Deutschland und die Welt
17.01.2020 - 23:16 Uhr

Die deutschen Handballer und ihre Suche nach dem Wintermärchen

Alle Handball-Welt redet nach dem Weißrussland-Spiel vom Befreiungsschlag. Diese deutsche Mannschaft macht aber weiterhin nicht den Eindruck, als wäre sie bei dieser EM zu Höherem berufen, meint unser Sportredakteur Josef Maier.

Kommentar von Josef Maier
Ein nachdenklicher Bundestrainer Christian Prokop vor dem Kroatien-Spiel. Bild: Robert Michael/dpa
Ein nachdenklicher Bundestrainer Christian Prokop vor dem Kroatien-Spiel.

Dieses Endspiel kommt definitiv zu früh, und die deutschen Handballer hätten gerne darauf verzichtet. Die DHB-Auswahl will eigentlich am 26. Januar in Stockholm um die EM-Krone spielen, jetzt geht es schon am Samstag in Wien gegen Kroatien um alles.Es ist nur allzu menschlich, dass versucht wird, aus dem Erfolg gegen Weißrussland jedes Fitzelchen an Positivem herauszufiltern. Doch dieses 31:23 gegen biedere Weißrussen war ein Sieg des Willens, keiner der Spielfreude. Das Prokop-Team ist nicht auf der Höhe. Das gegenseitige Anfeuern wirkt bemüht, die Siegerfäuste gekünstelt. Die schwache Vorrunde steckt noch in den Trikots. Da ist viel kaputtgegangen. Vor allem die Chancenlosigkeit gegen Spanien hängt den Profis nach.

In der vergangenen Zeit waren die ersten Wochen des Jahres voll von Handball-Festtagen. Das Team auf dem Parkett löste eine Begeisterungswelle aus, aus der Bevölkerung kam eine Euphoriewelle zurück. Beim Bäcker, in der Arbeit, beim Bierchen - die Handball-EM ist dieses Mal aber kaum Thema.

Kroatien könnte den Stimmungsstecker endgültig ziehen. Es ist der Job des Bundestrainers, an seine Jungs und das Halbfinale zu glauben. Aber für ein neues Wintermärchen braucht es mehr. Viel mehr.

 
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