08.11.2018 - 18:50 Uhr
BayernSport

Hoeneß kleinlaut: "Wir fahren als Außenseiter nach Dortmund"

Außer Doppel-Torschütze Robert Lewandowski tritt bei den Bayern gegen AEK Athen am Mittwochabend keiner in Erscheinung. Den großen Auftritt in München gibt es ohnehin erst kurz vor Mitternacht.

Reizfigur Uli Hoeneß: Der Bayern-Präsident nimmt nach dem Athen-Spiel erneut Stellung zu brisanten Themen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Das hat er nicht gesagt? Doch, das hat er. Am späten Mittwochabend gab es den Beweis, dass die Bayern-Welt in diesen Tagen schon etwas aus den Fugen geraten ist. Uli Hoeneß druckste nicht lange rum. "Wir fahren als Außenseiter nach Dortmund." Ein Satz, der eigentlich das Selbstverständnis des deutschen Rekordmeisters bis ins Mark erschüttert. Und der in den vergangenen Jahren so ganz sicher nicht gefallen wäre. Schon gar nicht von der obersten Instanz der Bayern.

Die Bayern! Außenseiter? Dieses Wort kommt im Wortschatz des deutschen Vorzeigevereins normalerweise nicht vor. "Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier", erklärte der Bayern-Präsident seine Position. "Meines Wissens sind die vier Punkte voraus."

Uli Hoeneß suchte am Mittwochabend die Öffentlichkeit. Nicht von oben herab, vom Podium, wie vor drei Wochen bei der legendären Pressekonferenz an der Säbener Straße, sondern auf Augenhöhe mit den Fragestellern ließ sich Hoeneß interviewen. Nicht mehr viel war von der Angriffslust von damals zu spüren. "Wir haben nicht alle Medien pauschal kritisiert", wollte er einiges richtigstellen. "Die, die wir meinten, wissen Bescheid."

Nach dem Spiel war der Präsident zunächst mit Karl-Heinz Rummenigge in die Spielerkabine gegangen. Zu beglückwünschen gab es nach dem 2:0-Pflichtsieg gegen AEK Athen nicht viel, und so kehrte er alsbald in den Medienbereich zurück. Er suchte das Gespräch und sagte gleich einen Satz, den man dem Polternden von vor drei Wochen nicht zugetraut hätte: "Wir sind nicht so arrogant, wie ihr alle denkt." Um dies zu unterstreichen, ging er auch auf Kuschelkurs mit einem, den er bei der damaligen PK angegriffen hatte: "Das mit Juan Bernat tut mir leid. Das war beleidigend, das würde ich nicht mehr so machen." Dem Spanier hatte er unterstellt, beim Spiel in Sevilla "nur Scheißdreck" gespielt zu haben, und deshalb habe man ihn abgegeben. Jetzt wird es aber nicht so gewesen sein, dass da am Dienstagabend einer am Tegernsee vor Freude aus dem Sessel gesprungen ist, als der Neu-Pariser beim 1:1 von PSG in Neapel das Führungstor erzielte: "Ich habe das gesehen", sagte Hoeneß lächelnd. "Und ich habe mit großer Freude festgestellt, dass er auch Tore schießen kann." Dass sie auch Tore schießen können, haben die Bayern gegen Athen zumindest gezeigt. Imposant war dies alles aber keineswegs. Das weiß Hoeneß nur zu genau. "Wir haben einen jungen Trainer, der sich noch einarbeiten muss. Da braucht es Geduld", nahm er Niko Kovac in Schutz. Dass er ihn "bis aufs Blut" verteidigen werde, dieser Satz von vor ein paar Tagen gelte noch immer. Hoeneß ging an diesem Abend sogar so weit, das Dogma "Meister wird immer der FC Bayern" infrage zu stellen. Wenn man mal nicht Meister würde, würde die Welt auch nicht untergehen. Er konnte aber das Sticheln doch nicht lassen: "Was wollt ihr denn? Ihr wolltet doch immer Spannung haben. Jetzt habt ihr sie."

Da waren sie wieder: Spuren von Angriffslust. Und denen ließ er dann noch weiter freien Lauf. "Wir sind immerhin Zweiter", sagte er und ließ auch den Hinweis nicht gelten, dass man hinter Dortmund und den punktgleichen Gladbachern nur Dritter in der Bundesliga-Tabelle sei. "Wir sind Zweiter. Das Torverhältnis zählt für mich nicht." Die Bayern-Welt ist doch noch nicht ganz aus den Fugen geraten ...

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