13.03.2019 - 14:00 Uhr
BayernSport

Ein Franke ist der neue "König von Giesing"

Die Fans von 1860 München sind so glückselig wie schon lange nicht mehr. Und dann am Dienstagabend auch noch der Derbysieg gegen Unterhaching. Im Gegensatz zu manch einem auf dem Platz haben die Anhänger das Siegtor gesehen.

Der gefeierte Mann: Nico Karger (hier eine Szene aus einem früheren Pokalspiel gegen Kiel) schoss das entscheidende Tor im Derby gegen die SpVgg Unterhaching.
von Josef Maier Kontakt Profil

Er hatte eigentlich einen der besten Plätze im Stadion. Doch im Gegensatz zu den 15 000 auf den Rängen, sah er den Treffer nicht. "Ich muss mir das Tor noch mal anschauen", sagte Sascha Mölders grinsend. "Ich habe es nicht gesehn." Dabei war der Sturmführer von 1860 München am entscheidenden 1:0 im Drittliga-Derby gegen die SpVgg Unterhaching beteiligt. Mölders hatte den Ball auf Philipp Steinhart gelegt, der flankte und Nico Karger brachte den Ball im Gäste-Kasten unter.

Aber es kommt ja alles noch dicker: "Ich habe nicht gesehen, wie der Ball reinging", erzählte Torschütze Karger nachher. Auch er hatte also nichts mitgekriegt. Allerdings aus einem guten Grund: "Ich wusste, dass der Ball reingeht." Da wollte er wohl keine Zeit verlieren, um jubeln zu können.

Ja, der TSV 1860 München ist derzeit ein Jubelverein. Das 1:0 gegen den Nachbarn aus Haching am Dienstagabend war der vierte Sieg in den letzten fünf Spielen, 40 Punkte für den Aufsteiger, Platz fünf. Trainer Daniel Bierofka freute sich vor allem über die Abwehrleistung: "Wir haben in der Box richtig gut verteidigt." Das sagt man heute so und heißt übersetzt, dass die Innenverteidiger Felix Weber und Simon Lorenz eine klasse Partie absolviert haben. "Wir hatten zwar auch unsere Chancen, aber ich denke der Sieg der Löwen ist nicht unverdient", sagte Haching-Präsident und Ex-Sechziger Manni Schwabl, während am anderen Ende des Stadions die Spieler der Einheimischen noch lange nach dem Derby gefeiert wurden. Auch Trainer Daniel Bierofka musste in den Zaun. Das war ihm sichtlich peinlich. "Die Spieler gehören in den Zaun", sagte er wie immer bescheiden. "Mein Job ist es nur, die Mannschaft vorzubereiten." Das gelingt ihm immer besser. Wohl auch, weil die Zusatzbelastung der Trainerausbildung wegfällt. "Der Biero hat brutal harte zehn Monate hinter sich", erinnerte Mölders noch einmal an die Pendelei des Trainers zwischen München und Hennef, zwischen Trainingsplatz und Schulbank. "Wir sind alle froh, dass er endlich wieder da ist."

Das sieht auch Karger so: "Das Training ist jetzt auch ein bisschen anders." Mit durchschlagendem Erfolg. Auch Karger kommt wieder in Schwung. "Für ihn war es sehr wichtig, er hat ja längere Zeit nicht mehr getroffen", gönnte Mölders dem Flügelspieler von der linken Seite das Tor von ganzem Herzen.

Karger ist ein Beispiel dafür, dass in den vergangenen Chaos-Jahren beim TSV 1860 nicht alles schlecht war. Der gebürtige Kronacher kam 2009 ins Nachwuchsleistungszentrum der Giesinger, entwickelte sich dort weiter. In der zweiten Liga gelang dem Oberfranken der Durchbruch dennoch nicht. Nach dem Absturz schob der 26-Jährige dann kräftig mit an. Er war ein entscheidender Mann beim Drittliga-Aufstieg und bringt auch in dieser Saison frischen Wind auf den Flügeln. Über die drei Punkte vom Dienstag freute er sich riesig: "Es ist ein geiles Gefühl, mit den Fans auf dem Zaun zu feiern."

Feiern, das wollen sie bei den Sechzigern weiterhin. "Ich rufe aber jetzt keine neuen Ziele aus", sagte Bierofka zum Erreichen der 40-Punkte-Marke. Aber Relegationsplatz drei ist doch in Sichtweite? "Für mich zählt das alles nicht. Wir wollen jetzt einfach so schnell wie möglich 45, 46 Punkte." Geträumt haben sie bei den "Löwen" lange genug ...

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