In der A-Klasse ging's manchmal hart zur Sache, in der Kreisklasse gelegentlich auch. Noch härter wird's, wenn die Fußballer der Spielgemeinschaft Ursulapoppenricht/Gebenbach zur Schneeschaufel greifen, um den Platz bespielbar zu machen. Der Lohn: Keine Niederlage in den letzten 35 Begegnungen.

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