30.01.2020 - 21:23 Uhr
FlossenbürgSport

Kolumne von Eric Frenzel: Der Geist von Seefeld

Eric Frenzel hat als Nordischer Kombinierer auf vielen Schanzen und Loipen große Erfolge gefeiert. Aber eine Station im Weltcup hat es ihm besonders angetan.

Eric Frenzel.
von Externer BeitragProfil
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Wir passieren im Schritttempo das Ortsschild – Seefeld. Seit letztem Mittwoch sind wir mit der ganzen Familie zusammen quasi auf Weltcup-Reise. Meine Ehefrau Laura war mit den Kindern nach Oberstdorf nachgereist. Schon Tradition ist es, dass anlässlich des Seefelder Triple-Wettbewerbs die Fangruppen aus dem Erzgebirge und aus der Oberpfalz anreisen, um mich zu unterstützen.

Was für Boris Becker und Stefan Edberg Wimbledon war und für Nikki Lauda Monza, ist für mich Seefeld, mein Wohnzimmer. Hier habe ich auch die für mich unfassbare Serie von zwölf Siegen in Folge in den Einzelwettbewerben aufgestellt habe. Und die hatte Schlagzeilen zur Folge, bei denen ich zum König von Seefeld ernannt wurde. Ich erinnere mich gerne daran, wie der Inhaber unseres Mannschaftshotels „Zum Gourmet“ mir stolz mitteilte, es gäbe nunmehr auch eine Eric-Frenzel-Suite in seinem Hotel, die mit Bildern meiner Triumphe ausgestattet sei.

Seefeld – nicht nur Ort meiner Triple-Erfolge, sondern auch Schauplatz der letzten Weltmeisterschaft, als ich nach einer verkorksten Saison mir doch noch die WM-Krone aufsetzen durfte. Diesmal sind die Rahmenbedingungen zugegebenermaßen etwas anders. Die Norweger eilen von Sieg zu Sieg, dominieren die Weltcups und wir deutsche Athleten wirken nicht nur manchmal ob der Resultate auf der Schanze etwas ratlos – wir sind es auch. Alle Parameter, die einen guten Sprung indizieren, sind gut, die Anlaufgeschwindigkeit passt, die biomechanischen Vektoren während des Flugs passen und trotzdem landen wir 20 Meter vor dem Punkt, an dem die Norweger ihren Telemark setzen.

Wir parken den Van in der Hoteleinfahrt. Drei Kinder, zwei Erwachsene und das ganze Equipment für den Sport ergeben einen gewaltigen Kofferberg. Während ich einer österreichischen Fangruppe noch Autogramme gebe, ist Laura mit den Kindern schon zum Abendessen verschwunden. Ich räume meine Wettkampfsachen in die Schränke und freue mich darüber, dass der Hotelier uns tatsächlich meine Suite gegeben hat. Vier Triple-Siege, schwarz-weiß und gerahmt, umgeben mich und ich merke, wie mich das gerade jetzt stärkt. Ich öffne die Balkontür und trete hinaus. Kühle und frische Schneeluft sind die Vorboten für den morgigen Prolog. Mein Blick geht in die Wälder und Berge – ja, hier irgendwo muss er sein, der Geist von Seefeld.

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