Die Menschenrechtsorganisation FairSquare setzt ihren Kampf gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino mit einer erneuten Beschwerde bei der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes fort. In dieser werden Infantino Verstöße gegen den FIFA-Ethikkodex vorgeworfen. Alle Vorfälle stünden mit US-Präsident Donald Trump in Verbindung, wie aus dem Dokument hervorgeht, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. Zuvor hatten auch andere Medien wie Sportschau und die französische Tageszeitung „L'Équipe“ darüber berichtet.
„Zusammengenommen liefern sie überzeugende Beweise dafür, dass der FIFA-Präsident bei seinen Bemühungen, sich beim US-Präsidenten einzuschmeicheln, mindestens seine Macht missbraucht, gegen seine Pflicht zur politischen Neutralität verstoßen und seine Treuepflicht verletzt hat“, heißt es in der Beschwerde: „Die Beweise dafür, dass er aus diesem Verhaltensmuster persönlichen Nutzen ziehen wollte, verstärken die Schwere der Vorwürfe noch.“
Vier der acht Vorfälle waren bereits Teil der Beschwerde, die FairSquare im Dezember 2025 eingereicht hatte. Sie war nach der vielfach kritisierten Verleihung des neuen FIFA-Friedenspreises an Trump bei der Auslosung für die WM 2026 eingereicht worden. Die aktuelle Beschwerde enthalte laut FairSquare nun auch Einzelheiten zu Infantinos Rolle in der sogenannten Balogun-Affäre während der WM sowie bei den gescheiterten Plänen für einen hochumstrittenen Investorendeal zur Vermarktung von Weltmeisterschaften.
„Fehlfunktionen und Missstände in der Führungsebene“
Während der WM in den USA, Mexiko und Kanada war Infantino wegen der nach einem Anruf von Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun schwer in die Kritik geraten. Später wollte Infantino Rechte an den Turnieren des Weltverbandes an private Investoren verkaufen und damit Milliarden erlösen. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma eine Schlüsselrolle übernehmen sollen. Angesichts der riesigen Empörung musste Infantino sein Vorhaben stoppen. Infantino hat eine Einflussnahme seines Handelns durch US-Präsident Trump stets dementiert.
„Die nun eingereichte ergänzende Beschwerde enthält noch schwerwiegendere Vorwürfe und bildet in ihrer Gesamtheit ein Beweisbündel, das auf wiederholte Fehlfunktionen und Missstände in der Führungsebene des Fußballs hindeutet“, heißt es in der Beschwerde. Als unabhängiges Rechtsorgan müsse die Ethikkommission „nicht nur handeln, sondern auch erkennbar mit der gebotenen Eile, Transparenz und Konsequenz vorgehen“, forderte die Menschenrechtsorganisation.
Auf die erste Beschwerde habe die FIFA-Ethikkommission laut FairSquare lediglich mit einer Eingangs-Bestätigung des Schreibens regiert. Die Organisation war zuletzt mit einer ähnlichen Beschwerde gegen Infantino beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gescheitert.
© dpa-infocom, dpa:260908-930-651489/1




















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