München
01.11.2019 - 22:50 Uhr

Der FC Bayern hat nicht nur ein Chef-Problem

Sorglos, seelenlos, aber dennoch nicht sieglos. Der FC Bayern schleppt sich ohne große Leidenschaft durch die Saison. Es bräuchte auch einen Spielertypen, den die Bayern derzeit nicht haben, meint unser Sportredakteur Josef Maier.

Kommentar von Josef Maier
Frust bei Bayern und Thiago: Die Ergebnisse stimmen im Großen und Ganzen, doch der Spielstil der Münchener gibt große Rätsel auf. Vor allem Thiago kann derzeit die Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. Bild: Matthias Balk
Frust bei Bayern und Thiago: Die Ergebnisse stimmen im Großen und Ganzen, doch der Spielstil der Münchener gibt große Rätsel auf. Vor allem Thiago kann derzeit die Erwartungen überhaupt nicht erfüllen.

Gibt es zwei Tage nach Halloween den nächsten Gruselkick? Es ist aber gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Bayern am Samstag in Frankfurt wieder ganz anders auftreten. Die individuelle Klasse in der Mannschaft ist gewaltig. Aber ist das überhaupt eine Mannschaft? Die Spieler wirken derzeit eher wie elf Puzzleteile, die auf dem Platz so gar nicht zueinanderpassen und ineinandergreifen.

Es ist erschreckend, wie sich in den letzten Wochen eine blutleere Vorstellung an die nächste reiht. Dabei gibt es diese Tendenz nicht erst seit der Niederlage gegen Hoffenheim. Selbst beim Kantersieg gegen Mainz Ende August hatten die Bayern zu Beginn größte Probleme. Auch beim 7:2 bei Tottenham hakte es zunächst gewaltig.

Dieser Truppe fehlt zuallererst ein Chef. Leute wie Bastian Schweinsteiger oder Xabi Alonso, die einst den Laden führten. Manuel Neuer ist natürlich ein Chef-Typ. Er regt sich derzeit als einziger auf, zu interessieren scheint das die Kollegen wenig. Das Team bräuchte ohnehin einen Strategen im Spielgeschehen. Robert Lewandowski wäre aufgrund seiner vielen Tore prädestiniert, doch der Pole gefällt sich eher als Individualist. Serge Gnabry ist auch toll in Form, doch nicht der laute Typ. Das ist Joshua Kimmich, wenn er sich zu diesem und jenem äußert. Dominanz auf dem Platz zeigt er nicht. David Alaba? Auch nicht. Einer aus der französischen und spanischen Fraktion kommt aufgrund der Sprachprobleme ohnehin nicht infrage. Bliebe Thomas Müller. Er ist antastbar geworden. Thema erledigt.

Im Herzen des Spiels, im defensiven Mittelfeld, dort, wo die Fäden zusammenlaufen, wo die Impulse herkommen müssen, da müsste der Boss zu Hause sein. Doch dort turnt allzu oft Thiago rum. Alles andere als ein Chef. Seit 2014 ist der Spanier in München, richtig integriert wirkt er nach all den Jahren nicht. Ihm wird keine große Identifikation mit dem Klub nachgesagt. Zirkus und Show auf dem Platz ist ihm wichtiger als Taktik und Disziplin.

Faktenmäßig ist bei den Bayern alles in Ordnung: Drei Siege in drei Champions-League-Spielen, in der Liga einen Punkt hinter dem Spitzenreiter und wieder mal im Pokal-Achtelfinale. Gefühlt stimmt aber nicht viel. Die Bosse haben angekündigt, eine neue Mannschaft aufbauen zu wollen, die auch Europa erobern kann. Freilich brauchen solche Teams Zeit, um zu reifen. Aber es ist schwer zu glauben, dass diese Mannschaft mal groß wird.

 
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