Als Sabrina Wittmann im Mai 2024 den FC Ingolstadt als Trainerin übernahm, blickte ganz Fußball-Deutschland auf die damals 32-Jährige. Eine Frau hatte hierzulande noch nie ein Profiteam der Männer gecoacht. Wittmann war eine Pionierin. Nach 101 Pflichtspielen ist ihre Zeit bei den Oberbayern nun aber vorbei. Der Drittligist trennte sich wegen des enttäuschenden Saisonstarts von Wittmann. Damit sitzen auf den 56 Trainerbänken in Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga künftig wieder nur männliche Coaches.
Wittmann wurden nur acht Punkte aus den ersten sieben Ligaspielen, zuletzt drei Niederlagen in vier Spielen und Tabellenrang 13 zum Verhängnis. Das mühevolle Weiterkommen im Landespokal beim Regionalligisten TSV Landsberg am Mittwochabend (2:1) half letztlich nicht mehr - schon am folgenden Morgen wurde die heute 35-Jährige über ihren Rauswurf informiert.
Wittmann enttäuscht: „Hätte sehr gerne weitergemacht“
„Ich hätte sehr gerne weitergemacht und den Weg mit einer Mannschaft voller außergewöhnlicher Charaktere fortgesetzt“, wurde sie in einer Mitteilung zitiert. „Leider ist das Vertrauen hierfür nicht mehr da und der Verein hat sich für eine andere Lösung entschieden.“ Die Enttäuschung ist spürbar groß.
Geschäftsführer Harald Gärtner sprach von „einer intensiven Betrachtung der saisonübergreifenden sportlichen Entwicklung und der Ergebnisse im bisherigen Saisonverlauf der 3. Liga“, die zur Trennung geführt habe. Der FCI halte eine „Neuausrichtung“ für nötig. Obwohl Wittmann den wohl besten Kader in ihrer FCI-Zeit zur Verfügung hatte, enttäuschte die Mannschaft. Wer auf die Trainerin folgt, solle „zeitnah“ kommuniziert werden.
Von U15-Mädchen zu Drittliga-Profis: „Hier war ich zu Hause“
„Auf menschlicher und persönlicher Ebene ist uns dieser Entschluss sehr schwergefallen“, beteuerte Gärtner. Fast eineinhalb Jahrzehnte war Wittmann bei den Schanzern: Sie begann 2012 als Trainerin der U15-Mädchen, übernahm später unterschiedliche Juniorenteams. Im Mai 2024 folgte sie bei den Profis auf Michael Köllner und wurde Interimstrainerin. Kurz darauf bestätigten die Ingolstädter Wittmann als Cheftrainerin in der 3. Liga. Anfang 2026 bekam sie die DFB-Pro-Lizenz, im März wurde ihr Vertrag sogar noch verlängert.
Jetzt muss sie den FCI, für den sie selbst auch gespielt hatte, verlassen. „Ingolstadt war für mich mehr als irgendein Verein. Hier war ich zu Hause. Hier bin ich fußballerisch groß geworden und habe unheimlich viele besondere Erinnerungen machen dürfen“, sagte sie. „Der Verein mit all seinen Leuten und Mitarbeitern ist mir mehr als ans Herz gewachsen.“
Stolz und „schwerer Rucksack“ bei Beförderung 2024
Der Verein hatte sie mit der Beförderung 2024 auch extrem in den Fokus und damit unter Druck gesetzt. Wittmann war zwar stolz darauf, als Vorreiterin für Frauen im Fußball angesehen zu werden, wie sie oft sagte. Aber der Druck gerade am Anfang war sehr groß, wie sie zuletzt in einem Podcast schilderte. Es sei ein „Rucksack“ gewesen, sagte sie. „Der war schon ein bisschen schwerer als ich gedacht hätte, um ehrlich zu sein.“ Sie habe nicht die erste Frau sein wollen, die dann nach wenigen Wochen wieder entlassen wird. Sie hielt sich letztlich mehr als zwei Jahre, ehe nun die Trennung folgte.
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