23.07.2018 - 22:26 Uhr
FloßSport

Warum Rummenigge kein Trainer wurde

Bayerns Vorstandsboss hätte sich auch ein Dasein auf der Trainerbank vorstellen können, erzählt er in Floß. Doch da funkte jemand dazwischen.

Rummenigge-Autogramme waren in Floß sehr begehrt.
von Josef Maier Kontakt Profil

Floß.(mr) Das Bayern-Nähkästchen stand am vergangenen Freitag in Floß: Aus dem plauderte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des Rekordmeisters, bei der Jubilarehrung des großen Bayern-Fanclubs. Der 62-Jährige zog dabei nicht nur über den DFB her, sondern hatte noch viel mehr zu erzählen.
Rummenigge ... über den Kovac-Auftakt bei den Bayern.
Ich war zuletzt zwei Wochen im Urlaub, aber ich habe mir von Hasan (Salihamidzic) jeden Tag Bericht erstatten lassen. Ja, die Trainingseinheiten sind lang, meist zwei Stunden und sehr, sehr hart. Niko nutzt auch die Gelegenheit, dass die Nationalspieler früher von der WM zurückgekehrt sind und früher ins Training einsteigen. Sie werden topfit in die Saison gehen.
... über die Entwicklung von Kovac.
Niko macht auf mich einen guten, klaren Eindruck. Ich sehe seine Entwicklung in Frankfurt in den letzten zwei Jahren sehr positiv. Wir mussten das ja auch leidvoll im Pokalfinale erfahren. Er hat hier bei den Bayern schon mal gespielt, er kennt die DNA von Bayern. Das ist ein großer Vorteil von ihm. Er ist ja noch ein relativ junger Bursche, es wäre schön, mit ihm unsere Ziele zu erreichen.
... über die Forderung von Philipp Lahm, junge Fußballspieler härter anzufassen.
Das ist schwierig. Ich bin keiner, der sagt, früher war alles besser. Die Jungs werden heute hochprofessionell trainiert und betreut, alles ist besser. Man muss auch akzeptieren, dass die junge Generation anders ist. Einem Älteren wie Jupp Heynckes ist es auch gelungen, die Jungen mit Empathie einzufangen. Sie haben ihm vertraut.
... über die Kritik nach der WM, der deutsche Fußball verhindere Individualisten.
Vor einem Jahr gab es ja schon die Scholl-Kritik, die Dribblings kämen oft zu kurz, hieß es da. Mir ist das heutzutage auch oft zu viel moderner Fußball. Unsere Individualisten waren in den letzten zehn Jahren die stärkste Waffe der Bayern. Ribéry und Robben sind schnell, haben viele Tore erzielt und aufgelegt. Und sie haben immer noch Spaß. Und wenn ein 33-Jähriger (Ronaldo) heute noch 112 Millionen Euro kostet, kann man auch die Verträge eines 35-Jährigen und 36-Jährigen verlängern.
... über die bisherigen Neuzugänge der Bayern.
Leon Goretzka ist ein interessanter Mittelfeldspieler. Serge Gnabry haben wir zwei Jahre lang ausgeliehen. Seine Entwicklung in Hoffenheim war sehr vielversprechend. Es lässt sich nicht seriös sagen, ob wir noch was in Sachen Neuzugängen machen. Wir werden den Markt beobachten. Wenn wir noch einen holen, muss es einer sein, der unsere ohnehin hohe Qualität noch weiter verbessert. Wir sind bekannt dafür, nicht jede Verrücktheit mitzumachen.
... über die Sehnsucht nach einem Stammspieler aus dem eigenen Nachwuchs.
Eines der wichtigsten Investments zuletzt war der Campus an der Ingolstädter Straße. Er wird jetzt mit Leben gefüllt. In der U17 und U19 haben wir einige Spieler, die sind vielversprechend. Ich nenne jetzt ganz bewusst keine Namen, sonst wird der Spieler von der Presse verrückt gemacht und in drei Wochen steht der Berater vor der Tür und fordert das dreifache Gehalt. Wir wollen nach David Alaba, der der Letzte war, der den Sprung geschafft hat, einen Nachwuchsspieler so schnell wie möglich in die erste Mannschaft bringen. Ich denke in spätestens zwei, drei Jahren wird es soweit sein.
... über seine früheren Ambitionen als Trainer.
1989 habe ich mit dem Fußball aufgehört. Damals habe ich mal mit dem Gedanken gespielt, Trainer zu werden. Das hätte mich gereizt. Ich habe dann mit meiner Frau gesprochen. Die sagte mir, es reicht ihr jetzt mit der Umzieherei. Wir waren mit unseren fünf Kindern auch im Ausland unterwegs. Und als Trainer wird man ja alle zwei, drei Jahre gefeuert und muss umziehen. Da sagte meine Frau: Geh' lieber ins Management.

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