Update 03.11.2026 - 16:47 Uhr

Eishockey: Mehrere Nationen drohen mit Russland-Boykott

Die nordeuropäischen Nationen wollen bei der Eishockey-WM in Deutschland im kommenden Jahr nicht gegen Russland antreten, solange der Krieg andauert. Der Druck auf den Deutschen Eishockey-Bund wächst.

Das bisher letzte internationale Eishockeyspiel der Russen: das verlorene Olympia-Finale gegen Finnland im Februar 2022 in Peking. (Archivbild) Bild: Petr David Josek/AP/dpa
Das bisher letzte internationale Eishockeyspiel der Russen: das verlorene Olympia-Finale gegen Finnland im Februar 2022 in Peking. (Archivbild)

Mehrere Eishockey-Nationalmannschaften drohen für die WM im kommenden Jahr in Deutschland mit einem Boykott von Spielen gegen Russland. Nach Weltmeister Finnland haben auch Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu werden. Der tschechische Verbandspräsident befürwortete ebenfalls einen Boykott.

„Unsere Position bleibt unverändert: Solange der Krieg in der Ukraine andauert, sollte Russland von allen internationalen Meisterschaften ausgeschlossen werden“, teilte der norwegische Verband mit. Der Druck auf den Deutschen Eishockey-Bund und den Weltverband IIHF wächst - zumal noch weitere Verbände folgen könnten. 

Bereits knapp die Hälfte der insgesamt 16 Teilnehmer hat einen Boykott angekündigt oder denkt darüber nach, zumal auch die Ukraine als Aufsteiger bei der WM dabei ist. Zudem haben mehrere Sponsoren mit Rückzug gedroht.

Finnland: Sammeln Länder für eine gemeinsame Front

„Wir sammeln derzeit so viele Länder wie möglich für eine gemeinsame Front, um der IIHF zu signalisieren, dass keiner von uns unter diesen Umständen gegen Russland spielen wird“, sagte der Präsident des finnischen Eishockey-Verbands, Heikki Hietanen, in einer Mitteilung. „Unsere Linie lautet: Wir spielen nicht gegen Russland.“ Der norwegische Verband begründete den Boykott von Begegnungen mit Russland mit „erheblichen Sicherheitsrisiken“ für Spieler und Betreuer. 

Zudem kündigte die finnische Stadt Turku an, nicht mehr als Mitausrichter der für den Jahreswechsel 2027/2028 angesetzten U20-WM zur Verfügung zu stehen, wenn Russland teilnehmen sollte. Turku soll neben Tampere Gastgeber der Junioren-Titelkämpfe sein.

Was passiert mit der WM 2027 in Deutschland?

In der vergangenen Woche hatte der Internationale Sportgerichtshof Cas den Russen die Rückkehr auf die große Eishockey-Bühne geebnet. Das Schiedsgericht gab einer Berufung des russischen Eishockey-Verbands gegen den Weltverband IIHF statt. Es hob dabei dessen Entscheidung, russische Teams auch in der Saison 2026/2027 nicht zuzulassen, mit sofortiger Wirkung auf. Damit wären die Russen bei der Weltmeisterschaft im Mai 2027 in Deutschland spielberechtigt.

Seit Ende Februar 2022 war Russland aufgrund des Angriffskrieges gegen die Ukraine vom Weltverband von allen internationalen Turnieren und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Kurz vor Kriegsbeginn unterlag Russlands Auswahl im Olympia-Finale in Peking 1:2 gegen Finnland.

DEB und Bundesregierung sehen Cas-Urteil „kritisch“

Der Deutsche Eishockey-Bund prüft derzeit, ob er wie eigentlich geplant im nächsten Jahr die WM der Männer ausrichten kann. „Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben. Ich möchte auch nicht die Weltmeisterschaft infrage stellen. Aber natürlich müssen wir uns als DEB auch mit der Option befassen, dass wir diese Weltmeisterschaft zurückgeben“, hatte der DEB-Vorstandschef Frank Lutz bei MagentaSport zu möglichen Folgen des überraschenden Cas-Urteils gesagt.

Auch die Bundesregierung sieht die Cas-Entscheidung „sehr kritisch“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. „Über mögliche Folgen des Urteils, auch auf die Eishockey-WM 2027 in Deutschland, wird sich die Bundesregierung zeitnah mit dem Deutschen Eishockey-Bund austauschen.“ Dem Vernehmen nach soll es noch in dieser Woche Krisengespräche zwischen DEB, Weltverband und Bundesregierung geben.

CDU-Politiker Röttgen gegen Visaerteilung für Russen

Deutlich positioniert hat sich CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. „Russland führt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, der sogar immer mehr ein menschenverachtender Vernichtungskrieg gegen Zivilisten und zivile Lebensräume in der Ukraine wird. Solange dies der Fall ist, kann es keine Teilnahme Russlands an internationalen Sportwettbewerben geben“, sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Bundestag dem „Stern“.

© dpa-infocom, dpa:261103-930-934645/6

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