Normalerweise ist der Deutsche Eishockey-Bund sehr penibel, was etwa den Ablauf vor einem Spiel in der Eishockey-Oberliga angeht. Wann ist das Aufwärmen? Wie lange dürfen die Spieler dafür auf dem Eis bleiben? Wann werden die Aufstellungen verkündet? Wann beginnt der Einlauf? All diese Prozedere sind den Vereinen minutiös vorgegeben. Aber am Freitagabend zeigte sich wieder einmal, dass auch in den Niederlanden ein deutsches Sprichwort gültig ist: Andere Länder, andere Sitten.
Als das vierte Play-off-Halbfinale zwischen den Tilburg Trappers und den Blue Devils Weiden eigentlich längst hätte angepfiffen werden sollen, da stand dort, wo sich normalerweise die Spieler um das erste Bully aufgestellt hätten, noch immer ein riesiges DJ-Pult. Techno-Bässe dröhnten aus den Lautsprechern, der Einpeitscher hatte Spaß an seiner Arbeit, und die Fans auf den Rängen gingen gut ab. Dass sich der Spielbeginn damit verzögerte? "Also ich kann nur für mich sprechen, aber mich stört das nicht. Ich höre diese Art von Musik ja gerne", sagte Dennis Thielsch zur längeren Wartezeit nach dem 5:2-Sieg seiner Mannschaft.
Thielsch-Tor zur Wende
Der Kapitän der Blue Devils war von der Stimmung im Tilburger Partytempel "Stappegoer" mehr angetan als in der Konzentration gestört. "Das ist eine super Organisation hier. Die machen eine gute Show für die Zuschauer, mir gefällt das", lobte Thielsch die Gastgeber. Für den 37-Jährigen war es aber auch nach der Eröffnungsparty ein besonderes Spiel, weil er mitentscheidenden Einfluss auf den dritten Sieg der Blue Devils in dieser Serie hatte. Zu Beginn des Halbfinals war für den Routinier zunächst kein Platz mehr im Weidener Luxuskader, erst am vergangenen Mittwoch beim 6:2-Heimsieg kehrte er ins Aufgebot zurück.
In Tilburg traf er zu Beginn des zweiten Drittels zum zwischenzeitlichen 2:1 und half dabei, dass die Weidener den anfänglichen Rückstand im Mittelabschnitt in eine komfortable 4:1-Führung drehen konnten. "Ich glaube vielmehr, dass der Dosenöffner für uns der Ausgleichstreffer von Vladi Filin war. Weil wenn wir ein Tor schießen, dann schießen wir auch zwei, drei, vier Stück. Das ist bei uns immer so", spielte Thielsch die Bedeutung seines Treffers etwas herunter. Wenngleich er schon auch anmerkte: "Wenn du zum ersten Mal triffst, tut das natürlich auch gut, und ich habe mich gefreut, dem Team zu helfen", sprach der Kapitän teamtragende Worte.
Im spielfreudigen zweiten Drittel stellten die Blue Devils mit vier Treffern die Weichen auf Sieg, wonach es nach den ersten 20 Minuten aber noch gar nicht ausgesehen hatte. "Wir haben im ersten Drittel so viele Chancen für Tilburg zugelassen wie im gesamten Spiel am Mittwoch bei uns daheim. Wir sind nicht genug gelaufen, weswegen unser Forechecking auch nicht so funktioniert hat. Aber Tilburg hat das auch richtig stark gemacht", sagte Devils-Coach Sebastian Buchwieser zum bislang schwächsten Drittel in dieser Halbfinal-Serie.
Überragender Hübl im Tor
Nach der Wende im Mitteldrittel war es im Schlussabschnitt eine Abwehrschlacht, weil die Trappers mit dem Mut der Verzweiflung und dem drohenden Saisonende vor Augen auf Teufel komm raus anstürmten. Doch da erwuchs ein Fels in der Weidener Brandung, der manchmal mitunter schon fast abgeschrieben schien – zu unrecht, wie sich am Freitag zeigte: "Jaro war richtig stark, er hat heute außergewöhnlich gut gehalten", lobte Buchwieser seinen erfahrenen Goalie, der auch im stolzen Sportler-Alter von 41 Jahren noch zu siegbringenden Heldentaten imstande ist.
Buchwiesers Pendant auf Tilburger Seite, Doug Mason, sang erneut ein Loblied auf die "starke Weidener Mannschaft". Seine Trappers hätten "ihr Herz auf dem Eis gelassen", doch das war gegen diese Blue Devils einfach nicht genug. "Wir hätten es gerne noch etwas enger gestaltet, aber dafür haben wir heute etwas zu einfache Gegentore kassiert", haderte der Tilburger Coach mit dem torreichen Weidener Mitteldrittel.
Buchwieser richtete den Blick im Moment des Sieges bereits wieder auf die nächste Aufgabe: "Das war ein harter Play-off-Fight, ein großer Sieg für uns. Jetzt wollen wir diese Serie am Sonntag beenden." Dann soll die Mission DEL2 auf die Zielgerade einbiegen, der Einzug ins Play-off-Finale perfekt gemacht werden. Auch dort ist dann seitens des DEB der Ablauf vor einem Spiel wieder detailliert geregelt und vorgegeben. Mit einem kleinen, aber staatstragenden Unterschied: Dann wird vor dem ersten Bully anstelle von Techno-Klängen die deutsche Nationalhymne aus den Lautsprechern ertönen.






























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