Es ist wohl die wunderbarste Idee der Menschheit – die Olympische Idee. Völkerverständigung, friedliches Zusammenleben, Meinungsfreiheit, Verständnis für Andersdenkende, keine Diskriminierung. Am Freitag tummelt sich all das auf der Ehrentribüne der olympischen Eröffnungsfeier in Peking, was nicht für die obigen Werte steht. Wladimir Putin droht seinem Nachbarn mit Krieg, nur weil ihm die westliche Orientierung der Ukraine nicht passt. Gastgeber Xi Jinping hält gar nichts von Menschenrechten, mit Hongkong macht er derzeit die letzte demokratische Insel in seinem Riesenreich platt. Minderheiten werden unterdrückt, eigene Meinungen sowieso. Die Krönung der ehrenvollen Gesellschaft: Mohammed bin Salman, Prinz aus dem „Wintersportland“ Saudi-Arabien. War da nicht irgendetwas mit einem Mord an einem regimekritischen Journalisten?
Und mittendrin werden Thomas Bach und die Herren der Ringe vom IOC der olympischen Charta lauschen, die da von Dingen erzählt, die sie, so werden sie sagen, schon mal gehört haben, aber die doch irgendwie stören.
Thomas Bach war einst ein enthusiastischer Olympionike. 1976 erfocht er mit dem deutschen Florett-Team in Montreal die Goldmedaille. Der junge Tauberbischofsheimer war ein Held – und ein kluger Kopf dazu. Ein Top-Jurist, ein Kämpfer für die Rechte der Sportler. Sein Aufstieg in der Funktionärsriege war unaufhaltsam. Als er ganz oben angekommen war, waren damit viel Hoffnungen verbunden. Diese sind mittlerweile grandios zerplatzt. Bach und die Seinen kuschen vor Despoten und Autokraten, sind nicht in der Lage, die ureigensten Rechte eines Menschen einzufordern. Es gibt drei Dinge, die da zuallererst interessieren: Geld, Geld, Geld. Die Vergabekriterien für die Ausrichtung der Spiele an ein Land sind so extrem fordernd, so hoch, dass alle Länder, die eine Nachhaltigkeit der olympischen Anlagen anbieten könnten, abwinken. Und so werden monströse Bauten in die Landschaft gedonnert, die nach zwei Wochen kein Mensch mehr braucht. Viele sehen in Paris 2024 sowie Mailand/Cortina 2026 eine positive Entwicklung und ein Umdenken. Wer’s glaubt. Das IOC wird diese beiden Städte auspressen bis zum Geht-nicht-mehr.
Derzeit gibt es viele Diskussionsrunden, die Verhalten und Vergabemuster des IOC anprangern. Doch alle drehen sich nur im Kreis. Es wird sich nichts ändern. Zum Sport gehören Niederlagen und die müssen sich die Olympia-Fans eingestehen. Das Olympische Feuer ist schon lange erloschen, die olympische Formel eine inhaltsleere Hülse.
Und doch sind die nächsten zwei Wochen wichtig: Für die, um die es eigentlich geht. Für die Sportler, die sich zumeist fair und hart seit vier Jahren vorbereitet haben. Sie für das Verhalten des IOC und mancher Gastgeberländer zu bestrafen, wäre nicht fair. Nathalie Geisenberger, Kira Weidle oder Benedikt Doll – die Jugend der Welt hat jede Aufmerksamkeit verdient. Die Ehrentribüne braucht kein Mensch.















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