14.02.2021 - 19:54 Uhr
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Kommentar: Der Profifußball taugt in Coronazeiten nicht als Prügelknabe

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Reisen, wie die des FC Bayern zur WM. Die Rummenigge-Diskussion um bevorzugte Impfung. Die Gesellschaft haut in Coronazeiten drauf auf den Profifußball. Die Diskussion geht in die falsche Richtung, meint Sportredakteur Josef Maier.

Münchens Trainer Hansi Flick und Abwehrspieler Jerome Boateng. Flick überraschte am Sonntag mit einem Appell an die Politik.
von Josef Maier Kontakt Profil
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Das macht wenigstens noch Spaß. Da kann man sich richtig gehen lassen. Es hat sich ja auch einiges angestaut.

Die Anschuldigungen sind ganz einfach formuliert: Diese Schnösel, diese Jungmillionäre, eine Schande ist das, dass die Fußballspielen dürfen, wo doch viele Leute untätig zu Hause sitzen und der Virus ihnen Geld und Zukunftsperspektive raubt. Die Volksseele kocht. Und zunehmend stimmen auch einige Politiker mit ein in den Chor. Das macht auch Bayern-Trainer Hansi Flick, der als ein besonnener Vertreter der Branche gilt, Sorgen.

Es ist verdammt schwer in diesen so dunklen Tagen zu differenzieren. Dabei ist dies gerade in diesen Tagen verdammt nötig. In Zeiten, in denen man manchmal nicht draufschaut, wie die Grundordnung in diesem Land ausschaut, sondern sich sogar mal ganz schnell eine eigene zimmert.

Wenn zwei beim Fußballspielen schwitzen, muss das noch lange nicht dasselbe sein. So blöd es sich anhört, kicken auf der Schulwiese ist etwas andere als kicken im Stadion. Ein Profifußballer geht einem Beruf nach. Er unterschreibt einen Arbeitsvertrag. Das mag einem gefallen oder nicht, aber das ist in der Bundesrepublik Deutschland so geregelt. Das ist ein Beruf wie Friseur, Verkäuferin, Schreiner oder Lehrer.

Warum dürfen Fußballprofis überhaupt spielen?

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Proficlubs werden - weil es praktisch ist - schnell auf die 10, 15 Millionäre reduziert. Das sind aber mittlerweile teilweise Großunternehmen, die Hunderte von Leuten beschäftigen - nicht nur in kurzen Hosen, sondern auch in Büros, beim Verkauf, bei Sicherheitsdiensten. Und die auch Steuern zahlen. Wie Friseure, Einzelhändler oder Produktionsunternehmen auch, müssen die Profivereine in Coronazeiten Hygienekonzepte vorlegen. Diese wurden geprüft. In einigen Branchen kam der Staat zu dem Schluss, eine Öffnung sei wegen des Infektionsgeschehens zu riskant, beim Profifußball gab es das Okay. Da wurde sicher besonders penibel geprüft. Die Politik weiß genau, wie hochsensibel dieses Thema ist.

Und da ist es vor allem für die Vereinsbosse sehr ärgerlich, dass sich Profis wie zuletzt die frisch tätowierten Corentin Tolisso oder Matheus Cunha oder "Partyhengst" Breel Embolo mit dummen und fahrlässigen Aktionen nicht an die Maßgaben halten. Die Klub-Oberen wissen, dass man sich nicht mehr viel erlauben darf, die Genehmigung kann schnell weg sein.

Wie wenig sich die "Diskussion" um bevorzugte Fußballer aber an Fakten orientiert, zeigt auch, dass nur der Profifußball angefeindet wird. Berufshandballer, Berufsleichtathleten, Berufsvolleyballer, Berufstischtennisspieler sind auch aktiv - da hört man nichts.

Doch, doch, man kann dem Profifußball einiges vorhalten: Die zunehmende Gehälterexplosion, nimmersatte Profis, schon vor Corona eine zunehmende Distanz zu den Fans, abgehobene Aussagen wie zuletzt von Uli Hoeneß. Trotzdem taugt der Profifußball in Coronazeiten nicht als Prügelknabe.

Da werden oft Dinge bunt durcheinander gemischt, so wie man sie für seine vorgefertigte Meinung braucht. Und so ein Verhalten kann die in diesen Zeiten schon so fragile Gesellschaft überhaupt nicht brauchen.

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