25.02.2020 - 15:12 Uhr
FlossenbürgSport

Kolumne von Eric Frenzel: "3 und 5" und "5 vor 12"?

Für Eric Frenzel naht das Saisonfinale. Zeit, um sich Gedanken zu machen über den Klimawandel und seine Folgen für die Nordische Kombination.

Eric Frenzel.

Der Winter neigt sich dem Ende zu, auch wenn er für viele von uns vom Gefühl her gar nicht angefangen hatte. Mein Winter ist der Weltcupwinter, der über die Kalenderstationen Lahti, Oslo und Schonach ausklingen wird. In Finnland werden wir zunächst einen Team-Sprint starten, bevor es in die letzten fünf Einzelrennen gehen wird. Dies ist zumindest der Plan.

Ich persönlich glaube jedoch nach wie vor eher an die Formel „3 vor 5“. Das ist keine Wahrscheinlichkeitsrechnung im Hinblick auf die nächsten Lottozahlen, sondern meine Hypothese, dass der deutsche Weltcup in Schonach wegen Schneemangels ausfallen wird. Auch auf die Schwarzwaldhöhen ist in den Tagen des Klimawandels nicht mehr Verlass, so dass ich davon ausgehe, dass die letzten beiden geplanten Starts der Saison in Wind und Regen untergehen. Meine persönliche Meinung geht dahin, es auch wirklich abzusagen, statt wieder wider die Umwelt zu agieren und Tonnen von Schnee über Hunderte von Kilometern mit Lastern in den Schwarzwald zu fahren.

Auch hier ist es so wie fast überall in der Gesellschaft: Man weiß um die Dinge, handelt aber trotzdem weiter ohne tieferen Sinn. Der Verband und die Sportler müssen sich auf andere Szenarien einstellen und der Wintersport muss wohl auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Ich habe schon seit Jahren dafür plädiert, dass gerade am Rand des Weltcupwinters, vor allem Mitte März, die skandinavischen und damit schneesichereren Weltcup-Standorte zum Zuge kommen sollten und dass die Rennen im Schwarzwald in die Mitte der Saison genommen werden.

Kein unwahrscheinliches Szenario ist, dass wir in 20 Jahren vielleicht nur noch in Skandinavien Wettkämpfe in der freien Natur und auf Schnee vollziehen können. Wenn die Tigermücke infolge des Klimawandels nach Deutschland fliegt, die Eisbären sich an die Pole zurückziehen, müssen die Nordischen Kombinierer irgendwann ihre Schanzen und Loipen im mittleren Europa schließen.

Während ich solche Gedanken in meinem Kopf bewege, packe ich die letzten Sachen in meinen Koffer, der diesmal wieder etwas mehr fassen muss, weil es von Finnland gleich nach Norwegen geht. Auch hier ist der Schneemangel bei uns der Grund, warum wir vom deutschen System der Heimreise nach den Weltcups abweichen. In Oslo werden wir Trainingstage auf Schnee haben.

Eine letzte Trainingseinheit im Skilanglaufzentrum Silberhütte steht heute noch auf dem Programm, auf dem letzten weißen Band, das auch in unserer Region verblieben ist, bevor es morgen mit dem Auto nach München und mit dem Flieger nach Finnland geht.

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