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17.04.2024 - 01:44 Uhr
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Blue-Devils-Matchwinner Fabian Ribnitzky und der 26-Sekunden-Wahnsinn von Hannover

Trainer Sebastian Buchwiesers geglückte Personal-Rochade, euphorisierte Blue Devils Weiden und erzürnte Hannover Scorpions: Das zweite Play-off-Finale der Eishockey-Oberliga war nichts für schwache Nerven.

Was für ein Eishockey-Thriller in Hannover-Mellendorf am späten Dienstagabend! Als hätte Alfred Hitchcock höchstpersönlich Regie geführt, stellten die Blue Devils Weiden mit dem erst zähen, dann fulminanten 3:2-Comebacksieg bei den Hannover Scorpions im Play-off-Finale der Eishockey-Oberliga die Best-of-7-Serie auf 2:0. Damit fehlen der Truppe von Trainer Sebastian Buchwieser nur mehr zwei Erfolge, um den großen Traum Realität werden zu lassen – den Aufstieg in die DEL2.

Dass die Weidener und ihre mitgereisten Fans in der etwas in die Jahre gekommenen ARS-Arena frenetisch und ausgelassen jubeln durften, das war über 40 Minuten nicht unbedingt abzusehen gewesen. "Die Köpfe gingen bei meinen Spielern etwas nach unten, da habe ich versucht, mit einem frischen Impuls ein Zeichen zu setzen", sagte Buchwieser im Gespräch mit Oberpfalz-Medien zu seinem spielentscheidenden Taktik-Kniff.

Mit 0:2 lagen die Blue Devils nach zwei Dritteln zurück, sie ließen sich von den giftigen und aggressiven Hausherren den Schneid abkaufen. Vom spielerischen Niveau her erreichte diese zweite Begegnung nicht die Qualität der ersten Partie, auch weil die Scorpions mit ihrer Spielweise die Weidener Stärken "zerstören" wollten, was ihnen auch glückte. Dann wählte Buchwieser in der zweiten Pause ein Stilmittel, das er ansonsten so gut wie nie anwendet: Er wirbelte die vier Weidener Reihen kunterbunt durcheinander.

Personelle Rochaden

In völlig neuer Besetzung kamen die Blue Devils auch wie verwandelt zurück aufs Eis und drehten diese bereits verloren geglaubte Partie mit einem teuflischen Kraftakt. „Wenn’s funktioniert, dann kann man sagen, dass es genau richtig war. Geht’s allerdings in die Hose, dann ist der Trainer schuld“, lehnte Buchwieser die Rolle als Matchwinner jedoch kategorisch ab. Auch seine Spieler waren von der Maßnahme überrascht. "Als wir davon in der Kabine gehört haben, bekamen wir erst einmal große Augen, aber jeder hat sich gedacht: ‚Warum nicht?‘ Das hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir die Partie noch gedreht haben", sagte Fabian Ribnitzky.

Der 24-Jährige avancierte mit seinem Siegtreffer 26 Sekunden vor der Schlusssirene zum umjubelten Weidener Helden. Beim Interview mit Oberpfalz-Medien in den Mellendorfer Katakomben einige Minuten nach dem magischen Moment des Abends hatte Ribnitzky "noch immer Gänsehaut" und war doch so klar, eine Botschaft aus diesem Herzschlagspiel herauslesen zu können. „Wenn man es schafft, in einem Drittel so zurückzukommen, dann sind das natürlich die schönsten Siege. Jetzt wissen wir, dass wir alles immer schaffen können.“

So könnte dieser Auswärtssieg bei beiden Teams Spuren hinterlassen. Die Scorpions waren ob des späten Nackenschlags geknickt, sauer und deprimiert. Da wird Trainer Kevin Gaudet alle Hände voll zu tun haben, seine Mannschaft bis zum dritten Spiel am Freitag, dann erneut in Weiden, wieder aufzubauen. Die Blue Devils werden dagegen keine Mühe haben, die Euphorie über die gut 500 Kilometer mit in die Oberpfalz zu transportieren – da ist sich zumindest Ribnitzky sicher: „Das ist, glaube ich, nicht schwer. Die Euphorie ist schon in Weiden, die trägt jeder schon in der Brust. Das ist ein Play-off-Finale, mehr Euphorie geht nicht.“

Frust bei den Scorpions

Ein Mehr an Frust erschien dagegen auf Hannoveraner Seite kaum möglich. Die Gastgeber projizierten all ihren Ärger auf das Schiedsrichtergespann, das Mühe hatte, sich heil durch die tobende Menge in die Umkleidekabine zu retten. Zu viele Strafen gegen die Scorpions (die Blue Devils machten bei drei Überzahlsituationen zwei Treffer) sowie ein nicht geahndeter Check von Robert Hechtl gegen Hannover-Stürmer Christoph Kabitzky erhitzten die niedersächsischen Gemüter nach dem späten Weidener Siegtreffer.

Kabitzky musste im zweiten Drittel vom Physiotherapeuten gestützt in die Kabine begleitet werden. Die räumlichen Gegebenheiten in der ARS-Arena wirkten auf eine derart brodelnde Fan-Seele auch nicht gerade deeskalierend. Sowohl Spieler als auch Schiedsrichter mussten auf dem Weg in die Kabine durch den Pulk an Hardcore-Scorpions-Anhängern. „Ob es im letzten Drittel Strafen gegen uns waren, weiß ich nicht, aber bei der Aktion gegen Kabitzky keine Strafe auszusprechen, das verstehe ich einfach nicht“, erneuerte Scorpions-Coach Gaudet seine Schiedsrichter-Kritik auch nach dem zweiten Finale.

Sein verletzter Akteur könne „den Nacken nicht bewegen“, gab der Kanadier bei der Pressekonferenz ein Update. „Niemand will verletzte Spieler. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist“, sagte auch Devils-Coach Buchwieser zu dieser heißdiskutierten Kabitzky-Situation, ehe sich der Weidener Tross wieder auf den langen Heimweg in die Oberpfalz machte. Am freien Mittwoch stand für die Blue Devils Regeneration auf dem Programm. Die Akkus der Spieler müssen ans Schnellladegerät, wenn am Freitag der dritte und möglicherweise vorletzte Schritt auf dem Weg in die Zweitklassigkeit gemacht werden soll.

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Hintergrund:

Notizen zum zweiten Finale in Hannover

  • Negatives Schussverhältnis: 40:32 lautete die Schussstatistik zugunsten der Scorpions, ein ungewohntes Gefühl für die ansonsten meist dominierenden Blue Devils
  • Buh-Rufe gegen Buchwieser: Als Blue-Devils-Coach Sebastian Buchwieser bei der Pressekonferenz die Leistung der Schiedsrichter lobte, wurde er von den Gästen im VIP-Zelt vor der ARS Arena ausgepfiffen und ausgebuht. Erst nach einer Unterbrechung durfte er seine Ausführungen fortsetzen
  • Idyllische Lage: Das Eisstadion der Scorpions liegt in Hannover eingebettet zwischen dem Abenteuerland Mellendorf und dem Spaßbad Wedemark
  • Heim-Choreo: Die Anhänger der Scorpions forderten in einer überdimensionalen Choreographie: „Ringt den Teufel nieder – für die 2. Liga“
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