06.07.2026 - 14:10 Uhr

Fall Balogun: Politiker der EU und Belgiens kritisieren FIFA

Diskussionen mit dem Schiedsrichter sind oft zwecklos, aber gilt das auch für einen Anruf des US-Präsidenten bei der FIFA? Am mutmaßlichen Vorgehen Trumps gibt es sogar Kritik aus der EU-Kommission.

Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war. (Archivbild) Bild: Julio Cortez/AP/dpa
Balogun hatte im WM-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war. (Archivbild)

Die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Nationalstürmers Folarin Balogun sorgt auch auf EU-Ebene für Kritik. „Entscheidungen über sportliche Regeln und sportliche Angelegenheiten obliegen den Sportverbänden, nicht den Politikern“, schrieb der EU-Kommissar für Sport, Glenn Micallef, in den sozialen Netzwerken. 

Der Fußball-Weltverband FIFA hatte die Rot-Sperre von US-Torjäger Balogun aufgehoben. Damit ist der Stürmer nach derzeitigem Stand für das Achtelfinale der USA gegen Belgien am Dienstag (2.00 Uhr/MESZ) spielberechtigt. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. 

EU-Kommissar Micallef schrieb: „Eine Beeinflussung sportlicher Entscheidungen würde die Autonomie des Sports untergraben.“ Als Fan halte er die Entscheidung für falsch. 

Belgischer Außenminister: unverständliche Entscheidung 

Auch in der belgischen Politik hält die Empörung über die ausgesetzte Rot-Sperre des US-Torjägers an. Belgiens Außenminister Maxime Prévot sprach gegenüber „Politico“ in einem Statement von einer Entscheidung, die „zweifellos viele Fragen aufwirft“. Das belgische Regierungsmitglied sagte demnach weiter: Sollte ein Telefonanruf ursächlich für die Entscheidung gewesen sein, entspräche dies der Untergrabung der grundlegendsten Regeln des Fußballs und des Sports. Ebenso würde der Vorgang die Fähigkeit der FIFA infrage stellen, glaubwürdig Fair Play zu unterstützen.

In der belgischen Zeitung „Le Soir“ heißt es: Eine Regelung, die sich den Umständen anpasse, höre schnell auf, eine Regelung zu sein. Sie werde zu einem Werkzeug der Instrumentalisierung. Die Geschichte der FIFA sei mit zu vielen „Teufelspakten gepflastert“, als dass man ihr noch den Segen ohne Beichte erteilen könne.

© dpa-infocom, dpa:260706-930-341750/1

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.