30.09.2019 - 18:34 Uhr
FalkenbergSport

Bayern-Legende Zobel über Zimmerkollege Beckenbauer und das große Latinum

Maier, Müller, Beckenbauer - die großen Bayern hatten aber in den 1970er Jahren noch viel mehr interessante Persönlichkeiten. Eine davon zog später durch die Welt und erzählte jetzt in der nördlichen Oberpfalz davon.

Nur Legenden, die europäischen Landesmeister des FC Bayern von 1974: Franz Beckenbauer steht ganz links, Dritter von links ist Rainer Zobel, der 1970 von Hannover 96 nach München gewechselt war. Trainer Udo Lattek (stehend rechts) ist mächtig stolz auf seine Truppe.
von Josef Maier Kontakt Profil

Er ist eine Legende. Der Begriff wird ja mittlerweile inflationär gebraucht, aber Rainer Zobel ist offiziell wirklich eine - eine Bayern-Legende. Und darauf ist der gebürtige Niedersachse richtig stolz. "Da reicht es nicht, nur einmal Meister gewesen zu sein", sagt der 70-Jährige, der in den 1970er Jahren sechs Jahre lang beim großen FC Bayern München gespielt hat, verschmitzt.

Im roten Bayern-Janker

Die gut gelaunte Legende saß am Sonntag im Innenhof der wunderschönen Burganlage in Falkenberg (Kreis Tirschenreuth). Zobel besuchte mit seiner Frau Katharina in der nördlichen Oberpfalz seinen Freund Albert Üblacker, den er in seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg kennen- und schätzengelernt hat. Zobel trainierte die Club-Profis, Üblacker war Betreuer. Freundschaften sind Zobel sehr wichtig. Er pflegt sie. Und er schätzt es, wenn auch andere so denken. "Der FC Bayern ist in dieser Beziehung einmalig", schwärmt er. "Es gibt keinen Verein, der sich so um seine ehemaligen Spieler kümmert." Den roten Legenden-Janker der Münchener hat er sich verdient. Drei Mal war er Deutscher Meister mit den Bayern, drei Mal holte er den Europapokal der Landesmeister. Heute wäre er im modernen Fußball wohl ein Verbindungsspieler im Mittelfeld, damals war er Wasserträger. "Dieser Begriff stört mich überhaupt nicht", sagt er. Es machte ihm nichts aus, für Beckenbauer, Hoeneß oder Müller die Drecksarbeit zu verrichten. "Ich war damals mit dem Gladbacher Hacki Wimmer der laufstärkste Spieler", erzählt Zobel. "Wir sind damals sieben, acht Kilometer pro Spiel gelaufen." Und um zu dokumentieren, wie sich der Fußball in all den Jahren, auch wegen der besseren medizinischen Betreuung, verändert hat, schiebt er grinsend nach. "Das läuft ja heut' fast schon Manuel Neuer."

Auf des "Kaisers" Zimmer

Gerne erinnert er sich auch an die Zeit, als er mit Franz Beckenbauer vor Auswärtsspielen das Zimmer teilte: "Aber", und Zobel schmunzelt erneut, "als es zu schlimm wurde, wurden wir getrennt." Ab und an sieht er den "Kaiser", aber in den vergangenen Jahren war es ohnehin schwierig. Zobel war als Trainer in vielen Ecken der Welt unterwegs. Die kleinen Ecken waren da die deutschen Klubs in Stuttgart (Kickers), Kaiserslautern oder eben Nürnberg. Die großen waren Klubs in Ägypten, Iran, Georgien, Moldawien oder Südafrika. "Ich war nie einer, den nur der Verein allein interessiert hat", erklärt der Trainer. Er will auch immer viel von Land und Leuten mitbekommen. "In Kairo habe ich auf der Nil-Insel gewohnt und irgendwann dort sogar einen deutschen Bäcker ausgemacht." Die Zeit in Ägypten, als er dort mit dem Hauptstadtclub al Ahly drei Mal Meister wurde, war eine der schönsten: "Als Trainer von al Ahly bist du nach dem Staatspräsidenten der zweitwichtigste Mann im Land." Auf so manche Erfahrung hätte er aber auch verzichten können: In Georgien musste er wegen politischer Unruhen Hals über Kopf das Land verlassen. "Nach 27 Stunden war ich völlig kaputt zurück in Deutschland."

Ex-Bayern-Spieler und Club-Trainer Rainer Zobel (links) besuchte Albert Üblacker in Falkenberg.

Beim Club nicht nur Trainer

Speziell war auch seine Zeit beim 1. FC Nürnberg, wo er Üblacker kennenlernte: "Der Club ist ein wichtiges Kapitel in meinem Trainerleben." Der FCN war damals - man kennt es nicht anders - klamm. Im Januar 1994 hatte Zobel den Trainerjob übernommen. Der Abstieg war nicht mehr zu verhindern. Mit seinem Team versuchte Zobel alles, dem Club nach dem Erstliga-Abstieg die Lizenz zu sichern. Viele Leistungsträger wurden verkauft. "Ich war da mehr als ein Trainer, aber ich habe dort viel gelernt", blickt Zobel zurück. "Zum Dank" wurde er im Dezember 1994 gefeuert.

Zobel hat viel zu erzählen, er macht das locker, launig, nicht aufdringlich. Deshalb käme es ihm auch nie in den Sinn, ein Buch über sein Erlebtes zu schreiben. "Wieso denn?" Seine Erlebnisse hat er ohnehin im Herzen. Er spielte mit den ganz Großen der damaligen Zeit - beim FC Bayern. Er spielte aber nicht in der Nationalelf. Andere Spieler waren dort auf Zobels eigentlicher Position gesetzt. Ein Lückenfüller wollte er nicht sein. Und so traf der Bursche einen weisen Entschluss, den wohl nicht so viele treffen würden: "Das große Latinum war mir wichtiger als die Nationalmannschaft." Der damalige Bundestrainer Helmut Schön war tief beeindruckt von der Entscheidung Zobels, lieber das Abitur zu machen, als im WM-Kader zu stehen, aber kaum eine Chance auf einen Einsatz zu haben. Dass kein A-Länderspiel in seiner Vita steht - geschenkt.

Treu ist Zobel dem Fußball immer noch. Derzeit ist er Trainer beim Nord-Regionalligisten Lüneburger SK Hansa. Bis auf Platz fünf hat er den Klub aus der Heide, wo er in Wrestedt geboren wurde, geführt. Die Bedingungen sind alles andere als traumhaft, doch das schockt Zobel nicht.

Ein noch kleinerer Verein spielt auch eine wichtige Rolle in seinem Fußballerleben, der FC Wenden: Ein Klub aus einem Stadtteil von Braunschweig. Seine Söhne Maximilian und Sebastian kicken dort. "Sie werden die Untrainierbaren genannt", verrät Zobel. Als er 2016 mal kein höherklassiges Trainerengagement hatte, machte er die Untrainierbaren trainierbar und stieg mit ihnen in die Bezirksliga auf. Die Belohnung: "Es gab eine tolle Party." In Wenden hat Rainer Zobel wie beim FC Bayern auch Legenden-Status.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.