Der Abgesang ist keine vier Wochen her: Bei der WM in Eugene enttäuschten die deutschen Leichtathleten vollends. Das einzig Positive: Bei den Übertragungen zur Schlafenszeit in Deutschland bekamen das nur die absoluten Freaks mit.
Mit so einer Sternstunde wie am Dienstagabend war deswegen nicht ansatzweise zu rechnen. Zehnkämpfer Niklas Kaul, Sprinterin Gina Lückenkemper oder Diskuswerferin Kristin Pudenz brachten den Münchener Olympia-Kessel richtig zum Brodeln, gegen 22 Uhr flog der Deckel endgültig weg. Das war eine Sternstunde der deutschen Leichtathletik, an ähnliches kann sich kaum jemand erinnern. Natürlich hat das wunderbare Ambiente auf der Olympianlage in der bayerischen Landeshauptstadt das Übrige getan. In all dem Trubel ist klar geworden: Die Kernsportarten sind – trotz der neuen und hippen Konkurrenz etwa durch die Kletterer, BMX-Fahrer oder Beachvolleyballer – noch immer attraktiv.
Oft wird auch gejammert, dass der ach so böse Fußball alles auf sich zieht: Die Aufmerksamkeit und das ganz große Geld ohnehin. Dieser Dienstagabend hat aber gezeigt, dass die Leichtathletik sehr wohl ihren Platz in der deutschen Sportlandschaft hat. Es fehlten in den letzten Jahren aber auch die großen Gesichter und Vorbilder: Eine konstante Malaika Mihambo als Quasi-Alleinunterhalterin auf allerhöchstem Niveau ist da zu wenig. Viele tauchten als Sternchen auf und verglühten dann wieder schnell. Kaul und Lückenkemper machten da jetzt Gott sei Dank eine Ausnahme.
Auch im Nachwuchsbereich muss künftig alles breiter aufgestellt werden. Wenn man man da nur an die Leichtathletikabteilungen in der Region denkt. Auch da ist viel vom großen Engagement Einzelner abhängig. Wenn diese Leute dann aufhören, bricht einiges zusammen.
Die Leichtahletik hat jetzt durch diese heißen Tage in München die große Chance, sich wieder top in der Sportlandschaft zu positionieren. Bessere Steilvorlagen wird es nicht mehr geben.













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