17.01.2020 - 14:51 Uhr
FlossenbürgSport

Kolumne von Eric Frenzel: Riiber, ich und das Leben eines Papas

Eric Frenzel ist nicht nur auf der Schanze und in der Loipe ein Top-Experte, als dreifacher Familienvater ist er auch ein Fachmann in Sachen Erziehung. Und da kann er auch seinem ärgsten Konkurrenten Tipps geben.

Eric Frenzel.
Kommentar

Als die Reporterin des norwegischen Fernsehsenders NRK mir das Mikrofon für eine Liveschaltung nach Norwegen in die Hand drückte, war ich bestens gerüstet. Seit zwei Jahren hat sich die junge Dame auf den Zweikampf zwischen ihrem Landsmann Jarl Magnus Riiber und mir spezialisiert und kennt bereits wenige Sekunden nach Wettkampfende alle wettbewerbsrelevanten Parameter.

Mit Sprungweiten und Laufzeiten hält sich die Dame nicht groß auf, sondern ist eher an Absprunggeschwindigkeiten und an Winkelstellungen der Stöcke beim Langlauf interessiert. Würde jemals eine Doktorarbeit zum Thema Nordische Kombination veröffentlicht, würde ich blind darauf tippen, dass die Verfasserin diese Norwegerin namens Linda sein müsse.

Entsprechend vorbereitet war ich, als wir uns in der Mixed-Zone nach dem Einlauf trafen. Ich hatte mich im Vorfeld präpariert und wusste so ziemlich alles, was man an Sekundärdaten zum Wettkampf vorhalten konnte. Doch Linda erwischte mich wieder einmal kalt, als sie mich fragte, wie sich meiner Erfahrung nach die bevorstehende Vaterschaft von Jarl Magnus Riiber auf die Wettkampfspannung auswirken werde.

Diese Nachricht hatte sich im Sportlerlager noch nicht herumgesprochen, so dass ich mit einer echten Insiderinformation versorgt wurde. Nachdem ich mich spontan über den norwegischen Nachwuchs gefreut hatte, und darüber, dass ich wegen meiner dreifachen Vaterschaft auch in dieser fachlichen Angelegenheit international als Experte angesehen werde, wiederholte ich laut die Ausgangsfrage, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen.

Wie wirkt sich eine bevorstehende Vaterschaft auf die Wettkampfspannung bei einem Nordischen Kombinierer aus? Mit ernster Miene zitierte ich zunächst Piloten aus dem Motorsport, dass man als Fahrer pro Kind eine Sekunde an Rundenzeit verlieren würde, da die Verantwortung für die Familie immer mitfahre, um dann die Parallelen zur Kombination zu ziehen. Natürlich könnte es sein, dass man aufgrund von Schlafmangel, den einem der Nachwuchs beschere, den Absprung am Schanzentisch falsch setze, weil Konzentrationsfähigkeit und Schlafmangel in klarer Abhängigkeit stünden.

Weitenverlust wäre die Folge, was meinem norwegischen Vaterkollegen in spe gleich mal um 20 Startplätze beim 10-Kilometer-Lauf nach hinten schieben würde. Denkbar wäre aber auch, dass durchs Kinderwagenschieben das Sprintvermögen leide, da man sich an langsame Schritte gewöhne.

Das strahlende Lächeln im Gesicht der Norwegerin war einer Fassungslosigkeit gewichen, da sie realisierte, dass der Nachwuchs die gegenwärtige Vormachtstellung von Jarl Magnus Riiber gefährden könnte, was mich zum tröstenden Schlusssatz veranlasste: "Das kann so kommen, muss aber nicht!"

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