30.07.2018 - 22:44 Uhr
FlossenbürgSport

Giganten-Treffen auf der Flossenbürger Ruine

In den Loipen sind sie erbitterte Konkurrenten. Wenn die Skier abgeschnallt sind, sind sie dicke Freunde.

Auf diese Freundschaft wird angestoßen: Der Nordische Kombinierer Akito Watabe (links) besucht in diesen Tagen seinen Kumpel Eric Frenzel in dessen Wahl-Heimat Flossenbürg. Sie besuchten auch das Burgfest.
von Josef Maier Kontakt Profil

Flossenbürg.(mr) Das kennen sie bestens, rauf auf den Berg. "Das ist ja steiler, als ich gedacht habe", sagte Akito Watabe (30) schnaufend. Anstiege ist der Nordische Kombinierer gewohnt, aber meist nur mit Skiern an den Füßen. Am Sonntag erklomm der japanische Wintersport-Star die Burg in Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN). Neben ihm sein ewiger Rivale Eric Frenzel (29), quasi im Gleichschritt. Schulter an Schulter. Und wie Watabe in Shorts und Turnschuhen. Dieses Mal ging es nicht um Bestzeiten, dieses Mal ging es darum, ein paar schöne Stunden hoch oben auf dem Burgfest über Flossenbürg zu verbringen. Frenzel, der mit seiner Familie im Flossenbürger Ortsteil St. Ötzen wohnt, hatte dann noch etwas mehr zu leisten: Er schob einen Kinderwagen. Die kleine Emma hatte richtig Spaß, als sich der Papa den Berg hochplagte.

Watabe, der bei Olympia in Südkorea Silber gewann, und Frenzel, der in Pyeongchang mit zwei Mal Gold und einmal Bronze richtig abräumte, sind nicht nur sportliche Rivalen auf allerhöchstem Niveau, sondern auch beste Freunde. Zusammen mit Johannes Rydzek dominierten sie die Kombination in den vergangenen Jahren.

"Wir kennen uns schon seit 2006", erzählte Watabe im Burghof und kramte ganz tief in Erinnerungen. "Wir haben das erste Mal in Oberstdorf oben auf dem Sprungturm gesprochen. Aber, sorry, ich weiß jetzt nicht mehr, über was." Egal. Beiden war sofort klar, dass sie auf einer Wellenlänge liegen. Frenzel charakterisiert den Kollegen so: "Er ist einfach ein ganz angenehmer Mensch." Nicht nur, weil er, wie bei Asiaten üblich, sehr höflich und zuvorkommend ist.

Und jetzt hat er Frenzels Einladung angenommen: "Ich habe mich riesig gefreut, als er uns geschrieben hat, dass er kommen will." Mit seiner Frau ist Watabe noch bis Mittwoch im kleinen, verschlafenen Örtchen St. Ötzen bei Flossenbürg. "Ich genieße es hier, es ist so ruhig", sagt der japanische Skisportler. Manchmal wird's aber auch ein bisschen turbulenter. Schließlich haben Laura und Eric Frenzel drei Kinder: die kleine Emma, Leopold und Philipp. "Es ist ganz lustig, wenn man mit ihnen etwas spielt", sagte Watabe grinsend. Da schieben seine Frau und er auch schon mal einen Puppenwagen oder ein Spielzeugauto durch die Gegend.

Am Samstag holte Frenzel seinen Kumpel vom Flughafen ab. "Am Sonntagvormittag waren wir ein bisschen zum Entspannen am Gaisweiher." Danach stand auch der Besuch des Kreisklassen-Spiels Flossenbürg gegen Waldthurn auf dem Programm. Die Einheimischen konnten die Gäste kaum begeistern, 0:4 ging die Partie verloren. "Das geht noch besser", meinte Watabe schmunzelnd. Frenzel plant derweil noch einige Ausflüge: "Wir schauen uns auch Regensburg und vielleicht Kloster Weltenburg an."

Beim Burgfest hatten die Frenzels und Watabes ihren Spaß. Die Burgschützen knallten, Bürgermeister Thomas Meiler schenkte den Gästen aus Japan Oberpfälzer Schmankerl, mit einem Bier wurde angestoßen. Kein Autogrammwunsch blieb unerfüllt. Auch über einen Gegenbesuch wurde gesprochen. "Ich hoffe, sie kommen bald nach Japan", sagte Watabe. Laura und Eric Frenzel wären sofort dabei. Aber zu fünft? "Das wird ganz schön anstrengend."

Die beiden Wintersportler genießen noch die trainingsfreien Tage. Ab Mittwoch setzen sie ihr Vorbereitungsprogramm für die Saison fort, die Ende Februar mit der WM in Seefeld ihren Höhepunkt hat. "Ich bin dann mit meinem Nationalteam in Seefeld", kündigte Watabe an. Frenzel trainiert in Oberhof. Im Winter werden sie sich auf den Weltcup-Strecken wieder knallhart duellieren. Schulter an Schulter, um jede Hundertstelsekunde ringend. Freunde fürs Leben werden sie trotzdem immer bleiben.

Eric Frenzel schob die kleine Emma im Kinderwagen auf die Burgruine.

Bürgermeister Thomas Meiler (links) begrüßte die Gäste.

Laura Frenzel (knieend) kümmert sich während des offiziellen Teils um die Kinder Leopold und Emma.

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